Pol

30

Pollio, Gajus Asinius, röm. Redner und Schrift⸗
steller, geb. 765 v. Chr., Anhänger Cäsars, 40 v. Chr. Kon—
ful, e 6n. Chr.; von seinen Schriften nur Bruchstücke
borhanden. — Bgl. Jacob (1852), Aulard (lat., 1877),
ornemann (1897).
Polluow, Stadt im preuß. Reg.-Bez. Cöslin, an
der Grabow, (1805) 2521 E., Änitsgericht.
Pollokshaws (spr.schahs), Stadt in der schott. Grafsch.
Reufrew, Vorort von Glasgow, (1901) 11169 E.
Foli-tax (spr. pohl täcks), in England die für die
Parlamentswahlen aufgestellten Wahlregister und der
Wahlakt selbst.
Pollutisn (lat.), unwillkürlicher, mit üppigen Empfin—
dungen verbundener Samenerguß; nicht nachteilig, wenn
sie bei enthaltsamen Männern alle zwei Wochen oder seltener
des Nachts im Schlafe eintritt; andernfalls Behandlung
durch nüchterne Lebensweise, kalte Waschungen, Eutlecrung
von Darm und Blase vor dem Schlafeugehen. — Vgl. Don⸗
Pollur, Stern, s. Zwillinge. luer (1898)
Pollux (grch. Polydenkes), s. Dioskuren.
Polna, Stadt in Böhmeu, (1900) 5013 E.
Polnische Legion, die 1796 zu Mailand aus Polen
exrichtete Truppe. Eine andere P. L. nahm 1884 am
Orientkriege teil. 1870 befand sich eine P. L. in der
Vogesenarmee Garibaldis.
Polnische Literatur. Die älteste Literatur in
Polen, war lateinisch: die Chronisten Gallus, Kadkubek,
Dlugosz, das Statut von Wislica, die Dichter Kallimach,
Janicius u. a. Die ältesten Denkmäler in poln. Sprache
(zum Teil schon aus deni 14. Jahrh.) sind Predigten, ein
Psalter, religiöse Lieder, bes. ein Marienlied, das als
Schlachtlied gesungen wurde, Gebetbücher, Legenden, histor.
Lieder. Infolge der Reformation entstanden poln. UÜber—
etzungen der Heiligen Schrift (N. T. 1551, Calvinische
Bibel 1563, antitrinitarische 13573), Postillen, Kirchen⸗—
lieder, polemische Schriften. Zur Abwehr mußte der Katho—
lizismus zu demselben Mittel greifen (kath. Übersetzung
1561, die von Wujek 1589), Predigten von Skarga,
Traktate von Kromer, Hosius u. a. Gleichzeitig entstand
eine nationale Literatur durch die Dichter Nes, Kocha—
nowsti, Klonowicz, Grochowsti u. a., in Prosa Ge—
schichtswerke von Bjelsti, Gornicki, Strykowski, Paprocki
viel wurde lateinisch geschrieben. Im 17. Jahrh. wurde
die Reformation unterdrückt und die Jesuitenschulen
wurden herrschend; die literar. Produktion versiegte all—
mählich. Im Sinne Kochanowstis dichteten noch Miaskow—
jti, Stymonowicz; dann wirkten Marini, Tasso ein: die
erotischen Lyriker Hieronymus und Andreas Morsztyn, die
Epiker Kochowsti, Twardowski, Potocki, Lubomirsti, Gaw—
towicki u. a. In neulat. Poesie glänzt Sarbicvius. Die
Historiker: Kochowsti, Kojalowicz, Wegiersti; die Me—
moiren Paseks. Die Prosa wimmelt von lat. Brocken
(makkaronischer Stil), in der Poesie überwiegt die pane—
zyrische Dichtung. Dieser Charakter ging ins 18. Jahrh
uͤber und begann sich erst zu ändern durch die Schul—
ceform der Piaristen, Anlage von Bibliotheken, Aufhebung
des Jesuitenordens. In der Literatur begann man den
aepud zu verlassen: die Dichter Naruszewicz, Krasicki,
Trembecki, Wegierski, Kniaznin, Karpinsti; die Drama—
tiker Bohomolec, Zablkocki, Bogufkawstki; die polit. Schrift⸗
steller Konarski, Staszyc, Kollontaj.
Der polit. Untergang Polens hielt die literar. Ent—
vicklung nicht auf; zunkichst wirkten noch in pfeudoklassi—
scher Richtung: der üsthetiker Osiüsti, die Dramatiker
Feliüsti, Kropinsti, der Dichter Woronicz; mit der neuen
Nichtung vermittelten Brodzinsti, Kozmian. In Wilna
wirkten die beiden —28 Groddeck u. a. Die neue
Richtung, gefördert durch den Einfluß Byrons, Goethes ꝛc.,
brachten zum Siege Mickiewicz neben Malczewski, Gosz⸗
zyuski, Zalewsti u.a., und die poln. Poesic erlangte ihren
Hoͤhepunkt in der Emigration, in den drei großen Vich—
—D
blaßte die Tätigkeit in der Heinmat: Bielowsti, Siemien⸗
ski, Morawsti, Korsak u. a., und nach ihnen tritt der
Einfluß der Poesie überhaupt zurück. Ihre Vertreter seit
den sechziger Jahren sind! Zalesti, Pol, Shrokomla, Ujejsti
Lenartowicz, Deotyma u. a., in neuester Zeit Asnyk,
Konopnicka, Tetmaier, Kasprowicz; Dramatiter: Korze—
niowski, Makecki, Szuisti, Swietochowski, Rapacki, Przy—

vszewsti, Zapolsta u. a. in Komödie und Posse- Fredro
Vater und Eohn), Babucti, Rarzymsti, Bliziusti u.«
zin Roman und, Novellen entwickelte eine —
—
Rzewusti Czaitowfti, Kacztowsti, Milkowsli u. a.
euerer Zeit Zachariasiewicz, Balucki, Prus, Gowal ewic
und besonders Sienkiewicz und Orz cztowa. Humeri nen .
am, Wilczyusti. Eine tuttische d bega
mit Raruszewicz, Lelewel, Bielowsti, Szajnccha ue
Narbutt, siie vwurden derboüstündigt durch Susti, Bobr
hüsti, Jarochowsti u. a. Memoiren und ——
Arbeiien von Krafzewski, Malecki, Spasowicz, ——
Thmielowsti u. a. Philosophen: Goluchowsti, Lie
Tretowsti, Struve, Ochorowicz, Mahrburg. Die Volls⸗
voesie, beschruntt auf Lyrik (Krakowiaken, Balladen
st gefammeit von Wackaw z Olesta, Pauli, Roger,
insti; Märchen von Glinsti; Rätsel und gprichwone
on Wojcicti Darowsti; Gebräuche, Sitten, Aberglau —
on Golebiowsti. Alle Zweige vereint bei Kolberg („ILud,
ego εννe, mα uc., 20 Bde., 1867-92). d
Literaturgeschichte von Spasowicz (deutsch in Pypin —
Spasobit Gefchichte der flaw. dileraturen“, 2 Bde., 18
84), Lipuicki (1873), Nitschmann (1883), Tarnows
polni., 5 Bde., 1800), Brückner (1901). bz⸗
Polnischer Bock, JBog, polmjcher; als Blas—
ustrument eine Art des Dudelsacks. der
Polnische Sprache, Glied der westl. Gruppe
law, Sprachenfamilie, gesprochen auf dem Gebiete isgen
en Limen Grodno-Bielostok-⸗Brest⸗galiz Grenze-Fluß *
innerhalb Galiziens)⸗Südgreuze von Westgalizsen⸗gat
or ⸗Birnbaum⸗ Bromberg⸗ Graudenz⸗ Suwaltki, mit Au ß
iegung in Westpreußen bis zur Ostfee (s. Kassuben), 35
älit in den großpoln., den masurischen (Masowien, südl.
— und den shles. Dialett Wasserpolatisch)
vrammatik: Poplinski (8. Aufl. 1901; Elementarhuch
9. Aufl. 1905), Soerensen (2 Tle. 1900), Woͤrterbüche
n dinde (e Auft I, VoocheLirkossheß Aufi 1806),
BSiownix jezyka polskiego““ (hg. von Karlowicz u. a.,
898 fg.), Konarski und Inlender (1887 fg.). es ins
Polnisches Recht, Zweig des slaw. Rechts, bis in
4 Jahrh. dloßes Gewohnhentsrecht (in Urtunden und, im
rbinger Rechtsbuch), dann verfeht it fremden Rechten
Wislitzer Statut von 1347), Ende 14. Jahrh. Eiuführung
zes deütfchen Rechts, 1808 des Cods Napoléon im Hzgt
Warschau Geschichte des P. R. von Bandttie (poln., 1880).
Polnisch⸗Lissa, preuß. Stadt, s. Lissa.
Polnisch⸗Ostrau, österr. Stadt, s. Ostrau.
Poiso, Baũspici für Berittene, aus Fndien nach Eng⸗
and und andern Läudern gelangt; zwei Parteien treiben
zu Pferd mit langen, dünngestielten Holzschlägern den
Ball nach dem Ziel. — Bgl. Hasperg (1803).
Polo, Marco, Reisender, s. Marco Polo.
Polock, Stadt, s. Polozk.
Poilonase urze; itas. Polacca), poln. Nationaltanz im
-Takt, feierlichzernsten Charakters, auch sonst verbreitet
a Polaeca, Instrumentalftuͤtke, deren Rhyhtmus im Cha—
ralter der Polonäsenbewegung.
—XX
Polonium, vom Ehepaar Eurie 1808 im Uranpecherz
rufgefundenes, stark radioaltives chem. Element. Seint
kristenz ist neuerdings wieder zweifelhaft geworden,
Polowzer, bei den Russen Name der Kumanen (. d.·
Polozk (Plotst, poln. Pokoct), Kreisstadt im russ·
Bouv. Witebsk, an der Düna, 20 751 E.
Polpapier, in der Elektrotechnit ein mit Metallsalzen
etränktes Papier, das, befeuchtet und mit Gleichstrom⸗
eitungen in Verbindung gebracht, den Stromlauf erkennen
äßt, meist durch rote docge am negativen Vol.
Polstrahlung, s. Zelle.
Polfucher, Cinrichtung zur Erkennung der, Strom
ichtung bei Geghuomletungen 3. B. das Polpapier . d..
Poltaͤwa, Goupernement im füdwestl. Teil des Eurob ˖
—.DDD——
ruchtbare Schwarzerde, reich bewässert (Dnjepr). —
Zaupistadt P. (Pultawah, an der Worstla, d3 06d E.; 8. Juli
70o8 Sieg Peters d. Gr. uber Karl XII. von Schweden.
Poltina, Poltinnik, der halbe Rubel (s. d.).
Poltron Erz. spr. ong), Hasenfuß, Memme; lärmen⸗
der Prahler: Poltronnerie. Großtuerei.