1092 Dritter Hauptabschnitt. Laufende Ausgaben d. Handols- u. Gewerbeverwaltung.

V. Die Handwerker- und Kunstgewerbeschulen, die Zeichenakademie
 in Hanau und die keramischen Fachschulen.

Entwickelung.
$ 1600, Die napoleonischen Kriege hatten die Fortentwickelung
des Unterrichtswesens hart betroffen, insbesondere die vielversprechenden
 Anfänge der Provinzialkunstschulen fast völlig vernichtet. Von
den um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts entstandenen Provinzialkunstschulen
 gingen die meisten ein. Krhalten blieben nur diedenigen
 zu Berlin, Breslau und Königsberg i. Pr. Die Schulen in
Berlin und Breslau sind in dem Berliner Kunstgewerbemuseum
($8 518 ff. V. Hauptst. Bd. IT, Lief. I) und der Kunst- und Kunstgewerbeschule
 in Breslau ($ 522ff. a. a. O.) aufgegangen bezw. fortgesetzt.
Hier mit zu behandeln ist nur noch die königliche Provinzial-, Kunstund
 Gewerbeschule zu Königsberg i. Pr., welche nach den Kriegen
auf den Grundsätzen vom 27. Juni 1800 reorganisirt wurde.
$ 361. Planmässig ging die Regierung erst seit den 70er Jahren
auf diesem Schulgebiete vor,') ohne dass ein Abschluss der Organisation
bisher erreicht wäre.
Ausser der Königsberger Anstalt kommen heute in Betracht an
„Kunstgewerbeschulen“ diejenigen in Frankfurt a. M. und Düsseldorf, an
„gewerblichen Zeichen- und Kunstgewerbeschulen“ die in Cassel und
Aachen, mit welcher letzteren eine „gewerbliche Tagesschule“ verbunden
 ist, die „Kunstgewerbe- und Handwerkerschulen“ in Magdeburg,
 Hannover, Cöln, Barmen, Elberfeld, Charlottenburg, Erfurt,
Altona, die Handels- und Gewerbeschulen“ in Danzig?) und Gnesen,
die „Gewerbeschulen“ in Essen und Elbing,*) die erste und zweite
„Handwerkerschule“ und der „Gewerbesaal“ in Berlin, eine Handwerkerschule
 in Halle, die „Fachschule für Kunsttischler und Holzbildhauer“
 in Flensburg, die „keramischen Fachschulen“ in Höhr und
Bunzlau, die „Zieglerfachschule“ in Lauban und die 1902 eröffnete
‚Holzschnitzschule“ in Warmbrunn.
Ferner gehört hierher die in den Etat für 1902 neu eingestellte
‚Schuhmacherfachschule“ in Wermelskirchen.

Lehrpläne.
$ 162, Die meisten der Schulen haben einen 3jährigen Lehrkursus,
von welchem das erste Jahr aber meist in einer mit der Anstalt verbundenen
 Vorschule zurückgelegt wird.
Höhere Vorkenntnisse als diejenigen der Volksschule und einiger
Uebung im Zeichnen werden in der Regel nicht verlangt.
Einjährig-freiwilligen-Berechtigung gewähren die Anstalten nicht.
') Näheres bei Simon S. 811.
2) Beide Schulen sind aus Fortbildungsschulen hervorgegangen (vergl, Etat 1901, Er-Käuterungen
 zu Kap. 69 Tit. 7.