472 II. Hauptstück, Laufende Ausgaben.

(65492 M.) um 8,8 pCt. stattfand. Die bei den Ciesetzesverhandlungen
 mehrfach hervorgetretene Besorgniss, dass bei letzteren durch
las neue Gesetz eine starke Mehrbelastung eintreten würde, ist hiernach
 einstweilen nicht eingetroffen.!)

$ 264, Ueber die Wirksamkeit des Gesetzes kann im Uebrigen
nach einem so kurzen Zeitraum seines Bestehens ein endgültiges
Urtheil naturgemäss noch nicht abgegeben werden.
Jedenfalls aber ist seine Wirkung eine sehr einschneidende.
Während die Gesammtzahl der Kinder, welche vom 1. Okt. 1878 bis
31. März 1901 überhaupt in Zwangserziehung untergebracht waren,
33 953 betrug und die Jahressteigerung von 1900/01 1504 oder 4,6 pCt.
ausmachte, stellt sich die Zahl der auf Grund des Ges. v. 2. Juli 1900
der Fürsorgeerziehung im ersten Jahre rechtskräftig überwiesenen auf
aicht weniger als 7787 (4949 männliche und 2838 weibliche Personen.?)
 Wenn erst mit den im Laufe der letzten Jahre angesammelten
 Verwahrlosten gründlich aufgeräumt und der Nachwuchs
ihnen entzogen sein wird, dürfte eine Abnahme dieser hohen Jahresziffer
 eintreten.
Die absolute Zahl der strafrechtlichen Verurtheilungen Jugendlicher
 hat sich in Folge des Fürsorgeerziehungsgesetzes nicht vermindert:
 sie betrug für Preussen im Jahre 1900: 28 908, 1901: 30 007.

$ 264a, Von den im Jahre 1901 der Fürsorge Ueberwiesenen
7787) waren am 381. März 1902 untergebracht 4007 Knaben und
23490 Mädchen, während 892 Knaben und 457 Mädchen noch nicht
endgültig untergebracht waren. Von den Untergebrachten befanden
sich in Anstalten 2887 Knaben und 1538 Mädchen (davon in den
6 staatlichen Erziehungsanstalten 100 Knaben und 25 Mädchen). In
{[remden Familien waren untergebracht 1104 Knaben und 804 Mädchen.
in der eigenen Familie 16 Knaben und 7 Mädchen.
Beiträge zu den Unterhaltungskosten ($ 260) konnten nur in
26 Fällen aus dem Vermögen der Zöglinge und in 194 Fällen von
den Unterhaltungsverpflichteten geleistet werden. Der höchste Beitrag
var 664 M. in Berlin.
Die meisten der Zöglinge (1549) waren zu einem monatlichen
Pflegegeld von über 10—15 M. untergebracht, über 15—20 M. wurde
gezahlt für 1290 Zöglinge, über 20—25 M. für 980 Zöglinge, über
25—30 M. für 635 Zöglinge, über 30—35 M. für 301 Zöglinge, über
35—40 M. für 317 Zöglinge, darüber für 291 Zöglinge.
10 M. und darunter pro Monat wurde gezahlt für 836 Zöglinge,
Javon für 693 über 5 M.

1) Statistik über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger, Statistik im Ministerium des
innern. Berlin, Druckerei der Strafanstaltsverwaltung. 1903.
2) davon waren schulpflichtige und jüngere Knaben 3582, Mädchen 1724, schulantlassene
 Knaben 1367, Mädchen 1114.