IV. Abschnitt. Sächliche Fonds. $$ 210-—218. 1195

und den Dienstwohnungen, soweit solche dem Staate obliegt, statt.
Die Ergänzung der Inventarienstücke in den eigentlichen Geschäftsräumen
 erfolgt dagegen aus Kap. 58 Tit. 10 des Finanzministeriums
(sogen. Geschäftsbedürfnissfonds für die Regierungen).
Der Fonds weist seit Beginn der 80er Jahre nicht entfernt so
erhebliche Steigerungen auf, wie die Fonds "it. 15, 16, 17. Er betrug
1890/91 346 066 M. und hat sich allmählich bis auf 393 845 M. (für 1902)
erhöht. Zum Theil beruht die Steigerung auf einer Vermehrung von
Staatsdienstgebäuden, zum Theil, besonders in den letzten Jahren, aber
auch auf Steigerung der Löhne und Materialienpreise (vergl. Etatserläuterungen
 für 1902).

$213. Um die gesammte Thätigkeit der allgemeinen Bauverwaltung
 auf dem Gebiete des Hochbaues richtig beurtheilen zu
können, genügt es nach dem in $207 und 209 Gesagten nicht,
lediglich die auf ihrem Etat stehenden Bauten zu erwähnen. Vielmehr
müssen auch die zu anderen Ressorts gehörigen Staatsbauten, und
sogar auch die von dritter Seite (Schul-, Kirchenbauten u. s. w.) mit
staatlicher Unterstützung aufgeführten Gebäude mitgezählt werden.
Nach der in Anlage LXXIIT gegebenen Zusammenstellung sind von
1878 bis 1888 Seitens der Hochbauverwaltung 2143 Gebäude aufgeführt,
welche 144 593 050 M. Ausführungskosten verursachten, im Durchschnitt
kamen also auf das Gebäude 67 472 M. Die grösste Zahl der Gebäude
entfiel in diesem Zeitraume auf landwirthschaftliche Gebäude (661),
forstwirthschaftliche (4083), Volksschulgebäude (230), dann kamen
141 Pfarr-, 117 Universitäts-, Kunst- ı. s. w. Gebäude, 113 Gefängnisse
und 108 Gerichtsgebäude.
Weit über dem Durchschnitt im Hinblick auf die Kosten standen
die Gebäude der Central- und Provinzial-Verwaltungsbehörden
(430700 M.), Seminare (250052 M.), höhere Schulen (241241 M.), Universitäts-
 u. s. w. Gebäude (241 006 M.). Gerichtsgebäude (233 867 M.),
Gefängnisse (149 783 M.).
In der Periode von 1889 bis 1899 wurden ausgeführt 4071 Hochbauten,
 also fast die doppelte Zahl gegen die Vorperiode. Die Kosten
stellten sich aber nur auf 174 356 504 M., indem die Durchschnittskosten
 für den Bau auf 42829 M. sanken. Das nimmt auf den ersten
Anblick Wunder, da doch Arbeitslöhne und Materialienpreise eher
gestiegen als gefallen sind. Der Grund liegt einmal in der verhältnissmässig
 starken Vermehrung gerade der billigeren Gebäude. So stieg
z. B. die Zahl der mit einem Durchschnittssatz von 15 bis 16000 M.
gebauten Volkschulhäuser von 2830 auf 1320 (+ 417) == 1787 M., also
auf fast das 8fache. An landwirthschaftlichen Gebäuden (je 21 bis
23000 M.) wurden statt 661 in der Vorperiode 908 gebaut, an Pfarrgebäuden
 (je 14 bis 23 000 M.) statt 141 jetzt 319, an Kirchen (je 58 bis
57000 M. durchschnittlich) statt 121 jetzt 244 u. 8. w.