166
zrenzungen auch Gewicht auf die Sprachunterschiede und
—R—
Unler den neuesten man
die auf rein körperlichen (somatischen) Merkmalen fußen,
und andere, die neben und vor diesen die sprachlichen
llinguistischen) Unterschiede ins Auge fassen. Unter den
rein somatischen Systemen ist das bekannteste das allein
auf den Schädelbau sich gründende kraniologische System
von A. Retzius. Er verwandelte die schägende Methode
Blumenbachs in eine messende, mathemaͤtische, indem er
unächst das Verhältnis der Lünge zur Breite des Hirn—
chädels in —S —— nn (Schädelindex)
zrachte; die relativ schmalen Schädel nannte er Langköpfe,
Dolichotephalen (Abb. 488], die relativ breiten Schädel
fturzköpfe, Brachykephalen [Abb. 256], zu welchen dann
püter, 53 Welcker und Broca, noch die Gruppe der
wischen diefen Extremen stehenden Mittelköpfe, Meso—
lephalen, kam. Schon P. Camper hatte am Ende des
18. Jahrh. bei den Negern ein schnauzenförmiges Vor—
pringen der Mundpartie der Kiefer —888 — und die
Messung derselben in seinem „Camperschen Gesichtswinkel“
J. Camper) gelehrt; Prichard sah das gleiche Vorspringen
der Mundpartie bei andern niedern M.und erfand
die Bezeichnung Schiefzähner (Prognathen), welchen die
Menschen mit senkrecht übereinander stehenden Schneide⸗
un die Geradzähner Orthognathen), gegenüberstehen.
Retzius gruppierte nun die Menschen nach ihrer Schädel—
dildung, und zwar nach der relativen Länge und Breite des
hirnschüdels, wobei er zugleich die Ausbildung der Kiefer
derücksichtigte. R. Deeen Welcker, Broca, J. Kollmann
4. v. a. bauten dieses Retziussche System weiter aus.
Im nähern Anschluß an Linne, Geoffroy Saint-Hilaire
1. a. stellie Franz Pruner, die Beschaffenheit der Behaa—
rung der Menschen zugrunde legend, folgendes System
auf? J. Wollhaarige Rassen: a. Büschelhaarige, b. Vlies—
jaarige. II. Schlichthaarige Rassen: a3. Straffhaarige,
d. Lockenhaarige. — Andere suchen die verschiedenen körper—
ichen Merkmale für ihr System zusammen zu benutzen,
vie P. Topinard und Huxley: Größe und Proportion
)es Körpers, Haut- und Haarfarbe, Haarform, Haar—
reichtum, Schädelform und sonstige Steletteigentümlich—
deiten u. a. Demnach unterscheidet Hurley vier, bez. fünf
Raßssen oder Typen: 1) australoider Typus (v, X, Xi
F. Müllers, s. unten); Y negroider Typus (IIVG. Mül⸗
ers); 3) mongoloider Typus (YVIIX F. Müllers);
1) und 5) der weiße Typus (XII F. Müllers), und zwar
4) der ranthochroische e die Blond-Weißen, und
5) der melanochroische Typus, die Brünett-Weißen, welche
letztere Hurley für eine Mischung der Blond-Weißen mit
dem australosden Typus hält. Diesen rein somatischen
Systemen stehen linguistische und gemischt somatisch-lin⸗
zuistische Systeme gegenüber.
Der wichtigste Versuch einer systematischen Anordnung
der Völker, vorwiegend nach dem Gesichtspunkt der Sprache,
wurde von F. Müller gemacht, der (1868 und 1878, bez
1879) folgendes System (12 Rassen) aufstellte: A. Wollzaarige
 Rassen. a Büschelhaarige: J. Hottentotten und
Buschinänner, II. Papua. b. Blieshaarige: UI. Afrik
Neger, IV. Kaffern (Bantu). B. Schlichthaarige Rassen
2. Straffhaarige: V. Australier, VI. Hyperboreer, VII. Ameritaner,
 VIII. Malaien, IX. Mongolen oder Hochasiaten
b. Lockenhaarige: X. Nuba-Fulbe, XI. Drawida, XilJ. Mitzelländer.
 Mullers Eintellung wurde von O. Peschel
(1874), jedoch mit Hinweglassung des Einteilungsgrundes
nach der Veschaffenheit der Behaarung und unter Züsammen⸗
iehung je mehrerer Rassen in eine, angenommen. Dieses
System hat bisher in Deutschland die weiteste Verbreitung
Jefunden, da e8 von E. Hacckel aufgenommen wurde.
Peschel stellte folgende sieben Rassen auf Karte: Be—
dölkerung U, 81: J. Australier, 11. Papua, III. Mon⸗
golen, IV. Drawida, V. Hottentotten und Buschmänner,
/1I. Neger, VII. eeee Rasse.
Uher den Ursprung der M. sind die Ansichten noch sehr
ßitut Die alte, Cuviersche Auffassung nimmt, an die
ie Uberlieferung sich anlehnend,eine gleichzeitige
Schöpfung mehrerer verschiedener Menschenarten an
Ppolygenetischer Ursprung); danach sollen die Nassen einen
unperünderlichen Dauertypus besitzen. Die neue, auf
Darwins Entwicklungstheorie weiterbauende Auffaässung

Men

immt nur einen Urtypus der Menschen an (mono—
enetischer Ursprung), aus dem sich die verschie denen Rassen⸗
ormen durch Anpässung gebildet haben. Die letztere An⸗
icht darf als die jetzt herrschende bezeichnet werden. Zu
rwähnen wäre noch Kollmanus Pygmäentheorie, nach der
ille jetzigen Menschengruppen aus Zwergrassen hervor—
tgangen sein sollen. Die wichtigste Stütze für die neuere
nffassung der M. und ihren monogenetischen Ursprung war
er wissenschaftliche Nachweis, daß Kreuzungen sämtlicher
M, untereinander möglich und fortpflauzungsfähig sind.
Im J. 1881 sonderte Fritsch auf Grund dieser Tatsache
»on den drei Hauptrassentypen (Cuviers) die metamorphen
»der gemischten Rassen ab. Erst 1801 baute Stratz diese
Auffafsung weiter aus, indem er neben den drei Hanpt—
rafsen oder archimorphen Rassen und den metamorphen
»der Mischrassen auch die Reste älterer Rassen als proto—
norphe Rassen zusammenfaßte. 1902 trat Klaatsch mit
iner völligen Umarbeitung der authropol. Wissenschaft
ruf Grund der Ergebnisse der Entwicklungsgeschichte und
»ergleichenden Analomie hexvor, womit der neuern For—
weitere und streng wissenschaftliche Ziele gesteckt sind
e und Entwicklung der en in: Weltall
ind Meuschheit“, I, Bd. 2, Berl. 1902, S. 1339). Ihm
chloß sich Stratz („Naturgeschichte des Menschen“, Stuttg.
504) an, der den ersten Versuͤch machte, die M. in rein
matom. Sinne zu Gruppen älteter und jüngerer Rasfen—
ormen zu vereinigen sKarte: Bevölkerung II, 2)].
Sieht man von jeglicher systematischen Einteilung ab,
o ergibt sich bei Betrachtung einwandsfreier Photographien
ine mit zunehmender Entwicklung stets fortschreitende
bervollkommnung des mgnscicen Körpers, die sich na⸗
nentlich im Gesicht durch die feinere Ausarbeitung der
Züget keunzeichnet. Auf nebenstehenden Tafeln: Menschen⸗
a 8* Lu. I n en Frauenköpfe dargestellt wor⸗
den, weil fie den Ra 55 — schon wegen des Fehlens der
Bcsichtshaare, viel schärfer und reiner zum Ausdruck Lringen.
Der niedrigste Typus (Klaatsch, Hurley, Peschel, Stratz)
vird durch die austral. Urrasse dargesteüüt [1u. 2], der
»ie papuanische Urrasse [3]) sehr nahe steht; metamorphe
Jormen dieser Rasse bilden die Melanesier sa4J. Den nächst
öhern Typus bilden die Koi-koin oder Buschmann⸗Urrasse
Fritsch, Peschel 151), denen die Akka, ein zentralafrik.
chwarzes Zwexgvolk, sehr nahe verwandt scheinen [61].
üergangsformen dieser Urrasse zu der eigentlichen schwar—
zen Hauptrasse (Mischrassen) zeigen die Niaimniam [7)]
—V
rasse sind die Bantu in Südafrika [0) und Madagaskar s10);
netamorphe Formen mit Annäherung an den Typus der
veißen Hauptrasse zeigen die Togoneger [11] und die
Sudanneger [12].
Die amerik. Urrasse, die wahrscheinlich nach Abspaltung
der schwarzen Hauptrasse entstanden ist, da sie die wich—
tigsten Elemente der spätern gelben und weißen Haupt—
rasse in sich vereinigt (Stratz), ist am reinsten in Amerika
erhalten [13, 14 u. 16)J. Ihr nahe verwandt oder gleich—
vertig scheinen die ozeanischen Gruppen der Maori —[16],
Sambaner [17], Dajak 18] und Batak [19] zu sein,
vährend die Javanen [20) eine stärkere Annäherung zur
zelben, mongol. Hauptrasse zeigen.
Die gelbe Hauptrasse ist durch Fig. 2128 vertreten;
ie älteste, den Amerikanern am nüchsten stehende Urform
eigen die Eskimo [21], den reinen Rassentypus haben am
iusgeprägtesten die Samojeden s22] und öhinefen [231,
vährend die Japaner s24] ebenso wie die Siamesen 1281
ine stärkere Hinneigung zur weißen Rassenform zeigen.
Als ausgesprochen metamörphe Formen sind die Birma—
nen [26] in den südl. Grenzgebieten, die Lappen 27] und
Tataren [28] in den nördlichen zu betrachten.
Der weißen Hauptrasse gehören die Fig. 29—40 an.
Als dem weißen Stamm angehörige Urrassen können die
linu — ten Kate, Koͤganei [291) und die Wedda
Sarasin [30)) betrachtet werden. Den Wedda schließen sich
n höherer Entwicklung an die Drawida, Tamil (Tamulen
I und Singhalesen s32]. Asiat. Vertreter rein weißer
RKasse sind die Perser 183) und Araber (Beduinen [34)).
Bon Asien verzweigt sich die weiße (Mittelländ.) Rasse um
»as Mittelländ. Meer und ist dort im Süden schwarze,
m Norden gelbe Metamorphien eingegangen. Vertreter
des südl. Zweiges sind die üghpter s831 und Mauren s36).