Orb, Stadt im preuß. Neg.⸗Bez. Cassel, an der O.
zur Kinzig), (1905) 3012 E., Amtsgericht, Saline, Heil—
anstalten; his 1866 zu Bayhern.
Orbe. 1) Sberlauf des Flusses Zihl (s. d.) — 2) O.,
deutsch Orbach, Stadt im schweiz. Kanton Waadt, an
der O., (1800) 2080 E. 3544 m hoch.
Orber Reisig, nordöstl. Teil des Spessarts, im Horst
Orbetello, Stadt in der ital. Prop. Grosseto, am Monte
ugentarg in der Lagune Stagno di O., (18001) 7874 E.
rbey (spr. bäh), Dorf im Obexelsaß, s. Urbeis.
Orbigniy n(spr. ünniih), Alcide Dessalines dy franz
Zoolog uͤnd Paläontolog, geb. 6. Sept. 1802 in Coueron
(Loire⸗Inferieure), bereiste 1826 — 34 Südamerika, gest
30. Juni 18857 in Pierrefitte bei St.«Denis als Prof. am
Jardin des plantes in Paris; schrieb: „Voxyage daus
PAmérique meéridionale“ (7 Bde. 1835- 49), „Paléontologis
 frangaise“ (6 Bde., 1840 -60), „Cours élemoentaire
 de palésontologie“ (3 Bde. 1651 -82) 1c.
Orbikular (lat.) kreisförmig, scheibenförmig.
Orbilius Pupillus, Grammatiker in Rom, der ge—
strenge Lehrer des Horaz; daher noch jetzt sprichwörtliche
Bezeichnung eines Schultyrannen.
Orbis (lat.), Kreis; 6. pietus, gemalte Welt, Titel
rines von Comenius 1657 zuerst herausgegebenen, oft auf—
zelegten und nachgeahmten Schulbuchs mit veranschau—
lichenden Bildern. 0. terrärum, Erdkreis.
Orcagna (spr. kannja), Andrea, eigentlich di Ciont
oder Arcagnolo, florent. Maler, Bildhauer und Architekt,
geb. um 18328 in Florenz, gest. wahrscheinlich 1368; Haupt⸗
werke: Freslen (Paradies und Hölle) in der Kapelle
Strozzi von Sta. Maria Novella, Arbeiten am Hallenbau
z»on Or San Michele, das Tabernakel das.
Orchan (Urchan), türk. Sultan, geb. 1279, folgte 1326
einem Vater Osman, eroberte Mysien und Bithynien
iaßte Fuß auf europ. Boden, gest. 1359.
Orchardson (spr. ohrscherdsn), William Quiller, engl
Maler, geb. 1835 in Edinburgh; Szenen aus Shatefpeare
histor. Genrebilder, unter anderm Napoleon J. an Bord deẽs
Bellerophon (London), Der junge Herzog.
Orchester (grch.), der Raum vor der Bühne, im alt⸗
griech. Theater für den Reigen des Chors (orehestra,
„Tanzplatz“ [Cafel: Literatur 1II, 1)), jetzt für die
Musiker bestimmt Tafel: Musik II, 181; dann auch in
Konzerts und Tanzsälen der Ort für die Musik; ferner die
das. zur s n vereinigten Instrumentalisten
— die in einem Tonwerke vereinigten Instrumente
daher Orchestermusik s. v. w. Instrumentalmusik.
Orchestit (gIrch.), Tanzkunst, bes. theatralische.
Drchestral, zur Orchestermusik gehörig, ihr gemäß,
davon begleitet; orchestrieren, für Orchestermusit einrichten,
instrumentieren.
Orchestrion, ein von Fr. Th. Kaufmann in Dresden
1851 erfundenes mechan. Musikwerk, das ein Orchester
von Blasinstrumenten nachahnit.
Orchideen (Orchidazẽen) monokothyledonische Pflanzen⸗
samilie der Gynandren, über die ganze Erdé verbreitet,
meist trop. oder subtrop. Kräuter, teils auf der Erde
(Erd O.), teils auf Bäumen (LuftO.)
wachsend; von den drei Blumenblüttern
ist das eine lippenförmig entwickelt,
Staubgefüße und Griffel sind zum Gyno⸗
stemium (Abb. 1294: a Gynostemium von
Orehis mascula] verwachseu; Pollen-33
 jedes Antherenfachs meist zu einer
ge tielten Pollenmasse (Pollinun; d Pol. 1294. Gynoste⸗
linien von Qrchis mascula) vereinigt; mium und Polli—
pegen der schönen, oft wohlriechenden nium.
Blüten werden bes die der Tropengegenden bei uns in be—
sondern Gewüchshäufern Orchideenhaͤusern) kultiviert. —
bat⸗ Reichenbach Xsnin orepidacca (3 Bde., 1854 -
—V ⏑,———
de αα, Abidungen deer v. ealter
Vüller 800; Kultur . Bedien (1o00 Binclein Goon
Orchideenöl, Dlang ·Ylang⸗ Ol, aus den Bluͤten pon
Cananga odorata HMoor. (daher, auch Kanangaöl) au'
Manila destilliertes ätherisches Ssß in der Parfümerie henutzt
—————— Orseille.
ronis L., Knabenkraut, Pflanzengattg. der Orchideen,
verennierende, schön blühende Anne e Ir ——

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Ord

dZone, mit zwei kugligen oder handförmigen, stürkereichen
anollen (Tafel: Boͤtanik LS], welche den Salep liefern,
B. die von O. masouia T. linaris L., morio L.
Orchitis (grch.), Hodenentzündung (s. Hoden).
Orchomenvs, uͤralte griech Staddin Boͤatien, Haupt⸗
ort der Minyer, an der Nordwestseite des Sees Kopais,
367 v. von Theben zerstört. Reste des berühmten
Schatzhaufes des Minyas dei dem jetzigen Dorfe Skripu
Bgal. Schliemann (1881).
Ordalien (mittellat, vom angelsächs. oxdal, Urteil“)
Gottesurteile.
Orden, jeder Verein zu einem durch gewisse Negeln oder
Ordnungen (ordines) beftimmten Imette Die geistl. O.
ind vom Papst bestätigte dauernde Verbindungen männlicher
Ordensbrüder, Mönche) oder weiblicher Ordeunsschwestern,
donnen) Personen (Ordensleute) zu einem unter einer
emeinschaftlichen Regel (Ordensregel) geregelten, nach
hristl. Voiltommenheit strebenden Leben unter den drei
Belübden (s. Klostergelübde) der Armut, Keuschheit und
des Gehorsams in Kloͤstern s. d.), mit Führung ciner be—
stimmten Tracht Ordenstracht, bei festlichen Gelegen⸗
heiten: Chorkleid) Die eigentlichen O. mit feierlichen,
auf Lebenszeit abgelegten Geluͤbden sind, zu unterscheiden
von den Bruderschaften (sf. d), die ohne Gelübde kirchlichen
und wohltätigen Zwecken dienen, und den Kongregationen.
nit einfachen (lebenslänglichen oder jährlich erneuerten)
Belübden. Ihrem Zwegde nach sind die O. zum Teil
'ontemplative, die in arien Leben die Frömmig⸗
teit pflegen (so bes. die vrient. Mönche), oder aktive, die
den Werken der Nächstenliebe, Seelsoͤrge, Krankenpflege,
Mission und des Unterrichts dienen. Das im Orient im
1. Jahrh. im Gegenfatz du der Verweltlichung der Kirche
entstandene Mönchtum ist dort durch die noch jetzt geltende
Negel des Basilius, im Abendlande durch Beneditt bon Nursia
organisiert worden. Hier waren die Benedittiner lange Zeit
der einzige Mönchs-⸗O., nur daß sich seit dem 10. Jahrh.
besondere Kongregationen, größere Komplerxe von Benue—
diktinerklöstern, abzweigten, des die Kluniazenser, die das
mönchische Ideal auch dem Leben des Klerus einpflanzen
wollten. Der Regel Benedikts schlossen sich auch die unter
eigenen Obern stehenden Ordensgemeinschaften der Ka⸗
maldulenser, Kartäuser, Zisterzienser, Trappisten u. a. an.
Das große Ansehen der moͤnchischen Heiligkeit im Volke ver⸗
anlaßte (schon im 8. Jahrh. Chrodegang) die Kongregationen
»on Weltgeistlichen zu mönchsartigem Zusammenleben nach
der Regel Augustins (Regulierte Chorherren), der augeie
Prämonstratenser, Augustiner⸗Eremiten, Alerianer, er⸗
ziten u. a. folgten. Von einschneidender Bedeutung ist die
Bründung der Bettel⸗O. Anfang des 18. Jahrh., der
Franzislaner und Dominikaner, die das mönchische Ideal ins
Voll trugen. Seitdem hielt die aunn mit der Bestätigung
neuer Qzurück; erst nach der Reformation entfianven
meist zur Bekämpfung der Ketzerei, neue O., vor allem
die Jesuiten, ferner die Theatiner, Barnabiten, Oratoria
ner, Lazaristen, Barmherzigen Bruͤder und Schwefsern u.
Den Möonchs-O. schossen sich als „zweiter S. Ronnen-D.
 an, 3. B. die Benedittinerinnen, Dominikanerinnen,
zum Teil mit eigenen Namen, z. B. Hlarissinnen Anun⸗
ziaten, Englische Schwestern; selten bestanden sie unab⸗
hüugig von Mönchs-⸗O., z. B. die Ursulinerinnen. Als
„dritter O.“ Certiarier) neben dem männlichen und dem
—R8 Zweige schlossen sich, zuerst von Franz von Assisi
organisiert, den O. Laien an, welche g Vermögen und
hren Einfluß in deren Dienst stellten, aber in ihren häus⸗
lichen und bürgerlichen Verhältnissen blieben. Sei ben
Bettels O. stehen die meisten O. in unmitteibarem Be
zültnis zum Papfttum und sind mit ihrer monarchisch⸗mili⸗
är. Verfassung dessen festeste Stützen, bes. der Jesutlen⸗O.
An der Spitze eines O. steht der General, der nur dem
Papst verantwortlich ist; über den Klöstern einer Provinz
der Provinzial; diese bilden unter Vorsit des Generals das
Veneralkapitel und führen als Generalvikart den Vorsiztz in
den Provinzialkapiteln (der Versammlung der Klosteraͤbte
yder Klosterprioren einer Provinz). Die RomnenS haben
ihnliche Verfassung, bedürfen aber eines Propstes, det mit
rinen Kaplänen das geistl. Amt bei ihnen verwaltet.
Bal. Heimbucher, „Die O. und Kongregationen der tath.
dirche“ (2 Bde. 1886);: Zöckler, Azest und Mönchtum“
2 Bde. 18975