Maurer, Georg Ludw., Ritter von, Rechtsgelehrter
und Staatsmann, geb. 2. Nov. 1790 zu Erpolzheim, 1526
Prof. zu München, 1831 Reichsrat, 183284 Mitglied
der Regentfchaft in Gricchculand, Febr. bis 80. Rov.
1347 bayr, Minister, gest. d. Mai 1872 zu München;
schrieb: Gefchichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und
er Hofverfassung“ (4 Bde. 186268), „Geschichte der
Dorfverfassung in ee (2 Bde. is6s 66), „Ge⸗
chichte der Städteverfassung in Deutschland“ (4 Bde.,
i869 71) u.a. — Sein Sohn Konrad von M., geb.
28. April 1823 zu Frankenthal, Rechtshistoriker, 184798
Prof. zu München, gest. das. in der Nacht zum 16. Sept.
1908, namhafter Forscher auf dem Gebiet der german.
und standinav, Volksrechte; schrieb; „Die Bekehrung des
norweg. Stammes zum Christentum“ (2Bde. 1865—56)
Island bis zum Untergange des Freistaates“ F
Zur polit. Geschichte Islands“ (1880) u. a.
Maurerei, s. Freimaurerei.
Mauretania, im Altertum der nordwestlichste Teil
Afrikas, kam durch Cäsar unter röm. Oberhoheit, zerfiel
in M. Tingitana (Hauptstadt Tingis) und M. Cäsa—
riensis (Hauptstadt Cäsarea), 428 von den Vandalen
erobert, kam 534 in Besitz der Byzantiner, die es um
700 au die Araber verloren. — Zivilterritorium von
Mauretanien heißt seit 1904 die eine (nordwestl.) der aus
den Territorien von Senegambien und des Niger und
dem franz. Einflußgebiet der westl. und mittlern Sahara
gebildeten neuen Kolonien.
Maurik, Jufius van, niederländ. Schriftsteller, geb.
16. Aug, 1846 in Amsterdam, Tabakhändler das., gest. 18. Nov.
1904; behandelte das Volksleben in Dramen („Tooneeltudien“,
 1872; De Buren“, 1876; „Men zegt“, 1888,
c.) und Novellen (,Vit het Volk“, 1878; „Rrates“, 18885;
Huisvaders en Anismoeders“, 1894, 2c.)
Mauriner, Kongregation der
Benediktiner (s. d.). Kunst.
Maurischer Stil, s. Arabische
Aauritia T., Palmengattg. im
rop. Südamerika. A. viniföra
Mart. (die Weinpalme [Abb. 1150)),
am Orxinoco und Amazonenstrom,
liefert in ihren tannenzapfenartigen
Früchten ein angenehmes Fruchtmus,
in dem Saft des Stammes einen
berauschenden Wein und in dem
Mark ein nahrhaftes Mehl. Ahn⸗
lich M. flexuösa L. (die Moriti-,
Moriche⸗ Murichi- oder Itapalme);
aus der zu Fäden gerollten Ober—
haut ihrer Blätter werden sehr feste
Gewebe hergestellt.
Vauriius, frz. Isle⸗de⸗France, brit. Maskarenen⸗
nfel, im Ind. Ozean, 880 Fm östl. von Madagaskar,
is26 qum, (uodih 373336 E., mit Dependenzen ( Ro⸗
driguez, Nazarethinseln, Tschagosinseln u. a.) 2121 4km.
378 186 Er hebirgig lin der Montagne de la Niviere
vidire d8d m), wafferteich Haupltprodutt Zuckerrohr; Gau⸗
del s. Beilage: Afriah Hauptstadt Port Louis .F M.
vurde 1808 von den Portugiesen entdeckt, bis 1598 por⸗
n o110 houandisch 1715 von den Frau—
zosen besetzt, seit 1810 englisch. — Vgl.Keller (engl., 1900).
Brauritrus, ostrom Kaiser (662 602). geb. 530 in
Kappadozien, Echwiegerfohn und Nachfolger Tiberius II.
28. Nov. 602 durch Phokas gestürzt und 21. Nov. ermordet.
Baurittus, Heiliger, s. Thebsische Legion.
Viauritins dud Lazarusorden, ital. Orden,
43 don Hergeg AÄmadens Viss. von Saboyen gestiftet,
1816 erneuert, Ordenszeichen ein weiß emailliertes, in
dilienform ausgehendes Kreuz; arünes Ordensband Ta⸗
el; Orden]. .
Maurizivb, Porto, ital. Provinz, s. Porto Maurizio.
Viaurokordãtos, Fenariotenfamilie, die der Moldau
und Walachei viele Hospodare gab. — Alex. M. geb,
15. Febr. 1791 zu Konstantinopel, 1822-26 Prusident
der griech. Regierung, unter Otto J. mehrmals Minister
und Gefandter, gefte 18. Aug. 1865 zu Agina.
Mauromichalis, Petros gewöhnlich Petro Bei, geb.
1775, während des griech. Freiheitskampfes wiederholt
mit ben höchsten Stautbwürden bekleidet, unter Kapo—

19

Mau
istrias“ Präsidentschaft 1830 gefangen geseßt, weshalb
ein S Georg sein Bruder Kouftantin 9.
831 Kapodistrias ermordeten; 1832 in Freiheit gesctt,
est, 29. Jan. 1848 in Athen. ß
Maursmünfter, Kantonstadt im Unterelsaß, (1905)
80 E., ehedem Beuediktinerabtei. — Bgl. Wolff (1898).
Maurus, Theolog, s. Hrabanus Maurus.
Maury (spr. morih), Jean Siffrein, franz. Kardinal,
‚eb. 26. Jum 1746 zu Valrkas, 1789 Mitglied der Na—
ionalversammlung, Gegner Neckers und der neuen
Ztaatstheorie, wanderte 1794 nach Rom aus, 1798 Kar⸗
inal, 181014 Erzbischof von Paris, gest. 11. Mai
817 in Rom. — Vgl. Hergenröther (1878), Ricard (1887).
Maurm (spr. maͤhrh), udene Fontaine, amerik. See—
nann und Physiker, geb. 24. Jan. 1806 zu Spottsylvania
Virginien), leitete 1861 im Dienst der Konföderierten
die Organisation der Küstenwehr, gest. 1. Febr. 1873 als
Prof. zu Lexington; schrieb: Ehysicel geography otf
Nhs 862“ (19. Aufl. 1883; deutsch, 2. Aufl. 1858) uͤ. a.
Maus, s. Mäuse.
Mauschel (von Moses), Spottname für Juden: mau-.
cheln. im jüd. Jargon sprechen.
Mäufe (Muridae), artenreichste Familie der Nage—
iere, mit Wihnren spitzschnauzigem Kopf, großen Augen,
gestrecktem Körper, zierlichen Beinen, landem Schwanz,
urz⸗ und weichhaarigem Pelz; über
ie ganze Erde verbreitet. Kinhei—
nische Vertreter der Familie sind der
Hamster und verschiedene Arten der
VBattg. M. (Mus). uthae M.:
aus⸗ M. (Nas musculus L.), bunkel⸗
ischgrau, Albinos (weifse M.) nicht
elten, in Wohnhäusern, wirft jähr—
ich 328 mal 48 Junge. Wald⸗M.
AM. syIvaticus L. [Abb. 1151)), größer, oben gelblichgrau,
anten weiß; Europa, Westasien. BrandM. (M. agrartus
Pall.), hraunrot, mit schwarzem Rückenstreifen, unten weiß;
Deutschland, Rußland, Sibirien, in Ackerfeldern, im Winter
in Scheunen. Zwerg ⸗M. (A. minũtus Fall.), oben gelblich
hraunrot, unten weiß, Nest über der Erde; Europa,
Sibirien. Zur Gattg. M. gehören auch die Ratten (s. d.).
— UÜber die die Arten Scher-M., Feld-M. u. a. un—⸗
fassende Familie der Wühlmäuse s. d.
Mäusfedarmi, Pflanzenart, s. Stellaria. — Mäuse—
arn, s. Ruscus. Bussarde [Abb. 804)).
Mäusegeier, Mäusehabicht, der Mäusebussard s.
— s. Solanum. — Mäuseöhrchen, Pflanzen⸗
art, s. Myosotis.
Maufer (Mauserung), die Ablösung und Abstoßung
abgenutzter und veralteter Gewebsbestandteile (Zellen und
zellenartige Gebilde) und ihr Ersatz durch neue Gewebe:
—
und Frühjahr (am Kopf), das Häuten der Schlangen und
Insekten, das Abwerfen der Geweihe bei Hirsch und Reherc.,
m besondern der Wechsel des Federkleides der Vögel.
Mauser, Wilh, Gewehrtechniker, geb. 2. Mai 1834
u Oberndorf am Reckar, mit seinem Bruder Paul M.
geb. 27. Juni 1888, seit 1898 Reichstagsabgeordneter)
Zesitzer einer Gewehrfabrik das. (jetzt Attiengesellschaft),
onstruierte mit diesem ein Hinterladungsgewehr mit ver⸗
Hessertem Verschluß, das 1874 als M71 Mausergewehr
Tafel: Kriegswesen II, 12])) im deutschen Heer ein⸗
eführt wurde; gest, 18. Jan. 1682 in Obeindorf. Auch
uür eine Reihe anderer Staaten konstruierte Paul M. die
Bewehre. Mauserpistole, eine Selbstladepistole mit 6 oder
O Patronen auf Ladestreifen und hohlem Gewehranschlag⸗
olben zur Aufnahme der Pistole nach der Benuhung.
Mauseseptichämte, septichämische Erkrankung der
Mänse, hervorgerufen durch kleine Stäbchenbakterien, wahr
cheinlich mit dem Rotlauf der Schweine identisch,
Mauseturm, Turm im Rhein, bei Bingen, bekannt
urch die Sage von dem von Mäusen verfolgten Erz—
ischof Hatto L. ( . d.) von Mainz, wohl schon um 000
ingelegt, jezt Warte, um Schiffern Signale zu geben.
Mausetyphusbazillen, Stäbchenbakterien, mit denen
ich durch Verfüttern künstlich eine Scuche bei Muufen und
anit deren Bekämpfung etzielen läßt.
Mausolenuni, das dem karischen König Veine
Maussollos. 377 —353 p. Chr.) vonñ seiner Gattin Arte—