Les

Lersen (Ledersen), lederne Beinkleider, in der zweiten
dälfte des 14. Jahrh. in Gebrauch.
Lerwick (spr. —— Hauptort der schott. Shetland⸗
nfeln, auf der Ostküste von Mainland, am Bressasuud
(1801) 4061 E.; — Zentrum des Heringfangs.
Leßage (spr. fahsch), Alain Rent, franz. Dichter,
Jeb. 8. Rai 1668 zu Särzeau, gest. 17. Nov. 1747 in
Zoulogne-fur-⸗Mer, Verfasser zahlreicher Theaterstücke,
beruͤhmt durch seine tomischen Romane nach dem Spauischen,
bef Le diable boiteux“ (1707 u. ᷣ.; deutsch von Lotheißen
1881) und „Gil Blas de Santillane“ (1715-35 u. ö.)
Bgl. Barberet (1888), Lintilhac (13093).
Le Sar, franz. Schriftsteller, s. Ptladau.
Lesbische Liebe, Tribadie, unnatürliche Befriedigung
des Geschlechtstriebes zwischen zwei weiblichen Personen
Lesbos, nach der alten (und jetzigen) Hauptstadt Mi—
tilini (Mytilene) bei den Türken Midillü, Insel im Agäi—
schen Meer, türk. Wilajet Dschesairi Bahri Sefid, an der
tleinafiat. Küste, unmittelbar südl. von Troas, 1750 qkm.
125 000 meist griech. E. Im Altertum war L. eine mäch⸗
ige Demokratie, mit blühenden Städten; Methymna, An⸗
tissa, Eresos, Pyrrha, Mytilene, stand seit 13565 unter
Herzögen aus der genues. Familie Gattilusio, kam 1462
an die Türken unter Mohammed II.
Lesch, europ.-türk. Hafenstadt, s. Alessio.
Lesche, im alten Griechenland Bezeichnung von Ver—
ammlungsorten zu geselliger Unterhaltung.
Lefchkerreh, Oase in der Libhschen Wüste, unwei;
Audschila, 10 g9km, 5800 arab. E.
Sefschnitz, Stadt im preuß. Reg.«Bez. Oppeln, (1905
830 E. Amntsgericht, Anstalt für schwachsinnige Kinder
Lescot (jpr Roh), Pierre, franz. Architekt, Abt zu
Tluny und Kanoniker an Notre-Danie zu Paris, geb. um
s810 zu Paris, leitete von 1546 bis zu seinem Tode 1578
den Bau des Loupre.
Lese, Benozzo di, ital. Maler, s. Gozzoli.
Sefehallen, s. Volksbibliotheken.
Lesen, eahen zu Wörtern und Sätzen zusammeu—
asffen, wurde bis ins 19. Jahrh. durch die Buchstabier
methode gelehrt, obwohl schon Ickelsamer (1530) di⸗
Lautiermeihode forderte, die dann nach vielfachen Ver—
suchen von Campe, Olivier, Krug u. a. durch den bayr
Schulrat Stephani ausgebildet wurde. Die Schreiblese
methode, durch Harnisch, Schulz und Graser ausgebildet
läßt die Kinder im Wort die Laute unterscheiden, über—
mittelt im Anschluß daran die Schriftzeichen und läß
dann, die so niedergeschriebenen Wörter zuerst wieder lesen
Sie herrscht jetzt allgemein. Unterarten von ihr sind die
Methode Jacotots (s. d.), der erst Sätze in Wörter, dann dieft
Wörter in Laute zerlegen läßt, und die Rormalwörter
methode, die von einer geschickt ausgewählten Reihe von
Hauptwörtern ausgeht und die damit bezeichneten Dinge
dem Kinde im Bilde vorführt. Eine bedeutfame Weiter—
bildung erfuhr die Methode 1897 durch Spieser, der ein
brauchbares Alphabet schuf und die Kinder dazu brachte,
die Laute nicht nur zu lautieren, sondern auch nach Lau—
ierungsstelle und Art zu benennen. sberühren sich
Les oxtrèmos se touchent (frz.), die Gegensatze
Lesghier (auch Lesginen, bei den, Georgiern, Ar—
neniern, und Osseten Leti), kaukas, Volk, meist im russ.
ehiet Dagestan, 600 5314 Seelen, Mohammedaner.
Lesgistan, Landschaft, s. Dagestan
Lesstna, kroat. Hvar, æ in Dalmatien, au'
er Insel S. (303 4km) im Adriat. Meer, (1900) 3820 E
Lesinen, in der Architektur, s. Lisenen.
Leskien, Aug Sprachsorscher, insbes. Slawist, geb
3. Juli 1840 in Kiel, seit 1870 Prof. der slaw. Sege
in Leipzig, schrieb: „Handbuch der altbulgar. Sprache“
4. Aufl. i08),,Die Deklinatidn im SlawischeLitauischen
und Germanischen“ (1876), „Der Ablaut der Wurzel—
ilben im Litauischen“ (1884)Die Bildung der Nomino
im Litauischen“ (1801) u. a,
Leskovac (spr. watz), Stadt im serb. Kr. Vrauja
von der Bulgar. Moravba, (1901) 13707 E.
Leslie (spr. leßle), Charles, engl. Historien- und
enremaler geb. 19. Oki. 1794 in Vondon, gest. das
5. Mai 1888, malte Stoffe aus Shakespeare, Cervantes
Moliere rc. — Sein Sohn George Dunlop L., geb—
2. Juli 1835 zu London, Genremaler.

LEspinagsse (spr. näß), Julie de, geistvolle frauz.
Weltdame, geb. 19. Nov. 1782 zu vyon, außereheliches Kind
der Gräfin von Albon, 1754 Gesellschafterin der Marquise
Du Deffand in Paris, 1764 eröffnete sie ihre eigenen Zirkel;
gest. 23. Mai 1776. „Lettres“ (2 Bde., 1809; deutsch 1810),
„Lettures inédites“ (1887).
Lesse, Nebeufluß der Sainbre, entsteht in der belg. Prop.
Luxemburg, in den Ardennen, mündet, von der Höhle
Perte de ĩa L. bis zur Grotte von Han⸗fur⸗L. (Gem. Han—
sur-LK. 1904: 490 E.) in der Prop. Namur 1200 mlg.
anterirdisch verlaufend, oberhalb Dinant.
Lessen, Stadt im preuß. Reg.⸗Bez. Marienwerder,
am Lessener See, (1905) 2720 E.
Lesseps, Ferd., Vicomte de, franz. Diplomat, geb.
8. Nov. 1805 zu Versailles, widmete sich seit 1884 der
Herstellung des Sueskanals (s. d.), der 1i869 zur Voll—
udung gelangte. Dagegen scheiterte das von ihm seit
1879 betriebene Projekt eines Panamakanals (s. d.), und
L. wurde nebst seinem Sohne Charles de 8. (geb. 1849)
wegen Betrugs und Ieen 1893 zu 5 Jahren Ge—⸗
fängnis verurteilt; doch hob der Kassationshof das Urteil
auf. L. starb 7. Dez. 1894. Er schrieb:„Documents
dour servir à Phistotre du canai de Suez“ (5 Bde.,
I8765 SIMOrigines du canal de Suez“ (18890), Souvenixs“
 2 Bde. 1887; deutsch 1888). — VBgl. Bridier (1800).
Lessiues (spr. ihn), Stadt in der belg. Prov. Henne—
gau, au der Dender, (j904) 10318 E.; Porphyrbrüche.
Lessing, Gotthold Ephraim, Dichter und Kriliker, geb.
22. Jan. 1729 zu Kamenz (Sachsen), 1741 Fürstenschuler
in Meißen, studlerte seit 1746 in Leipzig und Wittenberg,
seit 1748 in Berlin schriftstellerisch tüͤtig (mit Unter—
— —
—68 Sekretär des Generals Tauenzien in Breslau, 1765
wieder in Berlin, 1767 Dramaturg in Hamburg, seit 1770
Bibliothekar in Wolfenbüttel, 1776 mt der Witwe Eva
dönig (geb. 1736, gest. 10. Jan. 1778) vermählt, gest.
15. Febr. 1781 in Braunschweig. sTafel: Portrüt—
malerei II, 2.), L., gleich groß als Gelehrter wie als
Dichter (Lieder, Fabeln, Epigramme, Dramen), Meister
der methodischen Untersuchnng und des prosaischen Stils;
durch seine kritisch-isthetischen Schriften („Briefe, die neueste
Literatur betreffend“, 17589; „Laokoon“, 1766; neue Ausg.
bon Blümner, 2. Aufl. 1880; „Wie die Alten den Tod
sebildet“, 1769) baute er die Kunstlehre auf nenen Grund—
lagen auf, befreite das deutsche Drama von der Nachahmung
der Franzosen („Hamburgische Dramaturgie“, 1788 -69
neue Ausg, von Schröter und Thiele, und stellte
n seinen Hauptdramen: „Miß Sara Sampson“ (1755),
„Minna von Barnhelm“ (1763), „Emilia Galotti“ (1772),
Nathan der Weise“ (1779) selbst Muster auf, war auch
der Begründer einer freiern theol. Wissenschaft („Anti—
zoeze“, 1778; „Die Erziehung des Menschengeschlechts“,
1780). „Sämtliche Schriften“ hg. von Lachmann (18 Bde.
838 40; 3. Aufi. von Muncker, 165 Bde. 1886fg.); Heu⸗
»elsche Ausg. (20 Bde., 1868278). Briefwechsel, hg.
»on Redlich e — Biogr. von seinem Bruder
Karl Gotthelf L. (1793), Danzel und Guhrauer (2 Bde.,
2. Aufl. von Maltzahn und Borberger, 1880 —81), Staht
(9. Aufl. 1887), Sime (deutsch 1878), Erich Schmidt
2. Aufl., 2 Bde., 1899). Borinsti (2 Bde. 1809), Ernst
1903). — Bgl. K. Fischer, „L. als Reformator der
eutschen Literatur“ (2 Bde, 1881); Wagner, „Lessing⸗
Forschungen“ (1881). — Sein Bruder Kari Gottheif.
geb. 10. Juli 1740, gest. 17. Febr. 1812 als Münzdirektor
 in Breslau, schrieb eine Biographie seines Bruͤ—
)ers, ferner Lustspiele u. a. — Vgl. Wolff (1886).
Lessing, Julius, Kunstschriftsteller, geb. 20. Sepi. 1843
in Stettin, feit 1872 Direktor des Kunstgewerbemusennis
n Berlin; veröffentlichte; „Altorient. Teppichmuster“
1877), „Wuster altdeüͤtscher Leinenstickerei“ (5. Aufl
83 „Holzschnitzereien des 15. und 16. Jahrh.“ (1882),
„Gold und Silber“ (1802), „Wandteppiche und Decken
— —
Lessing, Karl Fricdr. Historiens und Landschaftsnaler,
 geb. 15. Febr. 1808 zu Breslau, Großneffe von
Gotthold Ephraim L., seit 1888 Galeriedireltor in Karlscuhe,
 gest. das. 5. Juni 1880. Hauptbilder: Trauerndes
iünigspaar, Hussitenpredigt (Berlin), Hus vor dem Kon—
zil zu Konstanz (Fraukf. aä. M.), Hus vor dem Scheiter—