Lyd

zunäüchst von den sagenhaften Atyaden und Herakliden, seit
dem 8. Jahrh. v. Chr. (712) von den Mermnaden beherrscht,
deren letzter, Krösus, 346 v. Chr. vom Perserkönig Cyrüs
unterworfen wurde. Die Lydier besaßen eine entwickelte
Webindustrie, verweichlichten aber unter der Perserherrschaft
und gingen dann im Hellenismus auf. — Vgl. Radet
franz.,, 1893), Buresch (1897).
Lydischer Stein, s. v. w. Lydit (s. Kieselschiefer).
Lydische Tonart, s. Kirchentonarten.
Lydit, s. Kieselschiefer.
Lydtin, August, Tierarzt, geb. 11. Juli 1834 in Bühl
in Baden, 18714 Hoftierarzt in Karlsruhe, 1875 Landes—
tierarzt, 1886 Oberregierungsrat, Deaier des Vete⸗
rinärwesens und der Fleischbeschau in Baden, auch verdient
um Bebung der Tierzucht; schrieb: „Anleitung zur Aus—⸗
übung der Fleischbeschau““ (3. Aufl. 1890),,„Die Beurtei—
lung von Zucht⸗, Nutz- und Preistieren“ (1880) u. a.
Lydtinscher Weßzstock, Instrument zur Feststellung
der Leistungsfähigkeit und des Wertes eines Zucht- oder
Nutztieres durch leichte Messung der für die Leistungsfähig—
keit der Tiere bestimmenden Körpermaße.
Lyell (spr. leiel), Sir Charles, Geolog, geb. 14. Nov
1787 zu Kinnordy (GForfarshire), Prof. am Ring's College
zu London, gest. 22. Febr 1878; erklärte in seinem epoche⸗
machenden Werk „Principles of geology“ (1830- 33 u. 6.;
deutsch 1341 42) die Veränderungen der Erdoberfläche,
ohne Annahme besonderer Umwälzungen, aus noch jetzt
wirksamen Ursachen, schrieb ferner; „Geological evidences
2f tho antiquity of man“ (a. Aufl. 1873; deutsch von
Büchner, 2. Aufl. 1874) u. a. — Biogr. von seiner Witwe
sengl., 2 Bde. 1881).
Lygier, griech. Namensform für Lugier (s. d.).
LySodium Sid., Kletterfaru, Farngattg. der Schizüa⸗
een im trop. und subtrop. Ostasien und Australien.
Lykabettos, jetzt auch Hagios Georgios, Berg, nord⸗
zstl. von Athen, 277 m.
Lykanthrop (grch.), Wolfsmensch, Werwolf (s. d.);
oykauthropie, der Wahn, in einen Wolf verwandelt zu
sein oder sich verwandeln zu können, eine Art Geistes—
trankheit im Altertum und spätern Mittelalter.
Lykaonien, Landschaft im mittlern Kleinasien, mit der
Hauptstadt Ikonium, 25 v. Chr. röm. Provinz.
Lykeri, Gipfel im Parnaß (. d.).
Lyklen, im Altertum Landschaft au der Südküste Klein⸗
asiens, ursprünglich von den mit den Pisidern verwandten
Milyern und Solhmern, dann von einem wahrscheinlich
eepan Volke, das sich Tremilen nannte und das
die Griechen als Lytier bezeichneten, bewohnt. L. kam
im 6. Jahrh. v. Chr. unter pers., dann unter mazedon
und syr. Oberhoheit. Seit 190 v. Chr. bildete es einen
unabhüngigen Städtebund, unter Kaiser Claudius röm.
Provinz. Obwohl das Land vieles von griech. Kultur über⸗
nahm, behauptete es doch lange zäh seine Eigenart (s.
Lykische Sprache). Merkiwürdig ist seine in zahlreichen
p erhaltene, dem Holzbau nachgebildete Stein⸗
agy tur. — Bgl. Treuber (18877.
yrische Sprache, die Sprache der alten Lykier, in
zahlreichen Inschriften, mit —ꝛ Alphabet, waͤhr⸗
cheinlich nicht indogermanisch. — Val. Kretschmer, „Ein⸗
eitung in die Geschichte der griech. Sprache“ (1806).
Loykopodiazeen, Farnfamilie der Lykopodinen, um⸗
aßt nur zwei Gattungen, die homospore Lycopodium
und die heterospore Selaginella.
SEykopodinen, Abtellung der Gefäßkryptogamen, um—
aßt die — eeee und Isoetazeen. Die niedrigen,
crautigen Gewächse haben meist kleine moosähnliche Blaͤtt⸗
chen und lange dichötomisch verzweigte Achsen, entweder
einerlei Sporen (homospore L.) oder Makro- und Mikro—
sporen (heterospore L.). Die 8. waren in der Steinkohlen⸗
zeit durch baumartige Formen (s. Lepidodendron) vertreten.
 [0. Siut).
Lykopolis, im Altertum Hauptstadt von Oberägypten
Lykoreia, Gipfel im Parnaß (s. d.).
Sykurguns, Gesetzgeber der Spaͤrtauer in der zweiten
Hülfte des 9. Jahrh. v. Chr., nach der Sage spartan.
Königssohn aus der alten Familie der Prokliden, Vor—
mund seines Neffen, des Königs Charilaus. Rachdem er
seine gefeierte Verfassung gegeben und sie durch einen
Fid der Bürgerschaft gesichert hatte, soll er das Land ver

assen und sich dueh Hunger selbst den Tod gegeben haben.
Trotz des sagenhaften Beiwerkes ist L. nicht eine rein
ageuͤhafte oder mythische Person, auch sein Gesetzes⸗ und
Berfassungswerk bleibt eine Tatsache, wenn es sich auch
uicht aus der spätern spartan. Verfassung (s. Sharta)
Jauz scharf herauslösen läßt.
Lykürgus, attischer Redner und Staatsmann, geb.
iach 396 v. Chr. zu Athen, seit 338 an der Spitze der
athen. Finanzverwaältung, brachte seine Vaterstadt zu neuer
Blüte, gest. uͤm 325. Erhalten ist seine Rede gegen Leo—
rates, hg. von Blaß (1902). — Vgl. Dürrbach (franz., 1880).
Lyly, John, engl. Dichter, geb. 1554 in Kent, gest.
606 in London, durch den Roman „Puphues“ (1578-81)
gegründer des Euphuismus (s. d.); schrieb auch Dramen
3. T. deutsch von Bödenstedt, 1860). „Works“ mit Bio⸗
zraphie hg. von Bond (1902).
Lyme Regis (spr. leim rihdschis), Stadt in der engl.
Brafsch. Dorset, am Kanal, (1801) 2095 E., Seebad,
Sternwarte; Fischerei.
LEymington (sr. linmingt'n), Stadt in der engl.
Vrafsch. Hampshire, au der Mündung des Lym in den
Solent (1901) Môs E. sa707 E.
Lymm, Stadt in der engl. ane Chester, (1901)
Lymphadenitis Egrch.), Lymphdrüsenentzündung;
rymphadenom, — Lymphangibm, aus er⸗
veiterten Lymphgefüßen gebildete Geschwulst; Lymphau—⸗
nitis, Lymphgefäßentzündung; Lymphöm, e e
Lyniphatisch (lat.), Körperbeschaffenheit mit schlaffem,
chwammigem Aussehen, gedunsener Haut und geringer
Widerstandsfähigkeit gegen Schädlichkeiten.
Lymphatisches Systent, System von feinen Adern
Lymphgefäßen oder Saugadern), welches sich in allen
Irganen des menschlichen Körpers vorfindet und die Be—
timmung hat, das Blut durch Zuführung der Lymphe
ind des Speisesaftes (Chylus) zu ernähren. Die Lymph—⸗
jefäße sind dünne, zartwandige Röhrchen, die in der Nähe
»er Brusthöhle zu einem größern und einem kleinern Gaug
Lymphgefäßstamm) zusammentreten, deren größerer, der
Nilchbrustgang, in die linke Schlüsselbeinblutader ein—
ründet. Die Lymphe wird dune den Druck der aus den
3lutkapillaren ausgepreßten Flüssigkeit und durch die Zu—
ammenziehung der Körpermuskeln bewegt, bei manchen
kieren geschieht die Bewegung durch rhythmisch pulsierende
mphherzen. Die Lymphdrusen, plattrundliche, erbsen⸗
»is bohnengroße Körperchen, bestehen aus einem äußerst
einen, netzartigen Gewebe von Saugadern, zwischen denen
leine runde Zellen (Eymphzellen, Lymphtörperchen) liegen,
ind befinden sich bes. in der Bauch- und Brusthöhle, am
dopf und Hals, in der Achselhöhle und Schenkelbeuge;
ie schwellen bei Dnann leicht an und können zu
mphdrüseneiterungen oder Bubonen (s. d.) führen.
Lymphe (lat.), Milchsaft, farblose oder gelblichweiße
Flüssigkeit, die sich aus dem Blut durch die Wände der
Haargefäße in die Gewebe ergießt (Parenchym⸗- oder Er⸗
riährungsflüssigkeit), sowie von dort in die Lymphgefäße
ibfließt (s. Lymphatisches System). — 8., auch die in den
e (.d.) enthaltene Flüssigkeit.
ymphrörperchen, s. Lymphatisches System.
Lynär, altes, aus Oberitalien stammendes Geschlecht,
am im 16. Jahrh. mit Graf Rochus, kurbrandenb. General⸗
oberst der Artillerie, gest, 22. Dez. 15806 in Spandau,
nach Deutschland; gegenwärtig blühend in einer ältern
zräfl. Linie (vertreken durch Maximilian, Graf zu L.
jeb. 24. April 1825, erbliches Mitglied des preuß. Herren⸗
auses und Herr der freien Standesherrschaft Lübbenau)
ind einer jüngern, seit 1806 fürstl. Linie (gegenwärtiger
Lhef Fürst Ernst L. geb. 81. März 1875).
ELynqhburg (spr. uͤntschbörg), Stadt im nordameril.
Staate Virgiuen, am James River, (1900) 18891 E.
Lynchjustiz spr. lintsch.), Lynchen, Volksjustiz in
Jordamerika, ausgeübt von unbefugten Privatleuten gegen
bersouen, die das Strafgefetz gar nicht oder nach
„ffentlichen Meinung nicht hart und schnell genug irifft.
Der Name soll von Johu Lynch herrühren, einem zu Ende
»es 17. Jahrh, in Vitginia lebenden Farmer, der sich
ichterliche Funktionen augemaßt haben soll.
Lynkeiostop, s. Aplanat.
Lynkeus, einer der 60 Söhne des Aigyptos, Ver—
obter der Hypermnestra, soll als einziger bei dem Morde