2006

Rückblick.

zieher für Ausführung von Aufträgen von Amtswegen. Wären nicht
die durchlaufenden Einnahmen, die als Emolumente den Beamten
zufliessen, gestiegen, so hätte sich auf der Einnahmeseite 1885/86 gegen
die letzten Etats vor der Reorganisation sogar ein absoluter Rückgang
 von beinahe 2 Mill. ergeben.
In den nächsten Jahren nach 1885/86 gingen die Solleinnahmen
sogar noch etwas zurück, um dann mit der wirthschaftlichen Entwickelung
 und der dadurch bedingten Geschäftszunahme seit 1889/90
erst langsamer, dann rascher, zuletzt wieder langsamer zu steigen,
auf nahezu 55’'/, Mill. 1892/93, fast 61 Mill. zwei Jahre später, mehr
als 66 Mill. 1897/98, mehr als 71 1899, fast 81%, 1901 und 84,14 Mill.
1908. Allerdings kommt diese Steigerung zum Theil auf. das Konto
der in den vorstehenden Ausführungen hervorgehobenen Aenderungen
in der Verrechnungsart der durchlaufenden Posten. Die.wirklichen
Einnahmen, die wir, wie die Istausgaben, in der Anl. CXVIIl1 für die
Jahre 1886/87 bis 1901, bis 1900 nach dem Immediatbericht des Justizministers
 v. 29, Aug. 1901, mittheilen, haben in jedem dieser Jahre,
Dank vorsichtiger Veranschlagung und der aufsteigenden wirthschaftlichen
 Entwickelung, die Voranschläge erheblich, seit 1887/88 um
mehrere, seit 1889/90 stets um mindestens 4 bis zu 7 Mill. überstiegen.
Die Sollausgaben sind von 1885/86 bis 1908 im Ordinarium von
85,7 auf 116,8 Mill. M., also um rd, 35 Proz. gestiegen, und zwar
bis 1891/92 nur auf 89,5 Mill. M., dann aber bis 1896/97 auf 95,7, bis
1898/99 schon auf 103,1, bis 1900° auf 109,4 und von 1900 bis 1401
allein wieder um fast 6 Mill. M. Eine Ausgabeverminderung war
nur 1894/95 zu verzeichnen; doch war dieselbe eine solche nur für
die Justizverwaltung, nicht für den Staat, da sie lediglich von der
Portoaversionirung herrührte. In der Wirklichkeit überstieg auch die
Ausgabe die Voranschläge seit 1889/90 alljährlich, und zwar oft ebenfalls
 um mehrere Millionen, 1897/98 um mehr als 6,3 Mill. M., während
sie 1886/87 bis 1888/89 hinter ihnen zurückblieb. Dass in Zeiten des
Aufblühens wirthschaftlichen Lebens und damit der Zunahme der
gerichtlichen Geschäfte an Zahl und oft noch mehr an Schwierigkeit,
Umfang und Werth der Gegenstände die wirklichen Ausgaben über
die Voranschläge hinausgehen, ist natürlich; denn es ist dann nicht
möglich, die Fonds für ausserordentliche Hülfskräfte zum Schaden der
Geschäfte im Rahmen des Etats zu halten, und ein Fonds wie der
für baare Auslagen ist überhaupt der Einwirkung der Verwaltung
entrückt, in grossem Umfange sind es auch die „Sächlichen Ausgaben“.
Insoweit freilich die Mehrausgabe bei den baaren Auslagen entsteht, steht
ihr auch eine Mehreinnahme gegenüber. Dass gerade in diesen Fonds die
Etatsüberschreitungen hauptsächlich begründet sind, lehrt ein Vergleich
 der in der Anlage CVIII enthaltenen Voranschläge für „Andere
persönliche Ausgaben“ und „baare Auslagen“ mit der in der Anlage
 CXIX gegebenen Zusammenstellung der wirklichen Ausgaben