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Sfreik.

) Begriff und Arten. Die S. sind ihrem Wesen nach
Kampfmittel der Arbeiter in ihrem wirtschaftlichen
Fampfe zur Erzwingung günstigerer Arbeitsbedingungen;
sie können auch rein polidischen areter haben; dann
werden sie zur Stärkung der politischen Macht der
Arbeiterklasse benutzt. Die radikalste Form der poli—
tischen S, ist der sog. „General-S.“, hier soll durch
eine möglichst alle Arbeiter an allen Orten und in allen
Erwerbszweigen erfolgende Arbeitseinstellung gegen die
herrschende Gesellschaftsordnung protestiert werden. Die
S. (General⸗S) haben namentlich bei radikalen Sozial⸗
demokraten, bes. in den roman. Ländern, neuerdings auch
in Deutschland Boden gefunden. Die deutsche Ge—
werbeordnung spricht im 8.152 von „Verabredungen
und Vereinigungen zum Behufe der Erlangung günstiger
dohn⸗ und Ärbeitsbedingungen, insbes. vermittelst Ein⸗
stellung der Arbeit oder Entlaffuͤng von Arbeitern“. In
der amtlichen Statistik des Deutschen Reichs gilt als S
ede gemeinsame Arbeitseinstellung mehrerer gewerblichen
Arbeiter, die zum Zwecke der Durchsezung bestimmter Foͤr⸗
derungen beim Arbeitgeber erfolgt ist“.
In Dsterre ich definiert das Koalitionsgesetz (1870):
„alle Verabredungen von Arbeitnehmern, welche bezwecken,
mittels gemeinschaftlicher Einstellung der Arbeit von den
Arbeitgebern hoͤhern Lohn oder überhaupt qünftigere Arbeits⸗
bedingungen zu erzwiugen“.
Unker Sympakthie?S. versteht man solche S., bei
denen die Arbeiter ihrem eigenen Arbeitgeber gegenüber
gar keine Forderungen durchsetzen wollen, sondern die nur
zu moralischer Unterstützung der Arbeiter in andern Be—
trieben unternommen werden.
Man unterscheidet Angriffs-S. und Abwehr-S. An—
griffs-S. sind diejenigen Arbeitseinstellungen, mittels
deren die Arbeiter eine Anderung des bisherigen Arbeits⸗
verhältnisses, also etwas Neues, erreichen wollen. In Ab—
wehr⸗ S. wollen die Arbeiter einer Verschlechterung der
Arbeitsbedingungen, einem wirklichen oder vermeintlichen
Tingriff des Unkernehmers in ihre Rechte entgegentreten.
Ein Einzel-S, liegt vor, wenn sich die Streik⸗
bewegung auf einen einzelnen Betrieb beschrünkt,
Gruppen-S., wenn eine Mehrzahl von Betrieben
gleichzeitig von einer Arbeitseinsteliung betroffen werden
Ein schärferes Mittel als der S. ist die Sperre
Wenn von einer Ärbeiterorganssation über einen Betrieb
die Sperre verhängt wird, so liegt hierin der Befehl an
die dort beschäftigten Mitglieder, auszutreten und an die
Vrne suchenden Mitglieder, den betreffenden Betrieb zu
meiden.
Bei S, und Sperren werden gewöhnlich Streikposten
ausgestellt, die verhüten sollen, daß Arbeiter bei den
Arbeiigebern nach Arbeit fragen und sich von diesen be—
schäftigen lassen.
2) Äussperrungen. Ein Gegenstück zu den S. bilden
die Aussperrungen. Ausfperrungen sind die von
seiten der Ärbeitgeber verfügten Betriebseinstellungen
Arbeitssperren), um die Arbeiter zur Rachgiebigkeit
 oder zur Preisgebung bestimmter Forderungen zu be⸗
wegen. Nach, der deutschen amtlichen Statistik ist
Aussperrung ijede gemeinsame Ausschließung mehrerer
gewerblicher Arbeiter von der Arbeit, die von dem
Unternehmer zum Zweck der Durchsetzung bestimmten
Forderungen bei den Arbeitern vorgenommen wird“
Zum Begtriffe der Aussperrung ist esße nicht nötig, daf
mehrere Arbeitgeber sich gegen die Arbeiter vereinigen.
Die Aussperrungen sind zuerst in England vorgekommen,
daher auch der engl. Name hierfür häufig angewandt wird
„loek out“ im Gegensatz zu „turn out“ (Streih).
Wie die Sympathie-⸗Sa, so sind auch die Sympathie—
Aussperrungen Jur moralischen Unterstützung derer be—
stimmt, die den Kampf aufgenommen haben. Es handelt
sich um die Fulle, wo Arbestgeber ihre Betriebe schüeßen,
ohne mit ihren eigenen Arbettern in Streit zu sein, nur
zu dem Zwecke, um durch diefe Maßregel andern Unter⸗
nehmern, deren Arbeiter behufs Durchfetzung bestimmten
Fordernugen ansgesperrt wurden oder in einen S. ein⸗
getreten waren, zu Hilfe zu kommen.
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon. 5. Aufl.

BSäufig laufen Aussperrungen und S. nebeneinander
her, und es ist oft nicht leicht zu unterscheiden, von wem
die Unterbrechung der Arbeit ausgegangen ist. In der engl.
Statistit werden S. und Aussperrungen überhaupt nicht
unterschieden, sondern als „Disputeg⸗ zusammengefaßt.
Namentlich als Gegenmaßregeln, aber auch als Vor⸗
deugungsmaßregeln gegenüber S. haben die Aussperrungen
n neuerer Zeit immer mehr an Ausdehnung zugenommen;
mmerhin ist ihre Zahl im ganzen bedeutend leiner als
die der S.
Auch Aussperrungen, die so umfassend sind, daß sie als
Gegenstück m General⸗S. möglichst alle Arbeitgeber
eines Bezirks umfassen, sind vorgekommen.
In Deutschland haben viele größere S. zur Bildung
oon Arbeitgeberverbünden geführt, die ihrerseits dann zů
Massenaussperrungen griffen: so füͤhrte der Crimmitschauer
S. 1903 zur Gruündung des Allgemeinen Deutschen Ar—
beitgeberbundes.
3), BGrnud und Zeit. Unter den Gründen des S. steht
das Verlangen nach bessern Arbeitsbedingungen in erster
vinie. Doch werden S. auch aus den verschiedensten an—
dern Gründen unternommen: wegen der Länge der Arbeits—
zeit, wegen Einführung neuer stechnischer Einrichtungen,
wegen der Disziplin, namentlich seitens der Unterbeamten,
wegen der Zahl der Lehrlinge uͤnd der Beschaͤftigung von
dindern, wegen Entlassung von Arbeitern zc.
Der Zeitpunkt, zu welchem S. unternommen werden,
ist in der Regel die Periode außergewöhnlichen Gefchüfts—
gangs, und zwar entweder, was am hufigsten der Fall,
bei einer bes. günstigen Geschäftskonjuuktur oder auch bei
einer bes. schlechten Lage des betreffenden Geschäftszweigs.
9) Ausgang. Man unterscheidet in der Regel S. mit
vollem Erfolg, ofne Erfolg und mit teilweisem Erfolg.
Voller Erfolg liegt vor, wenn sämtliche Forderungen
der Arbeiter bewilligt worden sind, kein Erfolg, wenn
alle Forderungen abgelehnt werden.
„Teilweiser Erfolg““ liegt (nach der deutschen Statistik)
in allen Fällen vor, in denen die Streikenden auch nur eint
der von ihnen, im Ernst oder zum Schein, gestellten
Forderungen eane nicht oder wenigstens nicht in
dem erstrebten Umfange, in der gewollten Art und Weise
oder zu dem gewünschten Zeitpunkte durchgesetzt hatten.
Aus der Statistik ergibt sich, daß die ZJahl der ver—
lorenen S. meist größer ist, als die der gewonnenen S
In der Gründungsärs 1871 73 waren allerdings die S.
überwiegend erfolgreich, wie denn überhaupt die Koönjunktur
tür den Ausgang der S von wesentlicher Bedeutung ist.
Die S., zu denen die lebhafte Streikbewegung in! den
ersten achtziger Jahren geführt hat, sind größtenteils miß
zlückt. Die denaen Massen⸗Sa, welche in den Jahren
isss / 0 ausbrachen, z. B. der über viele deutsche Stüdte
verbreitete S. im Baugewerbe (zusammen 72000 Mann,
in Berlin allein 20—225 000 Maurer und Zimmerleute),
der S. der in Rheinland, Westfalen,
Schlesien, Pfalz und Lothringen (zusammen etwa 190 000
Mann), der Ausstand in der Tertilindustrie (47 000) und
der Metallindustrie (über 160000), haben nicht die er—
warteten Erfolge Fhabt. Nach der amtlichen Lohnstatistil
im Berichte der Kommission für die Gewerbeordnungsnopelle
 1890 kamen auf nur 187 Fälle, in denen die
Arbeiter ihre Forderungen durchsetzten, 468, in denen dies
aur teilweise erreicht war, und 420, in denen sie völlig
unterlagen. Seit 1889 hat mit der Verschlechterung der
donjunktur die Zahl der S., bes. die der erfol reichen
S., abgenommen. Die wichtigsten sind: der ieee
Buchdrucker⸗ S. des Winters 1891/92 und der Berlinc
Bierboylott 1824 dessen Ergebnisse auch nicht den Opfern
entsprachen. Bedeutsam war der S. der Konfektions⸗
arbeiter 1896/87, bei welchem die Sympathien allgemein
auf seiten der Arbeiter waren. Gänzlich erfolglos für
die Arbeiter war der Hamburger Hafenarbeiter-⸗S.
1896/97. Ferner waren noch wichtige S.: der von den
Arbeitern verlorene Weber-S. von Ien 19034,
der S. der Kohlen- und Tertilarbeiter 1008. uch daun,
wenn S. mit Erfolg für die Arbeiter enden, bringen sie
wegen der großen Kosten und Lohnausfälle shhwere DOpfer