L380 II. Hauptstück. Laufende Ausgaben.

in Verbindung mit dem Nachtwachtdienst und dem Strassenreinigungswesen (wovon die
Stadt Berlin nach dem Vertrage v. 31. Juli 1837 grösstentheils die Kosten trug) gehandhabt.
Die Einrichtungen waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts sehr mangelhaft. Erst im Jahre
1851 wurde auf Grund eines Reorganisationsplanes des Königlichen Polizeipräsidenten
von Hinckeldoy eine Berufsfeuerwehr ins Leben gerufen,
Für die Leitung des Feuerlöschwesens wurde ein Branddirektor bestellt. Ihm unterstanden
 1 Brandinspektor und 4 Brandmeister als Offiziere der Feuerwehr, 40 Oberfeuermänner,
 180 Feuermänner und 360 Spritzenmänner. Die Mannschaften waren vertheilt auf
18 Feuerwachen, deren jede mit 1 Oberfeuermann und 4 Feuermännern besetzt war,
5 Depotwachen, die für die Aufbewahrung der Löschutensilien mit Ausnahme der auf den
Feuerwachen befindlichen Spritzen dienten und in denen die Spritzenmänner konzentrirt
waren, und eine Hauptwache, welche für grössere Feuer die Reserve bildete.

8 122, Die Feuerwehr behielt bis zum Jahre 1875 im Wesentlichen die im Jahre 1851
geschaffene Organisation,
Bedeutende organisatorische Veränderungen hatte die zum 1. Oktober 1875 durchgeführte
 Abtrennung der Strassenreinigung von der Feuerwehr zur Folge, Da die Benutzung
 der Mannschaften und der Gespanne der Strassenreinigung zu Feuerlöschzwecken
nunmehr ausgeschlossen war, mussten erhebliche Etatserhöhungen erfolgen, Gleichzeitig
ging man dazu über, die Mannschaften, die früher den einzelnen Spritzen erst auf dem
Brandplatze nach der Reihenfolge der Ankunft der Abtheilungen zugetheilt wurden, zu
festen Löschzügen zu formiren, die gemeinschaftlich kasernirt wurden. Je drei oder vier
dieser Löschzüge wurden zu Kompagnien vereinigt, deren im Ganzen zunächst vier, im
Jahre 1879 eine fünfte gebildet wurde. Zur Entlastung der Offiziere der Feuerwehr bei
Erledigung der Kompagniegeschäfte und bei der Verwaltung der Kammervorräthe und
Materialbestände wurden 6 Feldwebel angestellt.
Weiterhin hatte die Durchführung der Zugeintheilung auch eine Vermehrung der
Öffizierstellen zur Folge, und zwar um insgesammt 7 Brandmeisterstellen im Laufe der
Jahre von 1879—1883. Im Jahre 1884 wurde dem Brandinspektor der Charakter als Ober-Brandinspektor,
 den vier ältesten Brandmeistern und Kompagnieführern der Charakter als
Brandinspektor beigelegt.
Die Stelle des Oberbrandinspektors ist dann im Jahre 1892 wieder in eine Brandinspektorstelle
 umgewandelt worden Gleichzeitig wurde eine sechste Brandinspektorstelle
zur persönlichen Entlastung des Branddirektors geschaffen, nachdem schon vorher eine achte
Brandmeisterstelle für Adjutanturgeschäfte eingerichtet war.
Seit dem Jahre 1874 sind nach und nach Dampfspritzen, im Ganzen bisher 12, in
den Dienst der Feuerwehr eingestellt worden; für deren Bedienung wurde eine Anzahl
von Maschinenmeistern, später Obermaschinisten, angenommeu. Die Einstellung dieses
Personals erfolgte auf Kosten der Spritzenmänner, deren Etat entsprechend herabgemindert
 wurde.
Die Feuerwehr hatte mit dem Wachsthum der Stadt nicht überall gleichen Schritt
gehalten; einzelne neuere Stadttheile entbehrten der Deckung durch rechtzeitige Löschhülfe.
Demgemäss wurde eine erneute Erweiterung der Organisation erforderlich, die im Jahre 1897
zur Durchführung gebracht ist.
Es verblieb bei der Eintheilung in 5 Kompagnien, doch wurde die Zahl der Züge auf
18 erhöht; eine weitere Vermehrung der Züge auf 20 wird beabsichtigt, Jede Kompagnie
besteht seitdem aus einer Kompagniewache zu zwei Zügen und einer oder zwei Zugwachen.
An Offizierstellen sind dementsprechend für jede Kompagnie vorgesehen ein Kompagnieführer
 (Brandinspektor) und zwei bis drei Wachvorsteher (Brandmeister).
Diese Umgestaltung hatte naturgemäss eine wesentliche Erhöhung des Personalbestandes
 zur Folge. Andererseits hat in den letzten Jahren die Zahl der Spritzenmänner
eine erhebliche Einschränkung erfahren, indem die tauglicheren von diesen zu Feuermännern
ausgebildet. die übrigen auf den Aussterbeetatf gebracht wurden.