Pre
in die Spitze des Norddeutschen Bundes trat. Nun folgte
nuch die Lösung des innern Konfliktes durch Bewilligung
der Indemnität seitens des Abgeordneteuhauses (3. Sept
1866). Der Machtzuwachs P.s erregte indes die Eifer—
ucht Frankreichs und führte zum Deutsch-Französischen Krieg
ovi 1870- 71 (s. d.), der P. als Präsidialmacht an die
Spige ganz Deutschlands stellte. 18. FJan. 1871 erfolgte die
PFroklamierung des Königs Wilhelm von P. als Deutscher
taiser. Durch die Berüfung des Kultusministers Falt
22. Jan. 1872) trat eine frasinnige Richtung ins Leben,
welche in der Ausweisung der e aus Deutschland
and den neuen —B aigeeten) ihren Aus—⸗
druck fand, womit der sog. Kulturdampf begann. Die
Attentate auf Kaiser Wilheim vom 11. Mai und 2. Juni
1878 hatten strenge Maßregeln gegen die Sozialdemokraten
ur Folge. Infolge der nachgiebigen Haltung Bismarcks der
turie gegenüber, gab Falk 1879 e Entlassung. Die eine
Squtzzoupolitik anleitenden wirtschaftlichen Gesetze veran—
aßten 1878 auch den Rücktritt anderer liberaler Mimster. In
en J. 1880 85 wurden Privatbahnen P.s
rerstaatlicht, 17. Sept. 1880 der Dant errichtet,
30. April 1884 der Staatsrat wieder ins Leben gerusen. Der
ortschreitenden Polonisierung der östlichsten Provinzen trat
die Regierung 1886 durch das Ansiedelungsgesetz (s. d.) ent⸗
zegen. Nachdem schon durch selbständiges Vorgehen der Re—
zierung die Maigesetze in wesentlichen Stüden gemildert
waren, wurde infolge direkter Verhandlungen mit der Kurie
)urch die kirchenpolit. Gesetze vom 21. Mai 1886 und 29. April
1887 der Kulturkampf beigelegt. Wilhelm J. starb 9. Mãrz
1888, ihm folgte sein Sohn Friedrich UIT., diesem 15. Jum
888 sein Sohn Wilhelm II. Dieser entließ 20. März
890 Bismarck und ernannte den General Graf Caprivi
u dessen Nachfolger. Der 1890 berufene Finanzminister
Miquel führte die Steuerreform durch (progressipe Ein—
lommensteuer, Vermögenssteuer, Verzicht auf die Grund-,
Bebäude-⸗, Gewerbe- und Bergwerksteuer), dem Miuistet
»es Innern Herxrfurth gelang das Gesctz der Landgemeinde—
rdnung für die östl. Provinzen, dagegen scheiterte der vom
Fultusminister Graf Zedlitz-Trützschler 1892 vorgelegte
Bolksschulgesetzeutwurf und führte zur Entlassung Caprivis
als preuß. Ministerpräsident. Ihm folgte Graf Eulen—
zurg, der aber 1894 zurücktrat. Nunmehr wurde Fürst
Thlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst Reichskanzler und
ↄreuß. Ministerpräsident. Die Vorlage über einen Mittelandkanal
 wurde vom Landtag zweimal abgelehnt und ge—
angte erst 1905 in stark veränderter Form zur Annahme.
900 trat Fürst Hohenlohe zurück und ihm folgte Graf
Bülow. Die Verschärfung der Polenfrage veranlaßte die
Regierung 19002 den Ausiedelungsfonds zur Stärkung des
Deutschtums in den östl. Provinzen zu erhöhen.
Literatur zur Geographie und Statistik: Meitzen, „Boden
ind landw. Verhältnisse“, Bd. 16(1868 1901); Statist.
Handbuch für den preuß. Staat“ (seit 1888); Brunckow
Wohnstätten, 8. Aufl. 1807). — Zur Verfassung und Ver—
valtung: Wiese, „Das höhere Schulwesen“ (4 Bde. 1864 -
1802); von Röune, „Staatsrecht““ (5. Aufl., 4Bde., 1888
'g.);: Bornhak, „Verwaltungsrecht“ (4 Bde. 1884 -83)
ers. „Preuß. Staats- und ,— n
Schneider und von, Bremen„Das Voltsschulwesen
8 Bde. 1886-87); Gritzner, Landess und Wappenkunde
1884); Schwarz und Strutz, „Staatshaushalt und Fi⸗—
janzen“ (2 Bde. 1801 -2); Zue de Grais, „Handbuch der
Aca und Verwaltung“ (17. Aufl. 1906); „Handbuch
iber den preuß. Hof und —2 (seit 1868). — Zur Ge⸗
chichte: Stenzel (6 Bde., a 5 Ranke (b Bde., neue
Aufl. 19009, Droysen (b Tle., 2. Aufl. 1885—86), Prutz
4 Bde., 1898 — 1902), Hahn (26. Aufl. 1896), Pierson
8. Aufl., 2 Bde., 1803) ꝛc.
Preußen, Prov. P. ehemals nordöstlichste Provinz des
n P., 1828 durch Zusammenlegung des östl. von
er ie gelegenen Hzgt, P. (s. Deutsche Ritter) mit
)em westl. gelegenen, bei der Teilung Polens von Friedrich
). Gr. erworbenen Landesteil gebildet, wurde 1. April
—
Westpreußen (s. d.) getrennt.
Preußen (Pruzzen). ehemals heidn. Volk litauischen
Stammes, an der Ostsee östl. von der Weichsel, das zuerst
m 10. Jahrh. erwähnt wird; sie widerstanden allen Be—
lehrungsversüchen hartnäckig (die Apostel Adalbert von Prag

154

ind Bruno von Magdeburg von ihnen erschlagen), bis der
Möuch Christian von Oliva und Herzog Kourad vou Maso⸗
»ien nach einem unglücklichen Kreuzzuͤg gegen sie — den
Deutschen Orden (J. Deutsche Ritter) zu Hilfe rief, welcher
iach 5o jührigem Kampf (123388) endlich das ganze
Breußenland unterwarf. Über die preuß. Svrache, s. Alt⸗
reußische Sprache.
Preußenhyinue, s. Heil dir im Siegerkranz.
Breußischblau, s. Berliner Blau.
Preußischbraun, s. Berliner Braun— g
Hreusßifch⸗ Deutfche Befestigungs manier, in⸗
olge Einführung der gezogenen Geschütze entstandene An⸗
erung der Neupreußischen Befestigungsmanier (s. d. b—
em grundsätzlich das Mauerwerk dem direkten Echuß
vogen wurde 186
Preußifch⸗Deutscher Krieg, s. Deutscher Krieg vor
vreußische Befestigungs manier, J Aitpreußische,
Neuüpreußische und Preußisch-Deutsche Besestigungemanich
Preußische Jahrbücher, Berliner Monatsschrift
ür Politik, Geschichte und Literatur, seit 1858
jeber: Haym, seit 166 Treitschke, seit 1889 H. Delbrück.
Breußische Sprache, s. Alipreußische Sprache.
Preußisch⸗Eylau, Kreisstadt im preuß. —
dönigsberg, am Pasmar, (1805) 3264 E., Amtsgericht.
dehrerseminar; hier 8. Febr. 1807 Schlacht zwischen Na⸗
oleon J. und den Nussen und Preußen. ꝙ
Preußisch⸗ Jriedla ud, Siadt im preuß. Reg.Ben
Marienwerder, an der Dobrinka (zur Küddow), 1806)
730 E., Amtsgericht, Progymnasium, Lehrerseminar.
Preußisch⸗Holland, Kreisstadt im preuß. Rege Ben
dönigsberg (1306) 4828 E. AÄmtsgericht, Schloß Geh
vefüngnis). sDeutfcher Krieg von I866.
Preußisch⸗BSsterreichiscger Krieg von 1366,.
Preußisch⸗Stargard, Kreisftadt im preuß. Fege
Zez. Danzig, an der Ferse, (1905) 10480 E., Amtsgericht,
vymnasium, Präparandenanstalt.
Prevali, Gemeinde in Kürnten, s. Prävali.
Preveza (soe sa), Stadt in Tuürt-Epirus, am Jomischen
Meere, auf einer Halbinsel am Golf von Arta, 7000 E.,
Zandel, Hafen (durch Forts gesichert), Dampferstation
Preborit, Weller im wrltenbe Neckatireis, Csooo)
41 E., Geburtsort der durch Juftinus Kerner als Scherin
on P. bekannten Somnambüle Friederike Hanffe, geborene
Banner, geb. 1801, gest. 5. Aug. 1828.
Prevost (spr. prewoh), Eugene Marcel, franz. Roman⸗
chriftsteller, geb. 1. Mal 1868 in Paris, lebt das.; von
einen zahlreichen Romanen am bekannteften „Les demirerges“
 (18684; deutsch: „Halbe Unschuld“, 1895).
Brevost d'eExiles (spr. prewoh derihl), Ant. Frant.
ranz. Schriftsteller, geb. I. Rpril 1687 zu Hesdin (Ar⸗
ois), gest. 23. Rob. 1768 zu Chantilly; am betanntesten
ein Roman „Manon Lescaut“ (2 Bde., 1728 u. v
eutsch 1842). Vgl. Harriffe (franz. 18865, Schroeder
franz., 1898). —
Prevdt Erz., syr, prewoh), Profoß, Propst, früher
rditel verschiedener hoher (bes. Polizei- und Gerichts-) Be⸗
mter in Frankreich Die Prevdtalgerichte (Prevotaltzöse,
ours proͤvotales übten die außerordentliche Polizeifustis
n den Propinzen aus; an ihrer Spitze standen die Pre vots
les maréchaux.
Preyer, Joh. Wilh., Stillebenmaler, geb. 19. Juli
863 zu Rheydt bei Düsseldorf, gest, 20. Febr. 1889 in
dufseldorf; bes. Blumen und Fruͤchtstückte. — Sein Sohn
baut P.geb. 24. Warz 1847 in Vuffeidorf lebt dasils
 Stilleben⸗ und Genremaler.
Preyer, William Thierrh, Physiolog, geb. 4. Juli 1841
n Woss Side bei Mauchester, 1869 Rat in Jena, gest.
(b. Juli 1897 in Wiesbaden; schrieb Die Sccle des
dindes“ (4. Aufl. 1805), „Die geistige Entwicklung
er ersten Kindheste (Asobß, , Speztele Vhysiologie des
ẽmbryos“ (1886) u. a.
Preziös (lat.), kostbar, wertvoll; geziert, gezwungen;
brezissen, Kostbarkeiten, Geschmeide, Edelsteine.
Priamel (lat. pracambulum), eine bes. im 14. und
5. Jahrh. beliebte Art volkstumlicher Spruchgedichts
zammlung von Keller in „Alte gute Schwänke“ (2. Aufl.
876) (1887). ügl. uͤht (1807) Cuung (1906).
Prianos, Konig von Troja, Sohn des Laomedon—⸗
Hemahl der Hekabe, Vater des Hektor, dessen Leichnam er