IV, Abschnitt. Sächliche Fonds, $$ 261, 2619, 1235

Neubau von Binnenlandskanälen.
$ 261. Binnenlandskanäle stehen in anderen Ländern vielfach
zum grossen Theil im Eigenthum von Privaten und Kommunen. In
Preussen steht beim Kanalbau die staatliche Thätigkeit weit im
Vordergrund. Im Eigenthum von Privaten und Genossenschaften befinden
 sich kaum 180 km Kanäle, während im Ganzen etwa 1810 km
Kanäle und 1839 km kanalisirte Flussläufe vorhanden sind ($ 288).
Der Bau von Binnenlandskanälen im brandenburg - preussischen
Gebiete geht bis auf das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Im 17. Jahrhundert
 fanden Kanalisirungen an der Gilge in Ostpreussen und an
dem in die Oder mündenden Flüsschen Finow zur Verbindung zwischen
Oder und Elbegebiet (Havel) statt,') sowie unter dem grossen Kurfürsten
 der Bau des Friedrich-Wilhelms- (Müllroser) Kanals zur Verbindung
 von Spree und Oder.?) Unter seinem Nachfolger folgte der
grosse Friedrichsgraben (1689—97) zwischen dem Nemonien und
der Deime, um den Schiffen, die nach Königsberg wollten, die gefährliche
 Hafffahrt zu ersparen, der Havelländische Hauptkanal,®) der
Bromberger Kanal,*) zur Verbindung von Weichsel- und Ödergebiet
(Brahe und untere Netze) und der alte Plauer Kanal?) (von der Havel
unweit Brandenburg zur Elbe bei Parey) in den Jahren 1773—82, sowie
 das neue ÖOderbett zwischen Güstebiese und Hohensaaten (1748).
Ende des 18, Jahrhunderts entstand ein weiterer wichtiger Kanalbau,
derjenige des Klodnitzkanals, der von den Gleiwitzer Hüttenwerken
und dem Öberschlesischen Kohlenrevier nach der Oder führte,®) ferner
der Eiderkanal (1777—84)') und die Rheinwasserstrasse (1787). endlich
der Ruppiner Kanal (1788).
Die bedeutenderen Kanalbauten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
 waren der Elbing-Oberländische Kanal (4,3 Mill. M.),*) Weichsel-Haffkanal
 (1845—50),*) Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal (1849— 59)!°)
und Landwehr- und Louisenstädtischer Kanal in Berlin 1845 — 50),
Erft- '"') und Spoykanal’”) bei Neuss und Cleve (1835—37), Oranienburger
 Kanal (1831—38). In den 50er und 60er Jahren folgten Nottekanal
 (1858),'*) Hadeler und Baderkesa-Geeste-Kanal(1860),'*) kanalisirte
Minge und König Wilhelmskanal (1863—65).'*) 8. auch Anl. LXXVI.
$ 261a. Die Zeit nach 1870 brachte zunächst eine grosse Menge
kleiner Kanalanlagen, an grösseren vor Allem den Oder-Spree-Kanal
‘) Der Kanal ist später mehrfach weiter ausgebaut (s. Anl. LXXVI). Erhat jetzt eine Länge
(bis Hohensaathen) von 69,5 km, Tiefe: 1,3:m, Tragfähigkeit: 110 To. ?) L.: 24 km, T.: 1,5 m,
Tr.: 120 To. 3) L.: 58 km (Schiffahrt nur noch unvollkommen). *%) L.: 26,5 km, T.: 1.2 m.
Tr.: 125 To. *) jetzt L.: 57,5 km, T.: 1,6 m, Tr.: 225 To.
5) L.: 45,5 km, T.: 1,3 m, Tr.: 60 To. 7) L.: 32 km, T.: 3,2 m, Tr.: 200 To. (jetzt
keine offizielle Schiffahrtsstrasse mehr). °) L.: 115 km, T.: 1,3 m, Tr.: 60 To. ®) L.: 19 km,
T.: 2m, Tr.; 155 To. %) L.: 9km, T.: 1,4 m, Tr.: 200 To. 1") L.: 4km, T.: 1,8 m, Tr.:
350 To. 2) L.: 9,4 km, T.: 2,3 m, Tr.: 200 To. %) L.: 22 km, T.: 0,9 m, Tr.: 75 To,
4) L.: 32 km, T.: 1,1 m, Tr.: 16 To. (hauptsächlich Entwässerungskanal). 2) L.: 23 km,
T.: 1,6 m, Tr.: 80 To.
Schwarz u, Strutz, Staatshaushalt u. Finanzen Preussens.