V. Abschnitt, Königliche Porzellanmanufaktur. $ 127. 1113
bereits einen nicht unerheblichen Umfang, ein Personal von 146 Köpfen
und einen Jahresetat von 10200 Thlr.
Zur Verbesserung der inneren Einrichtung der neuen Anstalt wurde
die Summe von 140000 Thlr. gegen 5 Proz. von der Churmärkischen
Landschaft angeliehen (getilgt in der Zeit von 1798—1802). Auch erhielt
 die Fabrik das Fabriks- u. Verkaufsmonopol sowie allen Brennholzbedarf
 frei aus den Kgl. Forsten. Um den Absatz zu steigern,
wurden u. A. die Juden verpflichtet, bei Hochzeiten, Uebernahme eines
Gewerbes u. s. w. jeder ein gewisses Quantum Porzellan gegen baare
Zahlung zu entnehmen und im Auslande abzusetzen, eine Auflage, die
erst im Jahre 1787 gegen Zahlung von 120000 M. Seitens der Judenschaft
 abgelöst wurde. Auch die Lotteriepachtsozietät und später die
Seehandlung hatten vertragsmässig den Absatz von Porzellan im Auslande
 wahrzunehmen.
Die Anstalt nahm unter der Leitung eines tüchtigen Direktors
(Grieninger) raschen Aufschwung. Im Jahre 1771 waren bereits
400 Arbeiter beschäftigt und der jährliche Absatz betrug über
100 000 Thlr.
Friedrich der Grosse interessirte sich sehr lebhaft für die Manufaktur,
 besuchte dieselbe häufig und machte auch viele Bestellungen
bei ihr. ')
Vom Jahre 1787 ab wurde eine Kollegiale Verwaltungsbehörde
unter dem Namen der Königl. Porz ellanmanufaktur-Commission
 eingerichtet, die aus einem ständigen Kgl. Kommissar, 2 Direktoren
 (1 für den Fabrikbetrieb und 1 für die Debitsangelegenheiten) und
einem zugeordneten Rath (für Kitats-, Kassen- u. Rechnungswesen)
bestand. Die Kommission berieth wöchentlich einmal. Sie arbeitete
aber für ein gewerbliches Institut zu schwerfällig, auch führte die Einrichtung
 zu mannigfachen Reibungen und Kränkungen?), sodass nach
dem Tode der beiden genannten Direktoren 1808 ihre Stellen nicht
wieder besetzt und die Geschäfte thatsächlich von einem Leiter versehen
 wurden.
Im Jahre 1795 wurde in der Manufaktur eine neue keramische
Masse, die sog. Gesundheits- oder Sanitätsgeschirr-Masse eingeführt,
welche im Wesentlichen einen grösseren Zusatz von Thonmaterial, als
die echte Porzellanmasse verlangt. Dieses Geschirr fand von vorneherein
 wegen seiner Brauchbarkeit und Wohlfeilheit grossen Geschmack
bei dem Publikum. Von 1795 bis 1817 steigerte sich der Debit dieses
Geschirrs allein von 1029 Thlr. auf 80000 Thlr. 1817 wurde eine
besondere Fabrik dafür errichtet, welche bis 1849 auch unter besonderer

ı) Auch die späteren Könige bestellten grosse Aufträge. Im Jahresdurchschnitt wurden
z. B. gekauft von Friedrich Wilhelm IL. für 16887 Thir., von Friedrich Wilhelm IIX. für
14482 Thlr., von Friedrich Wilhelm IV. für 11926 Thlr. Auch gegenwärtig gehört der
König zu den ersten Abnehmern des Instituts.
2) Kolbe a. a. 0.8. 172