V. Abschnitt. Königliche Porzellanmanufaktur. $$ 127a—128 a. 1115
II. Nach 1875.
8 128, Seitdem machte sich aber die Privatkonkurrenz immer
nachtheiliger geltend. Es rächte sich, dass man staatlicherseits die
Porzellanmanufaktur immer mehr zu einem mit einfachen Dekorationen
arbeitenden, in künstlerischer Hinsicht nichts Aussergewöhnliches leistenden
 besseren Porzellanfabrikgeschäft hatte herabsinken lassen, welches
wesentlich in Folge nicht genügender Konkurrenz von privater Seite,
also faktischen Monopols, günstige finanzielle Erträgnisse für den
Staat liefern konnte. Sobald daher die Privatindustrie bei dem allgemeinen
 wirthschaftlichen Aufschwung Ende der 60er und Anfang der
70er Jahre sich in stärkerem Masse der Fabrikation von Porzellanwaren
 zuzuwenden begann, zeigte sich, dass der seiner Natur nach
schwerfälligere und theuere Staatsbetrieb Gefahr lief, ins Hintertreffen
zu kommen.
Man sah regierungsseitig ein, dass die Porzellanmanufaktur eine
führende Stelle in der Porzellanindustrie auf die Dauer nur dann einzuhalten
 vermochte, wenn sich ihre Leistungen, auch wenn sie für
den Augenblick eine beträchtliche Ausgabensteigerung forderten, oder
eine Verminderung der Gewinnrente zu Folge hatten, auf einer
künstlerischen Höhe hielten, welche für die mit geringerem Kapital
und der Nothwendigkeit grösserer Gewinnquoten arbeitenden Privatindustrie
 unerreichbar blieb.
Man richtete deshalb Ende der 70er Jahre (1877) die chemischtechnische
 Versuchsanstalt ein, deren spezieller Zweck ist, wissenschaftlich-technische
 Grundlagen zur Verbesserung der Porzellan- und
Thonwaarenindustrie zu schaffen und dabei die Bedürfnisse des Kunstgewerbes
 besonders zu berücksichtigen.
Sodann wurde seit 1881 dem ersten (chemisch vorgebildeten)
Direktor die Stelle eines zweiten, artistischen Direktors, welcher die
künstlerische Leitung des Betriebes speziell zu überwachen und zu
leiten hatte, beigegeben. .
Endlich wurde auch die Unterrichtung von Porzellanmalern
und -Modelleuren schärfer wie bisher ins Auge gefasst.
$ 1283. Die Folge der veränderten Zweckbestimmung der Porzellanmanufaktur
 war nun, dass seit jener Zeit fortgesetzt erhebliche Staatszuschüsse
 erfordert wurden.
Die näheren Ziffern für die einzelnen Jahre ergeben sich aus Anlage
 LXVIII, wo auch die Entwickelung der einzelnen Haupteinnahmeund
 Ausgabegruppen nach der Rechnung dargestellt ist.
Auf die bei einem geschäitlichen, von der allgemeinen Konjunktur
mehr oder weniger abhängigen Unternehmen, häufiger als bei sonstigen
Etatsposten vorkommenden Schwankungen in den verschiedenen
Jahren näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Werkes übersteigen,
 zumal die vielen in Betracht zu ziehenden Faktoren weitgehende
 Erörterungen nötig machen würden.