Pasquill, I öffentliche Ehrverletzung oder
Berleumdung in Schrift, Druͤck, Bild ec. ohne Bezeichnung
des Urhebers (Pasquistanten).) Der Name stammt von
einem spottlustigen Schuhflicker Pasquino in Rom (An⸗—
fang des 16. Jahrh.) und einer nach ihm benannten Bild—
säule, an die das Volk witzige Einfälle und Satiren (Pas—
quinãden) zu heften pflegte. Die Erwiderungen darauf wur—
den am Marforio (s. d.) angeheftet.
Pasquillschloß, f. Baͤslüle nebst Abb. 177.
Paßz Efrz. passeport), eine von Polizeibehörden aus—
gefertigte Reifelegitimation. Das Gesetz vom 12. Oktt.
1867 hat für Deutschland den Paßzwang beseitigt; doch
bedient man sich gern zur Legitimation der für je ein
Jahr ausgestellten Paßkarten. (S. auch Zwangspaß.)
Paß (vom lat. passus, Schritt), eine enge, schwer zu
passierende Terrainstelle; Gebirgspässe, die gangbaren, mit
Fahr-, Saum- oder Fußwegen versehenen, Einsattlungen
der Gebirge; Engpässe, die zwischen Gebirgen, Felsen
und Hohlwegen eingeschnittenen Wegstrecken. Tafel: Kar—
tographie TI, 2 ünd Alpenländer II, I.)]
Paß, Gangart des Pferdes, die darin besteht, daß es
(wie das Kamel) beide Füße einer Seite zugleich hebt.
Paß, im got. Maßwerk der zwischen den Rasen befind—
liche Kreisbogen oder die den Nasenschwung tangierenden
geraden Seiten, z. B. Dreipaß (s. d. nebst Abb. 451),
Passabel (frz), erträglich, leidlich. Vierpaß ꝛc.
Passade (ftz), Bewegung vorwärts beim Fechten; in
der Reitkunst Verbindung eines kurzen Galopps mit einer
Kurzkehrtwendung.
Pafssage (frz., spr. -ahsche), Durchfahrt, Durchgang;
in der Musik eine schnelle Figur von längerer oder kür—
zerex Ausdehnung.
Passageninstrument, Durchgangsinstrument, Mit⸗
tagsrohr, ein um eine Ostwestachfe in der Meridianebene
sich drehendes Fernrohr zur Beobachtung der Durchgüänge
Wassagen) der Sterne durch den Meridian; zu dem Zwecke
sind in der Brennebene eine Anzahl von vertikalen Spinn—
fäden aufgefpannt, an denen man die Durchgünge entweder
direkt nach einer uhr beobachtet (Aug- und Ohrmethode)
oder mit Hilfe von Registrierapparalen. Das P. dient
zut Bestimmung der Rektaszension der Sterne und zu Zeit—
hestimmungen. Ist das P noch mit einem fein geteilten
Bextikaltraͤfe versehen, so heißt es Meridiankreis.
Passagier (sprischihr, bom frz. passager), ein Reisen⸗
der, Fahrgast.
Passagieren (frz., spr. Ichi.), s. Spauischer Tritt.
Passah (hebt. pebach, Vorübergehen'“), ein Haupt—
best der Juden, zur Erinnerung an die Verschonung vom
Würgengel (2 Ros. 12, 23) und an den Auszug aus
Agypten Es wird am 14. Nifan, d. h. am ersten Voll⸗
mond des Frühlings gefeiert durch ein abendliches Fa—
milienmahl, bestehend aus einem im Tempel geschlachteten
Lamm, ungesäuertem Brot und bittern Kräutern, seit
Aufhöten des Opferdienstes nur aus den beiden letztern.
Das P. ist zugleich der Beginn des siebentägigen Festes
der füßen Vrote; ursprünglich wohl ein Fest zur Dar—
bringung der Fruhjahrserstgeburten und Erftlingsfrüchte.
Passaie (spr. Felk). 1) Fluß im nordamerik. Staate
Neujersen muͤndet nach 160 xm bei Newark in die Newark⸗
hai. — S SEiadt im' Staate Neujerfey, am P. (18900)
Pafssaut, s. Antilopen. 27777
Vassant Efrz), Durchreisender.
Paßfanten frz.), die Epaulettenhalte.
Pafsarge, Fluß im preuß. Rege-Bez. Königsberg,
nündet nach 120 KRma in das Frische Haff.
Passarge, Ludw. ESchriftsteller, geb, 6. Aug. 1825
in Wolittuck (Ostpreußen), 1879 Oberlandesgerichtsrat
in Königsberg i. Pr., 1887 pensioniert, verfaßte zahlreiche
Reiseschriften („Soinmerfahrten in Norwegen“ u. a.),
„Balt. Novellen (1884), Gedichte (1805), „Ein ost—
—
Pafsfaro, ital. Felseninsel, Passero.
Paffate, Passatwinde, die in der heißen Zone, bes. auf
den Ozeanen, Tag für Tag aus faft unverauderlicher
Richtung wehenden ösil. Winde; ihre Richtung ist im all—
gemeinen zwischen 107 und 30 n. B. Notdost, zwischen 0
und 257 s. B. Südost, dazwischen liegt der Kalmengürtel
V. d. I in den Osthalften der Dzeane aus mehr polarer, in
deren Westhülften bef. im Sommar) aus mehr oͤstl Richtung

36

VPas

Passau, unmittelbare und Bezirksstadt im bayr. Reg.—
zez. Niederbayern, an der Mündung des Inns und der
Iz in die Donau, (1900) 18008 (1905: 18 734) E.,
varnison, Land-, Amtsgericht, Handels- und Gewerbe⸗,
zaudwerkskammer, Doni (im 17. Jahrh. — Bi⸗
chofssitz, Gymnasium, Kreisreal-, Kreiswebschule, bischöfl.
knabenseminar; Leder-, Papier-, Porzellan⸗, Parkettfuß⸗
jödenfabrikation ꝛc.; dabei die Aend Festung Oberhaus
jetzt Militärstrafanstalt) und allfahrtskirche Mariahilf.
dier 1552 der Passauer Vertrag (s. d). Das Bislum
B.738 entstanden, wurde 1803 saͤkulatisiert. Geschichte
»on Erhard (2 Bde., 1862 64)
Passauer Tiegel, s. Graphittiegel.
Passauer Vertrag, 15. Juli 1562 zwischen Kaiser
darl y. und Kurfürst Moritz von Sachfen nebst seinen Ver⸗
ündeten geschlossen, befreite die gefangenen prot. Fuͤrsten.
Val. Barge (1893).
Paßavant (frz., spr. wäng), Passierschein.
Passavant (pr. wang), Joh. Dav., Kunstschriftsteller
ind Künstler, geb. 18. Sept. 1787 zu Frankfurt a Ma,
jest. das. 12. . 1861 als Inspektor der Städelschen
Salerie; schrieb:“,„Raffael von Urbino“ (3 Bde., 1839
58),Le peintre-graveur“ (6 Bde., 1860 - 64) u. a.
Passe Errz.), in der Fechtkunst s. v. w. Ausfall.
Pafseier (Passeyr), Alpental in Südtirol, von der
basser durchströõmt, mündet bei Meran ins Etschtal; Haupt⸗
yrt Saukt Leouhard in P., (1890) 150506, als Gemeinde
078 E. P. ist die Heimat Andrtas Hofers.
Passementen (fcz.), Posamentieracbeiten.
Pafsen (rz.), ein Kärtenspiel vorüber gehen lassen, es
blehnen.
Passenheim, Stadt im preuß. Neg.-Bez. Allenstein,
im Kalbensee, (1905) 2085 E. Amtsgericht.
Banehor qu Uurz., spr. paßparöll), militär. Befehl,
der von Mund zu Mund weiter gegeben wird.
Passepartout Erz., spr. paßpartuh), Hauptschlüssel;
in der Gravierkunst Rahmen, Einsassung zum Hineinfetzen
iner beliebigen Figur; ein zu allen Vorstellungen eines
Theaters ꝛc. gültiges Freibillett (Partoutbillett)
Passepoil (frz., spr. paßpöall), Paspel, andersfarbiger
Korstoß an der Uniform, schmaler Streifen am Lleide ꝛc.
Pafseport Erz. spr. paßpohr), Paß, Geleitsschein.
affer, Fluß im Alpental Passeier (.d.).
Paffero (Passaro), kleine Felsinsel an der Südostspitze
»on Sizilien, mit Fort; hier 11. Aug. 1718 Sieg des
ingl. Admirals Byng über die span. Flgtte. (mweil.
Passetemps (rz.e, spr. paßtang), Zeitvertreib, Kurz⸗
pafsevolant (frz, spr. paßwolaäng), blinder (nur in
Listen geführter) Soldat, blinder Vassagier ꝛc.
Paßgäuger, Pferde, die im Vaß (s. d) gehen.
ßaßglas, hohes Glas mit Ringen (Rässen); auch
a Glas zur Prüfung der Linsen nach dem Polieren.
Pafsichtdrehen, s. VPassigdrehe.
paffieren (frz.), vorbeis, durchreisen; überschreiten;
ich ercignen; ertraͤglich sein; in der Kochtunst: mit Fett
chwitzen lassen, Flͤssigkeiten durch ein Sieb gießen ac.
Passiergewicht, das Gewicht, welches eine durch den
Amlauf abgenutzte Münze wenigstens haben muß, um im
Berkehr noch als gesetzliches Zahlungsmittel zu gelten; bei
— Normal⸗
Dassigora, s. Passionsblume. gewicht.
Passiflorazeen, Pflanzenfamilie der Passisiorinen,
gäume vder Sträucher, häufig kletternd, mit großen Blüten.
Passiflorrnen, Pflanzenordnung der Choripetalen;
ie umfaßt die Passiflorazeen, Turuerazeen, Loasazeen,
Datiskazeen, Begonigzeen.
Passigdrehen (Passichtdrehen, Bassigdrehen), die Her⸗
tellung obaler und anderer nicht kreisrunder Formen nut—
els besonderer Vorrichtung auß. der Drehbank (Pajssig⸗
»rehbbank), wobei entweder das Werkzeug oder das Werttück
 außer, der Drehung eine radiale eetene erhält.
Passini, Ludwig. Aquarellmaler, geb. 8. Juh 1832 in
Wien, Mitglied der Berliner Akademie, gest. 6G. Nov 1908
n Benedig; Szenen aus dem italienischen, bes. venet. Volts
eben: Chorherren in der Peterskirche (Berlin), Kuͤrbis—
verkäufer (Wien), Nengierige auf einer Bruͤcke (Breslau) una.
Pasfion (lat, passlo, das Leiden), auch s. v. w. Lei⸗
enschaft, Licbhaberei; in der Kirchensprache insbes. das
Ldeiden und Sterben Christi. Die Pafstonsgeschichte nach