fallene L. nicht wieder ausgetan, neue seltener enn
wurden; doch hat sich das Lehnsrecht als ein verwickeltes
Eigentumsrecht bis auf die hentige Zeit erhalten. Die
wichtigste gemeinrechtliche Sammlung für dasselbe bilden
die sog. Libri feudorum aus dem 12. Jahrh,., die als
decimaâ novellarum collatio dem Corpus juris civilis
einverleibt sind. — Val. Weber (Handbuch, 4 Tle. 1807
— 11), Pätz (Lehrbuch, 1832); Stobbe, „Handbuch des
deutschen Privatrechts“, Bd. 2(3. Aufl. 1896).
Lehndorff, Heinrich, Graf von, preuß. General, geb
4. April 1829 in Königsberg i. Pr. 18606 Flügeladjutant
König Wilhelms, 1881 Generalleutnant und Geueral—
adjutaut, 1888 General der Kavallerie, gest. 24. April 1905
Lehngeld, s. Laudemium. lauf, Schloß Preyl
Lehnin, Marktflecken im preuß. Reg.-Bez. Potsdam,
(1900) 2379 E. Ruinen der Zisterzienserabtei Himmel—
pfort am See (1180 - 1542) mit 1871-77 restaurierter
Kirche. — Vgl. Heffter, „Geschichte des Klosters L.“ (18851),
Sello (1881). — Die Lehniusche Weissagnug (Vatici
ninm Lebninense), ein lat. Gedicht, welches die Schicksale
des Hohenzollernschen Hauses prophezeit, angeblich 1234
von deni Mönch Hermann von L. verfaßt, ist eine Fälschung
aus dem Ende des 17. Jahrh. — Vgl. Kampers (1887).
—AVV
ichaft angewendet wird, während sein Beweis in eine an—
dere Wissenschaft gehört.
Lehnschulze, sJ. Schulze.
Lehnsgericht, Lehnshof, Lehnswesen, s. Lehn.
Lehnware, s. Laudemium und Lehn.
Lehnwörter, s. Fremdwörter.
Lehr, Julius, Natioualökonom, geb. 18. Okt. 1845
zu Schotten (Hessen), 1874 Prof. in Karlsruhe, 1885 in
München, gest, daß 10. Okt. 1894; schrieb: „Schutzzoll und
Freihandel““ (1877), „Polit. Okonomie“ (4. Aufl. 1805),
Grundbegriffe und Grundlagen der Volkswirtschaft“
11893), „Produktion und Konsumtion“ (1895).
Lehr, Paul Ernest, Rechtsgelehrter, geb. 13. Mai 1835
zu St.-Die, 1870 Prof. für vergleichende Rechtswissenschaft in
Lausanne; schrieb: „Eléments de droit eivil germanique“
(1875), „Eléͤments de droit eivil russe“ (2 Bde., 1877
-90), „Hléments de droit civil espagnol“ (2 Bde. 1880
-890), „léments de droit civil anglais“ (1885) u. a.
Lehrbataillon, s. Lehrtruppen.
Lehre, Werkzeug zur genauen Prüfung der Dimensionen
cechnischer Objekte, z. B. für die Staäͤrken von Draht uud
Blech sAbb. 10351] (. auch
Drahtlehre, Gewindelehre, E 7
Kaliberlehre, Lochlehre, Mut⸗ GCCGGCCCG
kerlehre, Ringlehre, Schublehre 1038. Draht und Blechlehre.
nebst Tertfigüren); auch Scha—
blonen zur Herstellung von Gesimsen, Profilen ꝛc. (Lehr⸗
latte), gemauerten Bogen und Gewölben CLehrgerüst).
Lehre der zwölf Apostel (grch. Didache), altchristl.
Schrift, 1873 von dem griech. Theologen Bryennios in Kou—
stantinopel entdeckt, gibt Aufschluß über die Verfassungs—
zustände des frühen nachapostolifchen Christentums. Ausg
von Haruack (1884 u. 1806), Rendel Harris (engl., 1887)
Lehrerseminar, s. Seminar.
Lehrervereine ind Lehrerversammlungen. Der
1871 zumeist für Volksschullehrer gegrüudete Deutsche
Lehrerverein (85 000 Mitglieder; gibt ein „Jahrbuch“
heraus) hielt den Deutschen Lehrertag ab, bis sich letztere
Bersammlung 1893 mit der schon feit 1i848 bestehender
Allgemeinen Deutschen Lehrerverfammlung, zu einer Kor—
poration verschmolz. Es bestehen ferner: Verband Deut—
scher evaug. Echul⸗ und Lehrervereine, Verein der Deutschen
Realschulmünner (jeit 1370, Kath. Lehrerverband, Ver—
sammlungen deutfcher Philvibgen und Schulmaänner (seit
1837), u. a. Von den Lehr riunen wurde der Allgemeine
Deutsche Lehreriunenverein 1890 in Berlin gegründet, 1894
entstand ein Verein preuß. Volkaschullehretinnen.
Vehrgedicht, didattisches Gedicht, Dichtnugsart, in
welcher der Zweck der Belehrung vorwaltet: wie die Theo—
gonien und Kosmogonien der Alten, die Fabel, die Parabe'
und die Gnymen oder Spruchgedichte 25.
Zehrgerüft, sLehre
Lehrhauer, ein noch nicht ausgelernter Bergmann.
Lehrinufanteriebataiuon, s. Lehrtruppen.
Lehrlaite, f. Lehre

3

9
ei

Lehrschmieden, militär. Anstalten zur Ausbildung
»ou Fahuenschmieden in Berlin, Königsberg, Breslau,
Bottesaue, Haunover, Frankfurt a. Mi, Dresden, München.
Lehrte, Stadt im preuß. Reg.⸗Bez. Lüneburg, an der
rüneburger Heide, (1005) 7913 6.; Bahnkuoteupunkt.
Lehrter Eisenbahnt, prenß. Staatsbahn Berlin—
Lehrter Bahnhof) Rathenow-Gardelegen-Lehrte.
Lehrtruppeit, Abteilungen, zu denen Offiziere, Unter⸗
»ffiziere und Manuschaften auler Truppenteile kommandiert
werden zur Erreichung höchster Gleichmäßigkeit in der Aus—
ildung: für die Infanteric das jührlich 13. April in Pots—
)am zusammentretende Lehriufanteriebatnillon (Abzeichen:
gelbe oder rote Schnur am untern Ende der Achselklappen),
ür die Kavallerie das Mititärreitinstiut in Hannover,
velches aus Abkommandierten der Kavallerie und Feldar⸗
tillerie besteht, für die Artillerie die Feldartillerieschießschule
nit Lehrreginment und die Fußartillerieschießschule mit Lehr—
zatgillon, letztere beiden in Jüterbog.
Lei, s. v. w. Felsen, so die Rote Lei, die Lurlei und
dere Felsen am Rhein.
Lei, Mehrzahl von Leu (s. d.).
Leibbursch. s. Leibfuchs.
Leibeigenschaft, ein Verhältnis persönlicher Unfrei—
jeit, vermöge dessen jemand nebst seinen Nachkommen
einem Herrn zu erzwingbaren Dienften und Abgaben ver⸗
zflichtet ist, entstand uͤrsprünglich durch Kriegsgefangen—
schaft, dann durch Geburt, Verheiratung und freiwillige
Ergebung. Der Leibeigene durfte seinen, Wohnort nicht
oerlassen, sich ohne Einwilligung des Erbherrn, nicht ver—
zhelichen, war körperlichen Strafen unterworfen, stand
iber rechtlich den Sklaven nicht gleich, konnte Bermögen
erwerben, Prozesse führen ꝛc. Die mildefte Form der's.
var die Erbuntertänigkeit (Gutsuntertänigkeit, Grund
vörigkeit), welche neben Dienste und Abgabenpflicht die
Fesselung an die Scholle in sich schloß. Seit Ende des
8. Jahrh. exfolgte die Freilassung der Leibeigenen (Bauern⸗
zefreiuug, Bauernemanzipation) in den einzelnen deutschen
Staaten durch Gesetze, doch schwanden die letzten Reste erst
832 in der sächs. Oberlaufitz, in den österr Landen 1848.
In Rußland würde die L. dürch Manifest Kaifer Alexan⸗
ders II. vom 15. Febr. 18601 aufgehoben — Val. Sugen—
heim (1861), Engelmann (für Nußland; 1884), Knapp
für, Vreußen; 18817 u. 1881), Gruͤnberg (für Vöhmen
1894), Séee (für Frankreich; 1901).
delbesfrucht, s. Embryo.
Leibfuchs (studentisch), ein Fuchs (s. d.) der sich ein
ilteres Mitglied seiner Berbindung (Leibburfch) als Unter
weiser in allen studentischen Angelegenheiten erwählt hat.
Leibgedinge, Leibgut, Leibzucht, Nutznießung, Rente
zc., insbes. das einer Witwe zustehende Recht guf eine
lebenslängliche Neute aus den Gütern ihres verstorbenen
Maunes, im Gegensatz zu dem mit ihrer Wiederberheira—
rung erlöschenden Wittum.
Leibgendarmerie, berittene Trupps für den Or—
donnanz⸗ und Wahtdienst bei der Person des Monarchen;
in Preußen seit 1889 zwei Züge stark, von denen eluer
L. der Kaiserin heißt und zu deren Geleit bestimmt ift.
Leibicz Geibitz, Großgemeinde im ungar, Komitat
Zips, (1800) 2803 E.; Leins, Tuchweberen Flachsbau;
dabei das Leibitzer Schwefelbadb (Eeibitzfürdo).
Leibl, Wilh., Geuremaler, geb. 28. Olt. 1844 zu
döln, gest. 5. Dez. 1900 in Würzburg; Genrebilder niu
»äuerlichen Figuren aus Bayern: Frauen in der Kirche,
Dorfpolitiker, Dachauer Bäuerinnen; auch Bildnisse. —
Bal. Gronau (1901).
Leibnitz, Bezirksort in Steiermark, am Zusammen⸗
lusse der Sulm und Laßnitz, (18900) 2860 E.; Fabrika—
tion von landw. Maschinen und Zündwaren.
Seibniz, Gottfr. Wilh. Freiherr von, Philosoph und
Polyhistor, geb. 1. Juli 1646 zu Leipzig, 1676 Biblio—
hekar und Rat des Herzogs von Hannover, später Geh.
Justizrat und Historiograph, von Wien aus zum Freiherrn
und Reichshofrat ernaunt, feit 1700 Präsident der von ihm
ins Leben gerufenen Atademie der Wissenschaften in Berlin,
est. 14. Nov. 1716 zu Hannover; groß als Rathematitei
Erfinder der Differentiͤlrechnung) Philosoph, nane
ehrter, Staatsmann und Theolog. „Philos. Schriften“,
9. von Gerhardt (7 Bde. 18735290). Deutsche Ausgabe der
Zauptschriften von von Kirchnann u. a. (4 Bden 1803 fg.),