Cortes) bestehend aus Pairskammer (852 erbliche Mit—
glieder, 13 Prälaten, 90 pom König auf Lebenszeit er—
nannte Mitglieder) und Abgeordnetenkammer (138 auf
drei Jahre direin gewühlte Veputierte, davon J für die
Kolonien); 7 verantwottliche Minister; neben ihnen ein
auf Lebenszeit ernaunter Slaatstat. Einteilung in (17, mit
den Azoren und Madeira) AVDiftritte unter je einem Zivilgonverneur.
 Finanzen seit lange verwahrlost, neuerdings
in Besserung; s. Beilage: Finanzen, Heerwesen. Es
besteht allgemeine Wehrhflicht, aber Lostauf vom Dienst im
aktiven Heer und der erflen Reserve gestattet. Die Dienstzeit
(wom vollendeten 20. debensjahre an) beträgt 15 Jahre
Jahre bei der Fahne, 53 Jahre in der ersten, Tin der
welten Reserve) fuůr die Marine 6 Jahre altiv und, ẽ Jahre
in der ersten Reserve. Im Frieden bestehen3 Militär⸗
kreise mit's Territorialdivifionen und 8. Militärkomman⸗
danturen (Madeira und Azoren), an Truppenteilen zu⸗
sammen 78 Infanterie⸗ und 6 Jaͤgerbataillone, 40 Esta⸗
drons, 36 Feldbatterien, 2 reitende, 2 Gebirgsbatterien
uud 22 Batterien Festungsartillerie, 13 Geniekompanien.
die Friedensstarke soll für 1904 05: 80000 Mann betragen
Bewaffnung: s8 nKropatschek-Repetiergewehr A 86
b,s mm⸗-Repetierkarabiner AA O6 (System Mannlicher)
3 und 9 mStahlkanonen (Krupp). [S. auch Beilage:!
Heere und Flotten nnterrichtswesen. Volksschul⸗
wesen vernachlassigt; Unwerfität in Coimbra, polytechnische
Schulen zu issabon und Oporto, Kriegsschule, Schiffahrtsule
 zu Lissabon, medizehirurg. Schulen zu Lissabon und
Dporto Akademien der schönen Künste zu Lissabon und
Dporto Alademie der Wissenschaften zu Lissabon. Wappen;:
Silberner Schild mit fünf kleinen blauen Schilden, in
dem derselben fünf silberne Münzen, darum eine rote
Linfassung mit sieben goldenen Türmen mit blauen Türen
Abb. 1420]. Flagge zeigt Tafel; Flaggen; Landesfarben:
Blau und Weß Drden s. Beilage: Orden.
Kolonialbesitz (außer den zum Mutterlande gerechneten
Azoren und der Madeiragruppe) in Afrika und Asien zu⸗—
sammen 2090 0004xm, 7 *70 006 E. [s. die Beilage: Kolo⸗—
nien, sowie die zu den betr. Erdteilen gehörigen Beilagen].
Gefchichte. P., ursprünglich von den Lusitaniern be—
wohnt, wurde von den Römern (Pröv. Lusitania), später
don Germanen, seit dem 8. Jahrh. von den Arabern
erobert, bis Alfons T. von Burgund diese 1139 bei Ourique
Glug, worauf er zum König von P. ausgerufen wurde.
Sein Nachfolger, Sancho J. (11885 1211) setzte die Er⸗
oberung fort Alfons R (bis 1223) und Sanoo I. (bis
1248) erieten in Streit mit dem Klerus. Alfons IUI.
(est. 1379) gab dem Lande. die Hjebigen Grenzen; Dio—
ahsius (bis 1828) förderte Ackerbau und Handel. Ihm
folgien Aifons 1V. (Cgest. 1887 Bedro Tecgest. 10617)
und Ferdinand J. (gesn 1383); iit letzterm erlosch der
Mannissiamm der burgund. Linie, worauf mit Pedros un
delichem Sohne Johann J. (gest. 1433) die uncchte burgund
Vnie folgte. Die unter ihm durch Heinrich den Seefahre
hegonnenen Entdeckungsfahrten wurden unter Eduard (gest.
1438) und Alsons Veae(gest. 1481) fortgesetzt; unter Jo⸗
hann II. (148195) wurde das Kap der Guten Hoffnunç
entdeckt, unter Emanuel J. (1495— 1521) die portug. Macht
in Ostindien begründet und Lissabon die erste Handels—
dadt FuropasDie tlerikale Politik seiner, Rachfolge
Johanns tit. (1521 87) und Ecbasttaus (gefallen 1878
gegen die Mauren) bewirkten den Berfall P.s; mit dem
ardinal Heiurich erlosch 1880 die Dynastie, worau
Philipp u von Spanien das Land eroberte, das ersi
1640 mit der Anerkennung Johanns 1V., einem Abkömmling
 des alten Königshauses, wieder selbständig wurde.
Unlerdessen war die MRacht 8.8 in Indien an Holland
üͤbergegangen. Den Verfall des Landes, der unter Al—
ons I. oe), Pedro U. (16671706) und
Johann V. s(gest. 17809 vollstandig wurde, konnten unter
dosephe. (geste 1 77) die Resormen Pombals nicht ab⸗
wenden, sie wurden unter Maria J. (gest. 1816) wieder
aufgehoben. 1807 floh die königl. Fanilie vor der franz.
Otkupalion nach Brasilien, das sich unter Johann VI
I81626) i822 nnabhangig machte. Dessen Sohn Pedro
gab als Regent die Carta de lei vom 29. April 1826,
derzichtete zugunsten seiner Tochter Maria da Gloria
auf den Thron in P., den diese aber erst nach Besiegung
des Ufurpators Dom Miguel. des Bruders ihres Vaters

139

Por
833 einnehmen konnte. Unter Maria (1826 -63) war
as Land durch anhaltende Parteikämpfe und Intriguen
eunruhigt. Ihr folgten ihre Söhne Pedro V. (18865 —
51) und Ludwig J. (180189); unter letzterm wurden
n Verwaltung und Gesetzgebüng wesentliche Reformen
»orgenommen. Unter seinem Sohne Karl perschlechterten
ich die finanziellen Verhältnisse außerordentlich, so daß P.
892 seinen Zinsendienst auf 2 reduzieren mußte. Von
dieser Krise hat sich das Land noch nicht erholt. Durch ein
önigl. Dekret wurde 1901 die Macht der geistl. Kongre⸗—
jationen beschränkt.
Vgl. Diccionario abreviado de chorographia ete.
le P(s Bde., 1867); Tavares de Medeiros, „Staatsrecht“
1892); Adam (franz., 18906); „LDo P. au point de vue
igrioole“ (1900); de Vasconcellos, „As colonias poruguezos“
 (2. Aufl. 18903); Calderaio (Stuttg. 1903);
iber Geschichte Herculano (portug., 4 Bde. 1846 -65),
Schäfer (ß Bdet, 1836—54), R. da Silva (17. und
8. Jahrh., portug., 5 Bde. 186071), Coelho (portug.,
874 fg.), Pepper Uranz., 1879), Zimmermann (Kolonialolitit,
 1806).
Portugaleser, Goldmünze, s. Portugalöser.
Portugalete, Hafenstadt in der span. Prov. Bis—
aya, (1900) 63182 E.
Portugalöser Gortugaleser), Goldmünze, nach dem
VBocrbild einer portugiesischen im 16. und 17. Jahrh. in
Rorddeutschland und Dänemark geprägt — 10 Dukaten.
Portugiesische Kolonien, s. Portugal.
Pportugiesische Sprache und Literatur. Das
ruch über Nordwestspanien, die Azoren und Südamerika
Brasilien) verbreitete Portugiesische hat sich wie seine
oman. Schwestersprachen aus der röm. Volkssprache ge⸗
Fildet, steht an Altertümlichkeit dem Spanischen kaum
nach, von dem es sich aber wefentlich unterscheidet. Gram—
naliken von Anstett (3. Aufl. 1885), Schmitz (2. Aufl.
897), Cornu (2. Aufl. 1906); Wörterbücher von Wollheim
da Fonseca (4. Aufl. 1808), Bösche (6. Aufl. 1897), Mi⸗
haelis (7. Aufl. 1806). — Die portug. Nationalliteratur
egann im 12. Jahrh. mit einer die provenzalische Kunst⸗
vesie nachahmenden Hofpoesie (der bedeutendste portug.
roubadour' König Dionysius), gesammelt in „Gapoioeiros⸗
 Ceiniges deutsch von Stoͤrck. 1885); im 14. und
85. Jahrh. wurden durch die galicisch dichtenden Spanier die
uͤnsilichen provenzalischen Formen durch die spanischen ver⸗
rungt der königl. Hof blieb das Zentrum poet. Bildung
hervorragend Falcão oder Crisfal, Ribeiro und Sä de
iranda). Im 16. Jahrh. Nachahmung des klassisch⸗ital.
Stils (Ferreira), darauf drg Blüte der Literatur (Gil
Bicente, Camöcs); mit dem erlust der polit. Selbstän—
igleit wurde dieselbe wieder ganz abhängig von der
panischen und blieb es bis Mitte des 18. rhe nur
die echt portug. Gattung des Schäferromans 5 —
zarro) und die Geschichtschreibung (Barros, Castanheda,
Andraäda ec.) von Bedeutuug. Seitdem gelangte der Ein⸗
Iuß der franz.-klassischen Schule (durch Ericeira) zur Herr⸗
chaft; ausgezeichnete Dichter waren Aunfang des 19. Jahrh.
agciments und du Bocage; in neucrer Zeit Albuquerque,
Tafliiho, Carvalho, Almeida-Garret, Herculano, auch be⸗
tenber Geschichtschreiber, ebenso Rebello da Silva, Go—
Ics de Amorim, Pinheiro, Chagas, Castellobranco. Die
ungere Gencxation sagte sich von den Idealen dieser
Zcule los (Coimbraner Streit, 1865—66) und suchte
eue Wege. Hauptvertreter Jodo de Deus, de Quental,
Hraga. Seitdem stehen die beiden Richtungen, die ro—
nanufche und positivistische, nebeneinander. Die wissenchaftliche
 Litexatur erhielt erst seit Stiftung der AÄka—
mne der Wissenschaften 1779 einige Bedeutung — Vgl.
Zraga (portug., neue Ausg.,34 Bde. I8a⁊ fg.), C. Michaelis
e Vaschucellos (in Gröbers „Grundriß“, 1894), Mendes
os Remedios (portug., 1902).
Portugiesische Weine. Beste Sorten sind, außer
hoctwein (s. d), die Muscatels von Carcavellos, Faro
ind Setubal (weiß; auch Lissabon und St. Poeswein ge—
annth, die Rotweine von Torres Vedras, Moncçaon u. a.
Sefamtproduktion jährl. 4 Mill. BI.
Portugiesisch-Guinea, portug. Kolonie im nord⸗
vestl. Afrita Karte: Afrika Tu. I, 3), 33 900 4km,
70000 E., vom Caqheo, Rio Geba, Rio Grande und
Fafsini durchflossen; Handel s. Beilage: Afrika. Haupt-