Ser

692

des 4. Jahrh. in Ägypten; nach ihm
ist Hoffmanns Roman „Serapionsbrüder“ benannt.
Zerapis, ägypt, Gottheit, s. Sarapis.
Seraskler stürk.), Titel der höchsten Militärs, bes
des Kriegsministers.
Seravezza, Ortschaft in der ital. Prov. Lucca, am
Flusse S. (1801) 10483 E.; Marmorbrüche.
Serawak (Sarawal), brit. Protektorat (Sultanat) ar
der Nordwestküste von Borneo, 103 221 4km, 8320 000 E.
Hauptvolk die Daͤjak Tafeln: Menschenrassen, 18,u
Ethnographie I, s u. 7], außerdem eingewanderte Ma—
laien und Chinesen; Handel s. Beilage: Assen. Die Haupt
stadt S. oder Kutfsching, am Flusse S., 30000 E. Frei—
hafen. Seit 1888 britisch.
Serben (serb. Srbi, Einzahl Srbin), sslaw. Volks—
damm im Königr. Serbien, Fürstent. Montenegro, in
den angrenzenden türk. (nameütlich Altserbien, Bosnien und
Herzegowina) und österr. (Dalmatien, Krogtien, südl. Un—
Gebieten; sie sind in der Schriftsprache mit den
roaten vereinigt, aber von diesen verschieden durch den
Gebrauch der cyrillischen Schrift und durch Zugehörigkei⸗
zur orient. Kirche. (S. Serbische Sprache, Literatur,
Serbet, s. v. w. Sorbet. Kirche, Serbien.)
Serbien (Srbija), Königreich an der untern Donau
Karten: BalkanhalbinselT, I4 und II], 48308 qkm
18904) 2676989 E., von drei Gebirgssystemen, dem Ost⸗
serbischen (in der Suva-Planing 1980 1m), dem Bosnisch—
Serbischen (in der Kopaonik-Planina 2140 m) und der
ceich bewaldeten Sumadija (Rudnik 1169 m) durchzogen
Hauptfluß die Morava; ausgedehnte
Wälder (86 Proz. des Landes). Be—
völkerung vorwiegend (1901: 23851107)
Serben, außerdem 88873 Rumänen,
46 148 Zigeuner ꝛc.; griech.-kath. Kon⸗
ession vorherrschend, doch Kulkusfrei—
heit. Landwirtschaft Is. auch Beilage:
Getreide] wichtigster, aber nicht
rationell betriebener Erwerbszweig;
Seidenzucht, Tabakbau, bedeutende
Schweinezucht. Industrie unbedeu—
tend (Waffen- und Munitions-, Tuchfabriken). Hande
im Steigen begriffen, s. Beilage: Eur opa; Landesmünz
—DD
bahnen; Telegraphenlinien (1904) 3281 km. Verfassung
vom 22. Dez. 1888 (2. Jan. 1889), erneuert 5. (18.) Jun
1803, doustitutionelle Erbmonarchie; Nativnalversammlung
Stkuptschina) von 160 vom Volk erwählten Mitgliedern
Selbstverwaltung der Gemeinden; Einteilung in 10 Kreist
außer Belgrad-Stadt; Hauptstadt Belgrad. Finanzen s.
Beilage: Finanzen. Heerwesen: Die allgemeine Dienstpflicht
 dauert vom 21. Lebensjahre an, und zwar 5 Jahre
im stehenden dip, 8 Jahre in der Reserve, 6 Jahre im
ersten und 8 Jahre im zweiten Aufgebot der National—
miliz. Die Friedensstärke beträgt (1905) 1815 Offiziere
25 557 Mann, 4889 Pferde, 488 bespannte Geschütze, die
Kriegsstärke ist guf 160 607, einschließlich der beiden Auf⸗—
zebote 353 122 Mann zu berechnen. Die Infanterie führt
in 7 mm⸗-Magazingewehr Me99 (System Mauser), die
Feld- und Gebirgsartillerie ß8 em-De Bange-Geschütze
Unterrichtswesen noch unentwickelt; eine Hochschule mit
8 Fakultäten, eine theol. Lehraustalt, eine Kriegsakademie
zu Belgrad ec. Wappen: silberner goldbewehrter Doppel⸗
adler in rotem Felde, auf der Brust silbernes Kreuz in rotem
Felde mit vier Feuerstählen Abb. 1727]; Flagge: Rot-Blau—⸗
Weiß [Tafsel: Flaggens. Orden s. Beilage: Orden
Geschichte. S., im Altertum von illyr. und thraz
Stämmen bewohnt, gehörte nach der Eroberuug durch die
Römer zu Dalmatia, Moesis cupersor und Dardania
Nach den Zügen der Goten, Hunnen und Avaren folgt
im 7, Jahrh. die Einwanderung der Slawen. Diese
breiteten sich auch über Montenegro und Bosnien aus
und standen unter einem Großzupan als Vasall des byzant.
Zaisers. Stephan Vojslav (nach 1040) kampfte fiegreich
gegen die Byzantiner; unter Siephan Duschan (1331 -
85), der den kaiserl. Titel (Har) aunahm, erreichte das
Reich seine größte Ausdehnung, doch miter seinem Sohn
Urosch V. ((885 — 79) verfiel'es bereits, und durch die
Schlacht auf dem Amselfeld 1389 kam der größte Teil
5.8 unter türk. Herrschaft, der Rest 1459. Fie Willkür

1727. Serbien.

ind Graufamkeit der Türken veranlaßte 1804 einen Auf⸗
tand unter Georg Karadjordje (s. d.) und 1815 einen
weiten uuter Milosch Obrenowitsch; letzterer ward 1817
um Fürsten erwählt und als solcher 1830 von der Pforte
mnerkannt; außerdem erhielten die Serben die ihnen be⸗
eits eingeräumten Rechte und Freiheiten bessätigt, Die
Fürstenwürde blieb in der Familie Obrenowitsch (. dy
ur 184258 durch die Regierung Alexauder Karadiordie⸗
vitsch unterbrochen. Milan Obrenowitsch IV., Fürst seit
10. FJuni 1868, proklamierte, der russ. Hilfe versichert,
30. Juni 1876 deu Krieg gegen die Türken, uni völlige
Mmabhangigkeil zu erlaugen; dAber sein General Tscherna⸗
ew wurde deschagen, und nur infolge der Einmischung
)er Großmaͤchte bewilligte die Türkei im Frieden vont
28. Febr 1877 die Wie derherftelUuung des, Zustandes, vor
dem Kriege. Nach dem Ausbruch des Russ.-Türk. Krieges
erkärte S. 14. Dez. 1877 abermals den Krieg gegen Ir
Türken; auf dem Berliner Kongreß (18. Juli 1878) wurde
die Unabhängigkeit des Landes anerkannt. 6. Rärz ——
erfolgte die Ehebung S.s zum Khuigreich. Die Verei⸗
uiigung Ostrumeliens (s. d.) mit Bulgarien veranlaßte
3. Nop. 18885 die Kriegserllärung Sis an Bulgarien. Die
Serben rückten 14. Nov, in Bulgarieu ein, wurden aber nach
reitägigen Kümpfen bei Slivnica (17. bis 19. Nop.) wieder
urückgedrängt; 26. Nov. überschritten die Bulgazen due
erb. Grenze und fiegten 27. Rop, bei Pirot, das sie eiu⸗
rahmen. ZJufolge der Drohung Osterreichs stellten sie jedoch
den Kampf ein, 21. Dez. wurde ein Waffenstillstand uud
3. Marz 1886 der Friede zu Bukarest abgeschlossen. du⸗
folge innerer Zwistigkeiten dankte Milan 6, Marz 1880
zugunsten seines minderjährigen Sohnes Alexander ab,
unter dem die innern Parteiwirren das Laud weiter be⸗
unrnhigten, wozu noch bes. die Vermählung Aleranders
1900) mit Draga Maschin, der Witwe eines Ingenieurs,
beitrugen, die den König bald ganz beherrschte 1901
wurde eine neue Verfassung verkündet, die das Zweikammer⸗
ystem einführte, aber 7. April 1803 durch einen Staats⸗
kreich des Königs wieder aufgehoben, nach Ernennung
neuer Senatoren und Staatsräte jedoch wieder in Geltung
gesetzt. Eine darauf gebildete Verschwörung von Offizieren
ührte in der Nacht zum 11. Juni, zur Ermordung des
rönigs, der Königin und mehrerer ihrer Anhänger. Die
Nationalversammlung wählte am 158. Juni den Prinzen
Zeter Karadjordiewitsch zum König (Peter 1). — Vol.
Vittiunghausen und Szatmarvar (1383), Millet (frang,
889), Coquelle (franz. 1884), Tuma (1894), Kohn Ass⸗)
Zivian (engl., 1897), Lazard und Hogge (franz., 1900),
durham (eůgl, 190495 zur Geschichte: Hilferding (2 Bde.,
Sbo Kly (Is8 sa), Misatobit denal. 18072)
danitz (Bd. 1, 19040).
Serbische Kirche, Teil der Griechischen Kirche ( .
2189 begründet von heil. Sava (Sabbas) durch Stif,
ung des Erzbistums Pet (Ipelh), das 1861 —
ind dessen Sitz 1690 nach Karlowitz in Südnngarn per⸗
egt wurde; aber auch Peẽ wurde neu besetzt und erst 1766
nit dem Patriarchat von Konstantinopel vereinigt; seit
830 besteht eine selbständige Kirche des Königr. Serbien
inter dem Metropoliten von Belgrad, neben dem serb.
batriarchat von Karlowitz und der selbständigen moute⸗
iegrinisch-serb. Kirche.
Serbische Literatur. Mit der Einführuug des
FThristentums aus Bygang wurden die altslaw. Kirchen⸗
ücher, Homilien, Legenden, apokryphen Erzählungen ein⸗
eführt, nahmen aber beim Abschreiben und bei Anfer⸗
igung neuer solcher Erzeugnisse, wie auch von Lebens⸗
eschreibungen von König Stephan, Sava, Domentisan,
Daniel, Zamblak, Konstäntin der Philosoph u. a.) serb.
Nuancen au (slawenosserb. Literatur); reiner tritt die
Volkssprache auf in den Urkunden der Fürsten, dem „Ge⸗
eßbuch Duschaus“. Mit der türk. Herrfchaft hörte jede
iterar. Entwicklung auf. Eine Wiederbelebung beainnt
m 18. Jahrh. unter den nach Ungarn ausgewanderten
Zerben durch Errichtung von Schulen mit russ. Lehrern;
Rajit' „Geschichte der siaw. Völker“ (1795) erweckte wieder
 nationale Erinneruugen; Obradovit begann den Kampf
uür die reine Volkssprache, den Karadzit und Dauitiẽ
iegreich zu Ende führten und dadurch zugleich Vereinignug
mit der Literatur der Kroaten (s. Kroͤatische Literaͤtur)
inbahnten. Dichter: Milutinovit, Njegus, Subotit, Ra⸗