der Hygiene in München, 1896 Generalkonservator der
wissenschaftlichen Sammluugen des bayr. Staates; gest
10. Febr. 1901 in München durch Selbstmord. Begründer
der experimentellen — bes. verdient durch seine Ar—
beiten über die Verbrestungsart der Cholera und des Ab—
dominaltyphus, ůber Ventilation und Desinfektion, über
Stoffwechsel und Respiration, über den Einfluß von Boden⸗
beschaffenheit und Grundwasser, sowie durch sein Regene—
rationsverfahren für Olbilder, schrieb: „Untersuchungen über
die Verbreitungsart der Cholera“ (1835), „Populãre Vor—⸗
träge (3. Aufl. 1877), „Die atmosphärische Luft in Wohnge—
bauden“ (1858), „Eholeraregulativ“ (mit Griesinger und
Wunderlich, 2. Aufl. 1867) und viele andere Werke über Cho—
lera „Beziehungen der Luft zu Kleidung, Wohnung und
Boden“ (4. Aufl. 1877); gab mit Ziemssen das Handbuch
der Hygiene“ (jeit 1882), mit Buhl und Voit die „Zeit⸗
schrift Biologie“ (seit 1864) heraus. — Vgl. Rubner
I901), Eismann (1901), von Voit (1902).
VPettigrew (sypr. gru), James Bell, engl. Physiolog
geb. 26. Mai 1834 zu Rorhill (Lanarkshire), Prof. ar
der Universität von St. Andrews; schrieb: „Die Ortsdewegung
 der Tiere“ (1873; deutsch 1875) u. a.
Potto (ital.), Brust; etwas in petto haben, etwas im
Sinne haben. Mutwille, Neckerei, Ausgelassenheit
Petulant (lat.), mutwillig, ausgelassen; Petulanz
Pe⸗tu⸗na, Stadt in der chines.⸗mandschur. Provp. Kirin,
im schiffbaren obern Sungari, ca. 60 000 E.
Petunie Juss., Petunte, Pflanzengattg. der Solana⸗
een, südamerik. Kräuter mit großen Blüten; in zahlreicher
Varieküten, namentlich von . grandiöra Hort, 3. B
D. hyhrida grandiflöra fibriata, Zierpflanzen.
Petzval, Josef, Mathematiker und Physiker, geb. 6. Jan
1807 in Szjepesbela (Zipser Komitat), 1835—87 Prof. ir
Budapest, 1837277 in Wien, gest. das. 17. Sept. 1891
bereicherte die Wellenlehre durch das Gesetz von der Erhal⸗
tung der Schwingungsdauer, die Akustik durch die Theorie
der Tonsysteme und die Ballistik durch theoretische Grund⸗
lagen, erfand das Porträtobjektiv (1840; s. Photographische
Obiektive nebst Abb. 1885 b), ein Projektionsobjektipv (1847)
und ein Landschaftsobjektiv (18536), schrieb; „Die Integra—
tion der linearen ein weenn, (2 Bde., 1853 u
1859). — Biogr. von Ermenyi (2. Aufl. 1903).
Eou à pou (jrz., spr. pö a pö), nach und nach.
ZEouoedänum, Haarstrang, Pflanzengattg. der Um⸗
belliferen, ausdauernde Kräuter imit siederförmig der—
teilten Blättern, nördl. Halbkugel; P. offlcinale L
GSanfenchet, Rohkümmel), auf Waldwiesen, mit gelben
Blüten; P. bervaria (GHirschwurz), in Bergwäldern, P.
oreoselinum L. Gergpeterfilie, Bergeppich, Grundheil)
und P. imperatorta Operatorte oetruthtum T,
Meisterwurz), mit weißen Blüten. Die Wurzeln der Meister⸗
wurz dienen als verdauungbeförderndes Heilmittel.
Peucer, Kaspar, Gelehrter, geb. 6. Jan. 1525 zu
Bautzen, 1560 Prof. der Medizin zu Wittenberg, Melanch—
thons Schwiegersohn, 1674 ã86 als Kryptocalvinist ein⸗
gekerkert, geste 26 Sept. 1602 als fürstl. Leibarzt zu
dessau. — Vgl. Henke (1865).
Peucker, Eduard von, preuß. General, geb. 18. Jan.
1791 zu Schmiedeberg in Schlesien, 1848 Reichskriegs⸗
minister, befehligte das Bundeskorps im bad. Aufftande,
1854 -72 Geueralinfpektor des preuß. Militeciehnnge
wesens, gest. 10. Febr. 1876 zu Berlin, schriebe Voat
)eutsche Kriegswesen der Urzeit“ (1860 —64).
Peurbach Georg, s. Purbach.
Peutinger, Konrad, Altertumsforscher, geb. 15. Okt.
63 zu Augsbuͤrg, Stadtschreiber daf, gest, 28. Dez. 1547
Lesiter der „Tabula Pentingeriäna“ (jetzt in der kaiserl.
Biblͤothek zu Wien), einer Karte mit den Militärstraßen
)es Weström. Reichs (hg. von Miller, 1888).
Pewter (engl, sur viut'r), f.d. w. Hattmetall (s. d.)
Peyersche Srüfen, die nach dem Anatomen Joh.
donras Peyer sgeb. 26. Dez 16083, gest. 20. Febr Tie
in Schaffhausen) benannten Anhaufumgen von Drüsen⸗
olikeln um Daim; sie schwellen bei Darmkatarrhen und
sind beim Typhus Sitz der sog. Typhusgeschwüre.
Peytral spr. petral), Paͤul Louis, radikaler franz
Politiler, gebe 20 FJan I64 in Marseille, 1888 89
und 1803 Finanzminister, 1894 Senator, 1805 Vije—
dräsident des Seuats. 180399 wieder Finanzmtnifier.

389

Pfa
Péẽzenas (spr. seuaß), Stadt im franz. Dep. He—
ault, am Herault, (1801) 70783 E.
Pezaza L Becherpilz, Pilzgattg. der Diskomyzeten, mit
echers vder schüsselförmigen Fruchttdrpern P. Iu ordsn
Abb. 1367 aJ. B. vesienidsa Pers. fj und
. oon vexula r sind größere (mehrere
entimeter große) Arten und wachsen auf der
irde; kleine Arten schmarotzen auf und in
indern Pflanzen: P. ciborioides M. verur
acht den Kleekrebs, P. MIIIXommü R. VWa—
ig den Lärchenkrebs, P. Sclorotiorum Lib.
chmarotzt im Raps, P. Kauffmanmianes
Veh. bewirkt den Hanftrebs. [volo. 1367. Becher⸗
Pezza, Michele, Brigant, s. Fra Dia⸗ pilze.
d. . Zpour xuciter Exz.) um Glůck zu wünschen.
— „ früher Pfeffers, Bad im schweizg. Kanton
Sankt Gallen, unweit Ragatz, in einer tiefen Schlucht der
vilden Tamina, mit warmen, in der Pfäferser Schlucht zu⸗
age tretenden indifferenten Heilquellen (37 0.), seit 1812
m Gebrauch; ein Teil des Wassers wird nach Ragatz (f. d.)
zeleitet. Dabei Dorf P., (1800) 1510 E., und die Irren
instalt St. Pirminsberg in der ehemal. Benedittinerabtei P.
Pfaff, Christoph Dansa prot. Theolog, geb. 26.
Dez. 1686 zu Stuttgart, seit 1717 Prof. in Tuͤbingen,
1756 Kanzler und Generalsuperintendent in Gießen, gest.
daf. 19. Rov. 1760; als Dogmatiker (Inetitutiones
meologiae“, 1719) zwischen der altprot. Orthodorie
ind dem Pietismus stehend im Kirchenrecht neben Pufen⸗
)orf, Hauptvertreter des Kollegialfüftems, befürwortete
die Union zwischen Lutheranern und Reformierten.
Pfaff, Leopold, österr. Jurist, geb. 12. Rop. 1837
u Hexmannstadt, seit 1872 Prof. in Wien, schrieb (mit
. Hofmann) „Kommentar zum Osterr. allgemeinen bürgerl.
Zesetzbuche“ 8 Bde. 1877 — 87), gibl mit Hofmann
Arndts Lehrbuch der Pandekten“ seit der 10. Auftheraus.
Pfaffe (vom griech. pappas, Vater), ursprünglich Ehren⸗
name jedes kath. Geistlichen, jetzt nieist im verächtlichen
Sinne gebraucht. — P. vom Kahlenberg, s. Kahlenbetg.
Pfaffengafsse, früher Bezeichnung fuͤr den Landstrich
ängs des Rheins mit den 8 Bistümern Chur, Konstanz,
A Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Köln.
Pfaffenhosen, Bezirksstadt im bayr. Reg.⸗Bez. Oher⸗
ayern, an der Ilm, (1905) 3300 E., Amtsgericht; hier
15. April 1745 Sieg der Hsterreicher über die Franzosen
ind Bayern und 19. April 1809 Sieg der Franzosen unter
Zudinot über die Österreicher.
Pfaffenhũtchen, die Früchte von Rvonymus (s. d.).
Pfaßßenlaus, s. Barsch.
pᷣfaffenröhrlein, Pflanzenart, s. Taraxacum.
Pfäffers, schweiz. Dorf, . Pfäfers.
Bfäffikon, Dorf im 53 Kauton Zürich, am Pfäf⸗
iter Sce (mit Pfahlbauten), (10900) 20866.
Pfahl, in der Wappenkunde der mittlere Teil eines
n drei senkrechte Streifen geteilten Schildes, von anderer
kinktur als die zwei übrigen [Tafel: Wappenkunde
„61; Gegensatz: Balken.
e auf Pfählen errichtete Menschenwoh⸗
iungen [Tafel;: Urzeit 1, 2] in Seen, Sümpfen, Torf⸗
nooren und Flußbetten, mit dem Land durch Brücken ver—
punden; in ihren Überresten zuerst 1833/54 von Ferd. Keller
nn Zürich erkannt, seitdem in ganz Europa Iahgewiesen,
noch heute in Hinterindien, auf Neuguinea, den Nikobaren:c.
»orhanden. Die Bewohner der europ. P. gehoͤrten der
Stein⸗, der Bronze- und Eisenzeit an, trieben Viehzucht
ind Ackerbau und kannten verschiedene Gewerbe. — Val.
Munro (engl., 1890), Tröltsch 802).
Pfahlbürger, im Mittelalter die Bewohner des
latten Landes mit Bürgerrecht in einer Stadt; auch die
Boxstädter, im Gegensat zu den Spießbürgerne(f. dy.
Pfahlgraben, Limes die namentlich in Suüddeutsch⸗
and noch jetzt in ausgedehnten Resten erhaltenen Anlagen
der Römer zum Grenzschutz ihrer rechtsrhein. Besitzungen
auf deutschem Boden. Die große Anlage ist von Domntian
 begonnen, von den folgenden Kaisern, namentlich
Trajan im 2. Jahrh. v. Chr. vollendet worden. Er dedt
den einspringenden Winkel des Oberlaufs der beiden
Brenzströme Rhein und Donau in einer Ausdehnung von
542,8 xI von Rheinbrohl bis Kehlheim und zerfuͤnt in den
wergermanischen und rhätischen Limes (Teufelsmauer);