1936 Dritter Hauptabschnitt. Laufende Ausgaben,
(S. 1288) (1887—91), den Ems-Kanal,') den Ems-Vechte-Kanal,?) den
Trave-Elbe-Kanal, sowie den Dortmund-Ems-Kanal (8262). Besonders die
50er und 90er Jahre waren reich an grösseren Kanalbauten.?) Das
grosse Projekt des Mittellandkanals, welcher für Schiffe von 600—800 To.
passirbar sein, 466,7 km Länge haben und die hochentwickelten und
volkreichen Industriegebiete zwischen Rhein und Elbe mit dem mehr
auf Landwirthschaft angewiesenen Osten in Verbindung bringen soll,
ist, wie bekannt, bisher an dem Widerstand des Abgeordnetenhauses
gescheitert (s. 8 237).

$ 262. An künstlichen Binnen-Schiffahrtsstrassen,
welche seit Ausgang der 70er Jahre neu angelegt bezw. verbessert
ınd erweitert sind, sind im Einzelnen anzuführen:

Im Rhein- und Emsgebiet.
1. Die Kosten des Ems-Jade-Kanals‘) sind ursprünglich veranschlagt worden auf
10405 000 M., von welchen die Interessenten übernommen haben 1387000 M., und auf den
Staat entfielen 9018 000 M.
Die Summe ist in zwei Raten vor dem Jahre 1878/79 und in weiteren sechs Raten
innerhalb der Jahre 1880/81 bis 1886/87 bewilligt und verwendet worden. Es hat jedoch
die Fertigstellung des Bauwerks hiermit nicht erreicht werden können, vielmehr hat sich
lie Nothwendigkeit ergeben, noch eine weitere Million auf dasselbe zu verwenden.
Die Ausführung der auf preussischem Gebiete liegenden Strecke erfolgte auf Kosten
Preussens, während die auf oldenburgischem Gebiete uud innerhalb der Enklave Wilhelms-3aven
 gelegene, etwa 10km lange Strecke auf Kosten des Reichs hergestellt ist. Der
Kanal ist in der preussischen Strecke bei einer Sohlenbreite von 8,5 m und einer Wasserviefe
 von 2,1 m nur für Schiffe von 150 To. Tragfähigkeit befahrbar. Später wurden zur
Beseitigung einiger scharfer Krümmungen und zur Herstellung einer Verbindungsschleuse
zum Dortmund-Ems-Kanal 394000 M. im KExtraordinarium des Etats der Bauverwaltung
aereitgestellt. Die Bauten sind unter Verwenduug von 351 700 M, zur Ausführung gelangt.
2. Die Ausführung des Kanals von Dortmund nach der unteren Ems für die Verovindung
 des westfälischen Kohlengebiets mit der Nordsee wurde durch die Gesetze
v. 9. Juli 1886 (G.-S, S, 207) und v. 6. Juni 1888 (G.-S, 8. 238) genehmigt. Aus verschiedenen
 Ursachen konnte mit den Bauarbeiten erst im Jahre 1892 begonnen werden.
Am 11, Aug. 1899 wurde der Kanal dem Verkehr übergeben.
Die Schiffahrtsstrasse beginnt bei Dortmund und verläuft von dort nach dem 16 km
entfernten Schiffshebewerk bei Henrichenburg, welches das 14 m betragende Gefälle zwischen
ler Dortmunder und der folgenden Haltung überwindet. Diese Haltung setzt sich als
Stichkanal bis Herne fort, der Hauptarm des Kanals aber führt unter Veberschreitung der
Flussthäler der Lippe, der Stever und der Ems an Münster, Bevergern und Rheine vorbei
nach der Ems, die beim Dorfe Gleesen erreicht wird. Der Kanal verfolgt zunächst die
Ems auf eine kurze Strecke und alsdann den alten Haneken-Kanal, der entsprechend vertieft
 und verbreitert worden ist. Kurz oberhalb Meppen tritt er auf eine kurze Strecke in

1) L.: 26 km, T.: 1,4 m, Tr.: 80 To, 2?) L.: 21km, T.: 1,9 m, Tr.: 100 To.
3) Daneben fanden aber in den letzten Jahren auch vielfach Flusskanalisirungen
statt (obere Netze 1878—82, obere Havel 1866—83, Main unterhalb Frankfurt 1884—86,
Spree oberhalb des Oder-Spree-Kanals 1887/88, Elbe 1894, Oder, Fulda, Leine, Lahn, Brahe
u. s. w., deren Unterhaltung aber aus Tit. 16 bestritten wird und die daher dort nähere Erörterung
 gefunden haben.
4) Die Moorcanäle im unteren Emsgebiet kommen hier nicht in Betracht, weil sie dem
Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten unterstellt sind (s. Bd. il Buch 11
S8 180, 419).