Rückblick, $ 216,

2011

Einnahmen zu den Ausgaben nichts weniger als verschlechtern, so gewinnt
 man den Eindruck, dass das nur möglich gewesen ist durch
das Zusammenwirken eines Justiz- und eines Finanzministers, die
beide voll und ganz auf der Höhe ihrer Aufgabe als Ressort- und
Staatsminister standen.
$ 216, In wie verschiedener Weise sich in den einzelnen Oberlandesgerichtsbezirken
 die Einuahmen und Ausgaben entwickelt haben, beleuchtet die Anl. CXX, Die
bei den einzelnen Oberlandesgerichten und nicht auf Centralfonds zu verrechnenden Einnahmen,
die gauz überwiegend in Gerichtskosten und Geldstrafen bestehen, haben sich von 1888/89 bis
1903 im Kammergerichtsbezirk und in den Departements Celle, Frankfurt a. M, und Kiel,
nahezu im Bezirk Hamm mehr als verdoppelt, im Cölner Bezirk nahezu verdreifacht, während
sie in Breslau um etwa 50, in Stettin und Naumburg um etwa 40, in Marienwerder und
Königsberg um einige 30, in Kassel um etwa 25 und in Posen nur um etwa 20 Proz.
zestiegen sind. Wir finden also die weitaus stärkste Zunahme in den gewerbreichsten
Provinzen Rheinland und Westfalen, und zwar ist sie in ersterem bedeutend stärker als in
letzterem, in dem sich die grossgewerbliche Thätigkeit uf einen kleineren Theil der Provinz
beschränkt. Der Kammergerichtsbezirk bleibt trotz Berlin und seiner Umgegend hinter
diesen beiden Provinzen zurück, weil der Bezirk ausserdem die überwiegend landwirthschaftliche
 Provinz Brandenburg umfasst. Der eine der des Kammergerichtsbezirks ungefähr
gleiche Steigerung aufweisende kleine Frankfurter Bezirk umfasst die grosse und reiche
Stadt Frankfurt a, M, und den theilweise reichen Regierungsbezirk Wiesbaden, für Kiel
fällt die Entwickelung der Orte in der Nähe von Hamburg und von Kiel in die Wagschale,
ınd in Hannover haben sich wenigstens einige Städte in dem gedachten Zeitraum gewerblich
 stark entwickelt, Breslau umfasst die stark aufgeblühten Montanbezirke Ober- und
Niederschlesiens, so bedeutende Handels- und Industrieplätze wie Breslau, Görlitz u. s. w.,
laneben landwirthschaftliche Gegenden mit günstigen Bodenverhältnissen, und auch in
Marienwerder spielen die aufblühenden Städte Danzig und Elbing eine bei der dünnen
Bevölkerung mehr in’s Gewicht fallende Rolle als in dem grösseren Östpreussen etwa
Königsberg. Dasselbe gilt vom Stettiner Bezirk, und Naumburg umfasst die grossen Städte
Magdeburg und Halle, von denen letztere sich ungemein entwickelt hat, daneben die Gebiete
nit den günstigsten Bodenverhältnissen. Umgekehrt hat der Kasseler und Posener Bezirk
industrie- und Handelsstädte von ähnlicher Bedeutung wie Frankfurt a, M., Breslau, Danzig,
Königsberg, Stettin, Altona überhaupt nicht und auch durchschnittlich keine so entwickelte
Landwirthschaft wie etwa Sachsen und Schlesien, noch viel weniger Industriegebiete wie
letzteres, Westfalen und die Rheinprovinz, Man erkennt also deutlich den überwiegenden
Einfluss des Wachsthums der grossen Städte und des Grossgewerbes auf die Entwickelung
der Einnahme der Justizverwaltung. Auf die drei Bezirke Cöln, Hamm und Berlin ent-Gelen
 von der Gesammteinnahme 1888/89 etwa 36, 1903 aber etwa 44 Proz.
Bei Beurtheilung der Ausgabenentwickelung bleiben gewisse Verschiebungen, wie die
Umwandlung von Gerichtsgefängnissen in besondere Gefängnisse, die Portoaversionirung
a. 8. w. zu berücksichtigen. Die Geschäftszunahme prägt sich vorzugsweise in den Ausgaben
für Besoldungen und Wohnungsgeldzuschüsse für die Gerichte aus, Hier finden wir die
prozentual bedeutendste Steigerung in den Bezirken Cöln, Hamm und Berlin mit etwa 50
oder mehr Prozent; es folgen Kiel, Frankfurt a. M. und Naumburg mit etwa 30 bis zu
sinigen 40 Proz., während in den Bezirken Kassel, Königsberg, Marienwerder und Posen
der Besoldungs- und Wohnungsgeldbedarf um noch nicht 20 Proz. gestiegen ist. Die
Reihenfolge der Bezirke ist also in Ansehung der Steigerung dieser Ausgaben ziemlich dieselbe
 wie bezüglich derjenigen der Einnahmen.