Vierter Hauptabschnitt. Gebiete der inneren Verwaltung. S$ 2142, 215, 1437
die vorzugsweise für die Gemeinschaftshaft eingerichtet sind. Die
Zellengefängnisse sind somit nur für die jüngeren Gefangenen bestimmt.

Auch bei den kleineren, dem Ressort des Innern unterstehenden
Gefängnissen wird neuerdings durch zweckmässige An- und Umbauten
dafür zu sorgen gesucht, dass die Untersuchungsgefangenen stets und
die Strafgefangenen in der Regel in Einzelhaft untergebracht werden
(Geldern, Kempen, Saarburg, Trier u. A.).
Im Jahre 1901 waren bereits vorhanden an Einzelzellen in den
Strafanstalten: 4168 für durchschnittlich 15130 Gefangene oder
27,5 pCt., in den Gefängnissen: 4975 für durchschnittlich 10242 Gefangene
 oder 48,6 pOt.
Seit dem Jahre 1869 ist die Zahl der Zellen vermehrt von 3247
auf 9141.17)

Statistik über die Zahl der Strafanstalten und der Gefangenen.
$ 215, In der Verwaltung des Innern stehen gegenwärtig
38 Strafanstalten zur Aufnahme der zu Zuchthausstrafen Verurtheilten,
20 grössere Gefängnisse zur Aufnahme von Gefängniss-, Haft- und
Untersuchungsgefangenen. In einzelnen Gefängnissen werden auch
Civil-, Polizei- und Transportgefangene aufgenommen.
Die Namen der Anstalten sind: a) Strafanstalten: in Wartenburg, Insterburg, Rhein,
Graudenz, Mewe, Berlin (Moabit), Brandenburg, Sonnenburg, Luckau, Naugard, Rawitsch,
Crone a, Br., Fordon, Brieg, Görlitz, Jauer, Sagan, Ratibor, Gross-Strehlitz, Lichtenburg,
Delitzsch, Rendsburg, Lüneburg, Celle, Münster, Cassel, Ziegenhain, Diez, Werden und
Siegburg; Strafanstalten und Gefängnisse: in Striegau, Lingen und Cassel-Wehlheiden;
b) Gefängnisse in: Cottbus, Breslau, Wohlau, Halle, Hameln, Münster, Herford, Hamm,
Coblenz, Düsseldorf, Düsseldorf-Derendorf, Cleve, Elberfeld, Cöln, Bonn, Siegburg, Trier,
Saarbrücken, Wittlich und Aachen.
Von diesen Anstalten enthielten am 31. März 1902: 800--900 Gefangene 1, 700 bis
800 Gefangene 3, 600-—700 Gefangene 10, 500-600 Gefangene 14, 400-500 Gefangene 9,
300—400 Gefangene 4, 200—800 Gefangene 7, 100—200 Gefangene 5, zusammen 592.
Die Zahl der in diesen 52 Anstalten detinirten Gefangenen betrug: am 1. April 1901
25 181, am 81. März 1902 25 602, also mehr 730.
Die Entwickelung der Zahl, speziell der Zuchthausgefangenen,
siehe aus Anl. LXXXVIL
Um ein richtiges Vergleichsobjekt zu gewinnen, ist der Zugang
der Zuchthausgefangenen in Verhältniss zu dem Theile der Bevölketung
 gesetzt, der überhaupt zu Zuchthausstrafe verurtheilt werden
kann. Daraus ergiebt sich, dass die schwere Kriminalität vom Jahre
1869 bis 1871 gesunken, dann ziemlich konstant bis zum Jahre 1881/82
Sestiegen und dann (bis zum Jahre 1899) konstant gefallen ist. Im
Jahre 1900 machte sich eine geringere Steigerung bemerkbar; doch

') Besondere Abtheilungen für männliche Geisteskranke befinden sich in den Strafea
 talten Moabit für 55, Münster für 60, Halle für 50 und in den Gefängnissen zu Breslau
Ur 39 und Cöln für 33 Köpfe.