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Teilung kamen sie bis zur Schelde an Vothringen und
Deutschland. Infolge des Lehnssystems und Benefizial—
wesens bildeten sich mehrere geistl. und weltliche Herr—
schaften (Geldern, Holland, Utrecht, Flandern, Brabant),
die zu Anfang des 15. Jahrh. an Burgund und mit
diesen 1477 an das Haus Habsburg kamen. Karl v
gewann auch die südl. Landschaften von Frankreich, ver—
einigte alle 17 Provinzen zu dem burgund. Kreife dee
Römrischæ Deutschen Reichs uͤnd überließ sie 1553 seinem
Sohne Philipp II., dessen polit. und religiöfer Druck 1866
einen Aufstand hervorrief. Die Aufstäudischen behaupte⸗
ten sich unter ihrem Oberhaupte, Wilhelm von Oranien,
gegen den grausamen Statthälter Herzog von Alba
(1567- 73) und seinen Nachfolger in Hoiland und Zea—
land; als sich 1578 die südl. (belg.) Provinzen wieder
unterwarfen, gründeten die J nördl. 1581 die Republif
der Vereinigten N., setzten nach der Ermordung ihres
Statthalters, Wilhelm von Oranien (1584), unter seinem
Sohne Moritz (seit 1625 unter dessen Btuder Friedrich
Heinrich) den Krieg gegen Spanien siegreich fort, schlossen
1609 einen 12jährigen Waffenstillstand und erlangten im
Westfäl. Frieden die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit
Die Republik erreichte unter dem Sohne Friedrich Hein—
richs, Wilhelm II. (1647 -60), und dann unter Jaͤn de
Witt (1650-72) die höchste Macht; Industrie, Hande)
(1602 Gründung der Ostind. Kompanie), Schifahrt
Künste und Wissenschaften blühten, ihr Kolonialbesit
dehnte sich weit aus, ihre Flotten erwarben sich unte;
Tromp und de Ruyter in den Kriegen gegen Eugland
(165254 und 1665—67), unsterblichen Ruhm. Auch
gegen Ludwig XIV. von Frankreich blieben die N. 167*
—78 infolge der geschickten Führuuig Wilhelms III. (1672
—1702) ohne Verlust, und im Span. Erbfolgekriege foch—
ten sie glücklich im Bunde mit Englaud. Nach dem Tode
Wilhelms III. trat der Verfall ein, den auch die Aus⸗
rufung von dessen Verwandten, Wilhelm IV., als Erb—
statthalter (174751) nicht aufhalten konnte. Sein Sohr
Wilhelm V. donnte uͤgch dem unglücklichen Kriege gegen
England (178284) seine Macht nur mit Hilfe der 1787
einrückenden Preußen behaupten. 1795 von den Frau—
zosen erobert, wurden die N. 16. Mai 1795 zur Bata
vischen Republik, 5. Juni 1806 zum Königr. Hollaud er⸗
tlärt und 8. Juli 1810 mit Frankreich vereinigt. Durch
den Wiener Kongreß wurden die ehemals österr. (belg.
Provinzen mit den N. zum Königreich der N. unter Wil—
helm J. von Oranien, dem Sohne Wilhelms V. verbun⸗
den, diestm auch für die abgetretenen nassauischen Be—
sitzungen Luxemburg als deutsches Großherzogtum über—⸗
lassen. Der religiöse und nationale Unterschied der Bel—
ier und Holländer führte 25. Aug. 1830 den belg. Auf—
ed und, im Frieden 19. April 1839 die Anerkennung
der Selbständigkeit Belgiens herbei. Wilhelm J. dankt
7. Olt. 1840 ab; Wilhelm II. (1840-49) gab 3. Vov.
1848 ein neues Staatsgrundgeset. Sein Nahfolger Wil—⸗
helm III. (1849— 90) bexief ein liberales Ministerium unter
Thorbecke, der die wichtigsten organischen Gesetze durchführte
und die materielle Lage der N. verbesserte, 1853 infolge der
antikath. Agitation entlassen wurde, nach fortwährenden Mi⸗
nisterwechseln aber 18622566 und 187172 nochmals die
Regierung leitete. Nach Auflösung des Deutschen Bundes
wurde Luxemburg 1867 als neutrales Großherzogtum ir
Personalunion mit den N. verbunden. Ein Krieg mit At⸗
schin auf Sumatra 1873—79 wurde nach schweren Kämpfer
mit der Unterwerfung Atschins beendet. 1878 setzte der
Minister Kappeyne eine liberale Neform des Schulgesetzee
von 1875 durch. 21. Juni 1884 starb Kronprinz Alexander,
der letzte männliche Sprosse des Hauses Oranien. 1887
ward eine vollstäudige Revision der Verfassung vorgenom⸗
men und dabei auch die Thronfolge geordnet. 283. Nov
1890 starb Wilhelm I.; ihm folgte seine Tochter Wilhel⸗
mina unter Vormundschaft ihrer Mutter Emma, in Luxem—
burg Herzog Adolf von Raffau, 17. Rov. 1008 dessen Sohr
Wilhelm. 831. Aug. 1898 uͤbernahm Wilhelmingafelbst die
Regierung und vermählte sich 7. Febr. 1901 mit dem Herzot
Heinrich . d.) zu MeguenburgeSqwerin
Vgl. Venck (in „Kirchhoffs Länderkunde von Europa“,
Bd. 2, 1889), Blink (niederlünd. 1892 u. 1806), Schuiling
(niederländ, 4. Aufl. 1887), Kuyper (niederläud., 1808)
Paldrum sengl., 1899)9, Menne, Die Entwicklung do

Niederlünder zur Nation“ (1903); zur Geschichte die
niederländ. Werke von Bilderdijk (15 Bde., 1838 -63)
Broen van Prinsterer (4. Aufl., 4 Bde, 1875), Arend (Zl.
b, 1849 -83), Bosch-Kemper (1868 und 1873- 82)
Wijune (7. Aufli, 2 Bde., 1886), Blok (Bd. 1-95, I812
—1902; deutsch 1802 fg.); die deutschen bon Leo (2Bde.,
832 35), Wenzelburger (2 Bde. 1879 —86), Zimmer⸗
nann, „Die Kolonialpolitik der Niederlünder“ (1903).
Niederländisch-Borneo, s. Borneo.
Niederländische Kolonien, s. Niederlande.
Niederländische Komödiaunten, s. v. w. Englische
omödiauten (s. d.).
Niederländische Kunst. 1) Die Baukunst lernt man
erst aus dem im 18. Jahrh. aus Frankreich eingeführten
zot. Stil schätzen, da aus der roman. Epoche nur spürliche
Keste erhalten geblieben sind. Die Gotik schuf einerseits
dirchenbauten, die sich bes. durch die Pracht des weit und
erüäumig gestalteten Innern auszeichnen und außergewöhn⸗
ich vielschiffige Anlagen (bis zu 7 Schiffen, z. B.bei der
dathedrale zu Antwerpen) zeigen, andererseits heryvor⸗
ragende Baudenkmale zu städtischen Zwecken, wie die sog.
Zallen G Ypern [Tafel: Gotik II, b], zu Brügge ec.
ind die Rathäuser zu Brüssel, Löwen, Oudengarde Taf.
I„ GI, Leiden ꝛc. Im 16. Jahrh. faßte die Renaissance
auch in den Niederlanden Boden (Rathaus zu Antwerpen)
zꝛes. befleißigten sich die Architekten der Auwendung einer
aumutigen, feinen Frührenaissance, die bei dem landes—
iblichen Backsteinbau sehr beliebt war. Es folgte im
17. Jahrh. die Barockbaukunst (Jesuitenkirchen zu Brüfsel
und Antwerpen [Tafel: Barock und Rokoko J, 3)),
im 18. Jahrh. machten sich franz. Einflüsse geltend, und
m 189. Jahrh. wie auch jetzt sind die verschicdenen Bau—
veisen nebeneinander zur Anwendung gekommen. Her—
»orragende Architekten der Nenzeit: Beyaert, Cuvpers,
Poelgert, Roelandt, Suys u. a.
2) Bildhauerkunst. Steinskulpturen aus der roman.
ind frübgot. Stilperiode sind in Holland kaum mehr,
n Belgien selten anzutreffen; dagegen bestand seit dem
2. Jahrh. in Dinant eine Schule von Metallarbeitern
Dinandiers), deren Meister Lambert Patras war, und
gegen Ende des 14. Jahrh. in Dijon eine Steinmietzen⸗
verkstätte mit Claux Sluter an der Spitze. Im 16. Jahrh.
nachten sich einen Namen Pieter de Beckere, Jongeliner,
im 17. Jahrh. die Brüder Duquesnoy, Artus Quellinus,
H. de Keyser u. a.; ihre Tätigkeit bezog sich in erster
Linie auf größere Grabmonumente, Alläre, Kanzeln c.
Nach der Periode des im 18. Jahrh. bes. in Belgien ge⸗
aflegten Barockstils, wendete sich die Bildhanerkunst des
19. Jahrh. (Geefs, Fraikin, Jehotte u. a.) wieder einer
klassischern Stilrichtung zu. Gegen Ende des 19. Jahrh.
erregten Meunier [Tafel: Genrekunst II, 4. Lambeaur
u. g. durch ihre stark realistischen Bildwerke Aufsehen.
3) In der Malerei leisteten die Niederlinder Vorzüg⸗
liches und Eigenartiges. Schon zu Aufang des 18. Jahrdb.
waren die Tafelmaler von Maastricht berühmt, und gegen
Ende des 14 bildeten die „Schilderer“ zahlreiche Gilden.
Unter den Brüdern Hubert und Jau van Eyck [Tafel:
Madonna, 21], den Vervollkommnern der seitherigen Ol⸗
maltechnik, erblühte im 15. Jahrh. die flandr. Schule,
zu der H. van der Goes, R. van der Weyden, Memling
u. a. gehören; im 16. Jahrh. glänzten Fraäns Floris, L.
van Leiden, Mabuse, Masshs u. a. Im 17. Jahrh. ge⸗
sangte die Historienmalerei einerseits durch Rubens sZa⸗
eln: Christus, 4, und Madonna, 91 und seine Schüler
A. van Dyck und Jat. Jordaens, andererseits durch Reni—
»randt [Tafel: HistorienmalereiJ, 3 zu hoher Voll⸗
endung, und gleichzeitig Fige Genremalexei durch Brou—
wer, die beiden Brueghel, Ostade, Steen, Teniers [Tafel:
Benrekunst J. 11, Wouwermau und die Maler der sog.
Konversationsstücke, wie Dou, P. de Hooch, den Delftschen
van der Meer, Metsu, Mieris, Retscher, Terborch n. a.,
insbes. aber auch die Porträtinalerei durch die großen
Meister Rubens, van Dyck, Rembrandt sTafel: Porträtmalerei
 J, 758] und G. Coques, Hals, B. van der
Helst, Mierevelt u, a. Ebenso hervorragend ist die wir
kungsvolle Behandlung auf dem Gebiete der Landschafts⸗
und Tiermalerei im 17. Jahrh. durch Hobbema, A. vau
der Neer, Ruisdael, van de Velde und Hondecoeter, Potter,
Suyders, Weenix u. a. Auf diese Blütezeit auf alleu