V. Abschnitt, Königliche Porzellanmanufaktur. $$ 128b, 129. 1119

Nach dem neuesten Etat entfallen z. B. an Zuschüssen auf die Versuchanstalt rund
22000 M., das Laboratorium rund 9000 M., Versuche für Modelliren 21 000 M., für Malereistudien
 und Unterricht rund 61000 M., Gärtnerei 6000 M. u. 8. W.
Nach den dem Etat für 1903 beigegebenen Geschäftsberichten war der Reinüberschuss
aus dem eigentlichen Betriebe für das Etatsjahr 1901 mit 131757 M. bewerthet, der zur
Bilanzirung erforderliche Baarzuschuss aus der Generalstaatskasse betrug aber gleichwohl
38 568 M., weil allein die Mehrausgaben bei dem Posten: „Für Versuche, Studien und Unterricht
 ınit Einschluss der Versuchsanstalt, des Laboratoriums und der Gärtnerei‘ 140960 M.
betrugen und ausserdem einige weitere Mehrausgaben für W ohlfahrtseinrichtungen u. S. W.
zu decken blieben.

Verbesserung in der Buchführung und in der Verwaltungs-Organisation.


$ 129, Das Verdienst, die Möglichkeit geschaffen zu haben, dass
aus den Geschäftsabschlüssen der Manufaktur mit Leichtigkeit ersehen
 werden kann, wo und in welcher Höhe die einzelnen Geschäftsund
 Verwaltungszweige der Anstalt mit Gewinn oder Verlust arbeiten,
ist in erster Linie der neuen Buchführung zuzuschreiben, welche
seit dem Jahre 1894 in der Manufaktur eingeführt worden ist.
Sehon 1821 war (gleichzeitig mit der Trennung der Verwaltung
in 2 Theile s. 8 127) auch eine doppelte italienische Buchführung,‘ wie
sie bereits in den Jahren 1796 bis 1804 vorübergehend bestanden hatte,
wieder eingeführt worden. Auch wurde anfänglich strenge Trennung
der Buchführung für die genannten beiden Partieen durchgeführt, um
ersichtlich zu machen, welcher der beiden Betriebe der rentabelere
war. Es war dies bei weitem die Partie des weissen Porzellans.
Von Ausgang der 40er Jahre bis zu den 60er Jahren hatte die
Manufaktur aber sehr um ihre Existenz zu kämpfen, und das Interesse
für eine detaillirte kaufmännische Buchführung erlosch wieder, zumal die
ungünstigen finanziellen Verhältnisse der Verwaltung nicht gestattet
hätten, die nötigen Hülfskräfte für eine solche Buchführung zu stellen.
Als nun in den 70er und 80er Jahren der Betrieb der Manufaktur eine
immer grössere Steigerung erfuhr, auch durch Verbesserungen und
Veränderungen immer verwickelter wurde, sah sich die Manufaktur genötigt,
 um nur die Bewältigung der Kassengeschäfte durch den vorhandenen
 einzigen Beamten zu ermöglichen, die Buchführung zu vereinfachen,
 wodurch zwar in den Grundbüchern für Ordnung und Zuverlässigkeit
 gesorgt, jedoch die Möglichkeit, sich jederzeit über die
Rentabilität des Ganzen und seiner einzelnen Theile zu informiren,
ausgeschlosen wurde. Dies war mit erheblichen Nachtheilen auch
materieller Natur verbunden.
In dem Doppelcharakter des Instituts, den es als Kunst- und
technische Anstalt einerseits und durch die nicht unbedeutende gewerbliche
 Thätigkeit andererseits an sich trägt, liegt die Gefahr, dass
die finanziellen und geschäftlichen Interessen leicht mehr zurücktreten,
als für die Pflege von Kunst und Technik nothwendig ist, und dass