Mustirk, Mystizismus (grch.), das religiöse Bestreben,
mit der Gottheit in möglichst ünmittelbare Berührung zu
gelangen. Die zur Einheit mit Gott hinstrebende Spekula—
tion der Neuplaͤtoniker fand durch die miystische Theologie
des Dionysius Areopagita sowie durch Scotus Erigeno
B880) ihren Weg in die Kirche des Mittelalters, gewann
aber hier eine vorwiegeud Tendenz und
jand schon im 12. Jahrh. ihre Vertreter in Bernhard von
Tlairvaur, Hugo von St. Victor u, a. bes. aber im
14. Jahrh. in den großen deutschen Mystikern (Meister
xIckhart/ Joh. Tauler von Straßburg, Joh. Ruysbrock, Heinr.
Sufo u. a9, welche das Absterben der Seele für die Welt
und die Geburt und Auferstehung Gottes im Menschen
forderten. Diese M. wirkte auch 3 Luther. Die Schwaͤr⸗
mer sirebten über sie hinaus nach direkten neuen Offen⸗
barungen und verfielen der Phantastik und dem Fanatis⸗
mus.Eine tiefere theosophische M. lebte auf im Gegensatz
zur prot. Orthodorie in Schwenkfeld, Jak, Böhme, artete
aber in Gichtel u. a. wieder aus und bewirkte, daß Mysti—
zismus seit dem 18. Jahrh. für phantastische Spielere
mit überfinnlichen Dingen gebraucht wurde. — Vgl. Görres
(neue Auflage, 5 Bden, 1879 — 80), Preger (1874 — 93),
Du Prel.(1800), Steiner (1901), Langenberg (1802).
Mystisch (grch.), geheimnisvöll, der Mystit (s. d.) hul⸗
Muystizismus, s. Mystik. sdigend.
Myytens, Martin van, Maler, s. Meytens.
oe (gIrch. Mythos), s. Mythus; mythisch, sagenhaft.
Mythen, zwei Voralpengipfel der Sihlgruppe in den
Glarner Alpen (Westalpen), nordöstl. von Schwyz; der
Große M. 1903 mm, der Kleine M. 1815 m hoch.
Muyythenstein, Felsensäule im schweiz. Kanton Uri,
bm nördl. vom Rütli'(s. d.), mit Inschrift auf Schiller.
My⸗tho, Stadt in Kotschinchina, s. Mi⸗tho.
Mythographen (grch.), Schriftsteller des Altertums,
die seit der alexandrinischen Zeit Sagen in Prosa zu—
sammenstellten, auch zu deüten versuchten. Die griech. M.
ihg. von Westermann (1848), neu bearbeitet von Wagner
(1894 fg., die röm. von Staveren (2 Bde. 1742).
Mythologie F3— s. Mythus; mytholsgifch, die
M. Göiterlehre betreffend, sagenkundig.
Mythus (grch. d. h. Erzählung, Überlieferung), im
jetzigen Sprachgebrauch eine Erzählung, deren Mittel—
punkt ein göttliches Wesen ist, dann der in konkreter Er—
zählungsform auftretende religiöse Glaube; daher Mytho—
logie, der Inbegriff aller Erzählungen von Göttern und
göttlichen Wesen, dann die Lehre von den Vorstellungen
der Boöͤlker über ihre Götter. Die Aufgabe der wissen⸗
schaftlichen Mythologie ist die Sammlung, Deutung und
Geschichte der Mythen der einzelnen Völker (s. Deutsche,
Griechische, Nordische, Römische Mythologie und Indische
Religionen). Die verqleichenbe Muthologie sucht die den

238

Nab

»erwandten Völkern gemeinsamen mythischen Elemente zu⸗
ammenzustellen und dadurch ihr Alter und ihre Bedeutung
u erschlieen; ihre Hauptverkreter sind A. Kuhn, Mar
Müller, Mannhardt, E. H. Meyer. J
Mytilene (unrichtig Mitylene), jetzt Mitilini, türk.
Midüllu, Hauptstadt der Infel M. oder Lesbos (s. d.),
ruf, der Osttüste, 85 000 E Handel.
Mutilotoxin (grch), das Muschelgift (s. d.).
Aytilus, . Miesmuscheln.
Myrantöben, s. Mycomycetes.
Myrobakterlen, Gruppe einfachster, teils zu den
Myromyzeten, teils zu den Bakterien geftellter Lebewesen,
ilden Zooglöen, die aus einer n beweglicher Stäb⸗
heubakterien bestehen, welch letztere sich später an bestimm—
en Stellen in kugligen, den —— der Myromp⸗
zeten gleichenden Gebilden sammeln.
Myrödem (grch.), Schleimgeschwulst, stark ödemartige
Shwellung einzelner Hautpartien, bes. im Gesicht, aber
auch am Numpfe, vorwiegend beim weiblichen Geschlecht,
zilt für eine Nervenkrankheit, andere sehen ihren Grund
In Schrumpfen oder Fehlen der Schilddruse; vermutlich auf
Autointorikation zurückzuführen. Heilung durch Schild⸗
»rüsensubstanz. — Bgl. Buschan (1896).
Myrom (grch.), Gallert⸗ oder Schleimgewebsgeschwulst,
gallertartige Geschwulst gus schleimigem Bindegewebe in der
daut, der Schild⸗ und Brufldrüfe. in den Knoͤchen und im
Behirn; gutartig.
Myxomxyostes, Schleimpilze, Pilztiere, den niedersten
Tierformen nahe steheude Pilze, deren vegetativer Körper
eine aus vielen Individuen gebildete schleimige, kriechende
Protoplasmamasse (Plasmodium) ist und meist auf ver⸗
wesenden organischen Substanzen lebt. Aus dem Plas⸗
modium bilden sich die Fruchttörper, welche Sporen und
ein Faserwerk, das Kapitlilinm, enthalten. Aus den
Sporen gehen kleine nackte Amöben (Myramöben) her⸗
vor, welche sich bald zu den erwähnten Plasmodien ver—
einigen. Letztere erreichen oft bedeutende Größe, wie bei
der Lohblüte (Aethalium septieum Fr.), die auf Gerber—
ohe ꝛc. rahmige, gelbe Massen bildet. Parasitisch im Kohl
lebt Plasmodiophora (s. di).
Myzellunt, der Vegelationskörper der Pilze, be—
tehend aus einem den Rährboden dicht durchzichenden
Veflecht spinnwebartiger Schläuche (Hypheu).
M?zäb, Berberstamm, s. Beni Msab. F
Mzchet, Dorf im russ.s kaukas. Gouv. Tiflis, an der
Mündung der Aragwa in die Kura, 800 E,; ehemal.
Residenz der georgischen Könige und des Patriarchen der
zcorgischen Kirche. In der Nähe Ruinen der Stadt Armastis
ind das Gräberfeld von Samtawro.
Mzensk, Kreisstadt im russ. Gouv. Orel, an der
Zuscha. 9390 6

N.

N, der 14. Buchstabe im deutschen Alphabet, Nasallaut.
N. Abkürzung für Noutrum, Nomen, Nominatiyns, Xu
merus (. auch N. N), in der Chemie Zeichen für Stick—
stoff (Nitroren inmn); . im Handel (bes. Buchbandel) —
ae * —35 —
a, chem. Zeichen für Natrium.
Naab dedzehr Nebenfluß der Donau, entsteht aus
der Fichtel R. (vom Ochfenkopf, dichtelgebirge), der Wald—
ind Haide · N., mündet nach 165 xm oberhalb Regensburg
Naas (spt. nehdß. Hauptsadi der irifcsen Crassch. Kis⸗
Naassener, Ephuen dare, 1001) 3886 E
Nab, Nebeufluß der Donau, s. Naab.
Naba, japan. Ort, s. v. w. Mawa (. d.),
Nabatäer, im Allertum arab. Nomadenstamm zwischen
)em Alanitischen Meerbusen und dem Roten Meer.
Nabburg, Berirksfiadt im bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz,
an der Naab, (19005) 2061 E., Amtsͤgericht; Granit⸗, Fluß⸗
pathrüche. Dabei Ruine der Burg Trausnitz.
Nabe, beim Rade das Mittelstück, das die Speichen ver—
einigt und auf der Welle des Rades festsitzt oder sich dreht.

Nabel (Umbilieus), rundliche Vertiefung in der Mittel—
linie des Leibes, die Stelle, wo im Embryozustand durch
die aus einer Vene und zwei Arterien Mabelgefüße) be—
stehende Nabelschnur oder den Nabelstrang (bis 86 o Ig.)
das die Frucht ernährende Blut aus dem Mutterkuchen
eintritt und wieder zurückfließt. Nach der Geburt wird
der Nabelstrang unterhunden, abgeschnitten und vernarbt.
Durch Heraustreten eines Teiles des Darmes aus der
unter dem N. in den Bauchdecken befindlichen Offnung,
dem Nabelring, entsteht ein Nabelbruch.
VNabelschwein, s. Bisamschwein.
Nabis, Tyrann von Sparta, riß 207 vp. Chr. die Ge⸗
walt an sich, ward 108 von Flaminius besiegt, 102 von
itol. Truppen verräterisch ermordet.
Nabob (aus arab. Nawwab, Statthalter, Verwalter
iner Provinz), spöttische Bezeichnung sür jeben, der in
Ostindien reich geworden ist, dann für bes. Reiche überhaupt.
Nabonassar Gabylon. Nabangasir), König von Baby⸗
on, 747 — 788 v. Chr., bekannt durch die von ihm an
gerechnete Ära (s. d.).