Erster Hauptabschnitt.

Einleitung.

$ 153. Ebenso wie der preussische Handelsminister sowohl
Ueberschuss- wie Zuschussverwaltuugen unter sich vereinigt, hat auch
der Minister der öffentlichen Arbeiten zugleich eine Ueberschussverwaltung
 — die Eisenbahnen — und eine Zuschussverwaltung — die
Bauverwaltung — zu leiten.
Zu Beginn der Eisenbahn-VVerstaatlichungsaera wurde weder vom
Parlamente, noch von der Regierung angenommen, dass die Reinainnahmen
 der Eisenbahnen für den Staat von grosser finanzieller
Tragweite werden würden. Die Eisenbahnen sollten „Strassen für den
öffentlichen Verkehr sein, wie Kanäle, Landstrassen u. s. w.“, so hatte
der Minister von Maybach am 10. Juni 1888 im Herrenhause erklärt;
die Eisenbahnverwaltung war mehr als ein „öffentliches Verkehrsinstitut“,
 denn als eine finanzielle Ueberschussverwaltung gedacht.
Die thatsächlichen Verhältnisse haben indessen dahin geführt, dass
diese Verwaltung heute die finanziell bedeutsamste Basis der preussischen
 Finanzverwaltung geworden ist; sie spielt thatsächlich die Rolle
der „Henne mit den goldenen Eiern“ und ohne ihre Reinerträgnisse
würde man sich ein Bild der preussischen Finanzgebahrung heute
überhaupt nicht mehr machen können. Rund 170 Millionen Staatsverwaltungsausgaben
 sind gegenwärtig auf Reinüberschüssen der Eisenbahnen
 — nach Abzug des Dienstes der Eisenbahnschuld — basirt.
Die Bauverwaltung hat ihren ursprünglichen Charakter als staatliche
 Zuschussverwaltung strenger gewahrt. Die in früherer Zeit noch
vorhandenen, nicht unerheblichen eigenen Einnahmen, wie Chausseegelder
 und Schiffahrtsabgaben fielen im Gegentheil in den 60er und
(0er Jahren zu ihrem grössten und wichtigsten Theile fort. Erst ganz
neuerdings tritt die Neigung der preussischen Staatsregierung, die
Schiffahrtsabgaben zu erhöhen, wieder stärker hervor, gründet sich
aber auf die ganz ausserordentlich hohen Kosten, die im Laufe der
letzten Dezennien für die vielfachen Anlagen zur Förderung der
Schiffahrt aufgewendet worden sind.