Stumm), 1867 —81 und seit 1889 Mitglied des Reichstage
Deutsche Reichspartei), seit 1882 des preuß. Herrenhauses
Vertreter der Schutzzölle, 1888 in den Freiherrenstand
erhoben, 1890 in den Staatsrat berufen, verdient als
Sozialpolitiker und als Vertreter des Schutzes der
nationalen Arbeit, gest. S. März 1801 auf Schloß Halberg
Stummheit (Mutttas), das Unvermögen, artikulierkt
daute hervorzubringen, betuht auf Gehirnkräankheit, Zer—
störung der Sprachwerkzeuge, Taubheit (Taubstüͤmmheit).
Stumpf, Karl, Philosoph, 4 21. April 1848 zu
Wiesentheid in Franken, Prof. in Würzburg, Prag, Halle,
München, feit 1854 in Berlin; schrieb Tonpsydsologie“
(2 Bde. 188300), Pfychologie und Erkenntuistheorie“
Asa1). Leib und Seele“ (2. Aufl. 1908) u. a.
Stunipfmuschel (Donsx), Gattg. der Tellmuscheln,
mit eis oder keilförmiger oder dreieckiger Schale, können
sich mit ihrem Fuß in' die Höhe schneuen. Die gemeine
S. G. truncculus T.), im Mittelländ. Meer und Rotem
Meer haufig, wird gegessen.
Stumpfschwanzpapagei, s. Kurzschwanzpapageien.
Stumpffuchtigkeit, . Amblyopie.
Stundenachfe, s. Parallaktische Aufstellung.
Stundenampere, s. Amperestunde.
Stundenglas, s. v. w. Sanduhr (s. d.).
Stundenkreis eines Gestirus, ein durch dieset
und die beiden Himmelspole gehender Deklinationskreis
Meridian). (Sa auch Parallaktifche Aufstellung.)
Stundenschauer, s. Horostop.
Stundenwinkel, der Winkel, den ein Stundenkreit
nit dem Meridian des Beobachters einschließt. J
Stundisten, pietistischzevang. Selte, bes. in Süd
rußland und ini Dnjeprgebiet (etwaz Mill. Anhänger)
entstanden unter Einfluß der deutschen evang. Kolonien
und baptistischen Missionare, bis 1905 von der Regierung
verfolgt. — Bgl. Dalton (1881 u. 18096).
Stundung, der Verzicht des Gläubigers auf rechtzei—
tige Befriedigung feiner Forderung durch den Schuldner
Stupefaktion (lat.), Bestürzung, Betäubung; stupend
rstaunlich. [Stumpffinnigkeit.
Stupid (lat.), stumpfsinnig, dumm; Stupidität,
Stupor (lat.), Erstarrung, Blödsinn.
Stuprum (lat.), Schändung, een einer weib⸗
ichen Person; Unzucht; stuprieren, schünden; Stupräta,
die Gefchundete; Stuprätor, der Schwängerer.
Sturdza (Stourdza), moldauische Bojarenfamilie,
stammt aus Ungarn.“ Fohann S. war 182228 Fürsi
Hospodar) der Moldaun Sein Sohn Michael S., geb.
1795 zu Sassy, 1834249 Hospodar, gest. 8. Mai 1884
zu Paris. Alexander S., geb. 28. Nop. 1791, russ
Staatsmann und Schriftsteller, gest. 28. Juni 1853 zu
Mansyr GBessarabien), bekannt duͤrch sein 1818 verfaßtes
AMsmoire sur Vétat actuel de PAllemagne“ gegen die
deutschen Univerfitüten. — Demeter S. von Miklaufchein.
geb. 10. März 1833, 1889 Unterrichtsminister, 1866 an
Sturze Cusas beteiligt, wiederholt Minister, 1888— 96
18897— 99 und 1901 5 Ministerpräsident, Leiter dei
Herausgabe großer Quellenwerke über ruman. Gefchichte
Sture, schwed. Geschlecht. Sten S., Sohn Gustar
5.s und einer Schwester König Karls VIII., 1470 Reichs:
atthalter, behauptete die e eeen Schwedens gegen
Danemark, gest. I808. Auch Swante Nilsfon S., 10
TI2, und sein Sohn, Sten S., der Jüngere, 1612-20,
tämpften erfolgreich gegen die Dänen; letzterer fiel 1820 be
Sturlufon, s. Snorre Sturluson. [Bogesund.
„Sturm, Johannes, Schulmann, geb. 1. Ott. 1507 zu
Schleiden, Begtünder und 1640 81 Rektor des Gym—
nasiums zu Straßburg, gest. daf. 8. März 15889. — Biogr
von Kückelhahn (1872).
Sturm, Julius, Dichter, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz
seit 1867 Pfarrer daf pyr 2. Mai 1896 in Leipzig,
Lyriker von Lief religiunsem Sinn, veroͤffentlichte zahlresche
Vedichtsammlungen ,Fromme Lieder“ u. a.). — Bgl
Hepding (1886). Sein Sohn August S, geb. 14. Jan.
1852 in Göschitz bei Schleiz, seit 1884 —A in
Naumburg; außer jurist. Schriften veröffentlichte er „Ge⸗
dichte“ 1877), „Seutsches Liederbuch““ (2. Aufl. 1894)
„Neue Lieder“ (1800), Dramen und Epen.
Sturmbock, Mauerbrecher, Kriegsmaschine des Alter⸗
tums, Balken mit eiserner Spiße zum Aurennen gegen

783

Stü
die Mauer eines belagerten Platzes (s. Widder und Tafel:
driegswesen J, 2)
Sturmbrücke, s. v. w. Fallbrücke.
Sturmfahne, s. Reichssturmfahne.
Sturmfrei heißen Befestigungen, die überhanpt nicht
der nicht ohne besondere Hilfsmiltel erstürmt werden
önnen.
Sturmhaube, die helmartige Kopfbedeckung des Fuß⸗
»olks im 16. Jahrh., mit aufgebogenem Rand und Kamm.
Seauch Morion nebst Abb. 1186.)
Sturuihut, Pflanzengattg., s. Kconitum JAbb. 21].
Sturmpfähle, in geneigter oder wagerechter Lage
ingebrachte Palisaden (s. d. nebst Abb. 13170.
Sturmschritt, beschleunigte Marschart (120 Schritt
n der Minute), in Lauf übergehend, wobei die Tam—
»oure den Sturmmarsch schlagen
tambour battant).
Sturmschwalbe (Procellaa,
 Thalassidröma), Gattg. der
Sturmpögel, kleine Vögel mit
chwalbenartigen, langen Flügeln,
abgestutztem oder ausgeschnittenem
gon degas Erde ver⸗
reitet. ierher der Petersvogel 49 Ater
Peterslaufer S. P. peinν. 1832. Petersvoger.
Abb. 1832]), braunschwarz, und weiß, im Atlant. Meere,
iur auf der nördl. Halbkugel, läuft leicht über die Wasser
iberfläche (daher Wassertreter); Kaptaube (P. capensits T.),
rrau, weiß und schwarz, auf der südl. Halbkugel.
Sturmsignale, s. Sturmwarnungen [Abb. 18833).
Sturmtöpfe, s. Feuertonnen.
Sturm⸗ und Drangperiode, nach Klingers Drama
„Sturm und Drang“ die Periode der deutshhen Natio—
talliteratur (etwa 1767-80), in der die jüngern Dich⸗
ter gegen die überkommenen Stoffe und Formen in kühnem
poet. Sturm sich erhoben.
Sturmwvögel (Erocellariidae), Familie der Langflüg⸗
ler, mit Schwimmhaut zwischen den drei
Vorderzehen, kosmopolitisch verbreitete
Seevögel, schnelle und ausdauernde
Flieger. Hierher Albatros, Fulmar
und Sturmschwalbe.
Sturmwarnungen, die Voraus⸗
agung von Stürmen zum Nutzen der
Zeeschiffahrt; in Deutschland werden S.
von der Deutschen Seewarte erlassen
und an Häfen und Küstenorten tele— 1833
xraphisch uͤhermittelt, die darauf Sturm-⸗ Sturmfignale.
ignale heißen, am Tage schwarzer Ball
»der 122 Kegel [Abb. 1833: à Achtung; b Sturm aus
SW., e aus RW., d aus SO., o aus NO.!, nachts rote
daternen an Masten.
Stürzer, ein Bergmann (s. d.).
Stuttgart, Haupt- und Residenzstadt des Königr.
Württemberg, Kreis- und Oberamtsstadt im Neckar—
reis und Stadtdirektionsbezirk, 3 km westl. vom Neckar
Karte: Bayern ꝛc. J, 4], (1900) mit
Baisburg, Cannstatt, Untertürkheim und
Wangen 216 088 (1905: 249 443) G., Garnison,
 Sitz der obersten Landesbehörden,
Oberlandes-, Landgericht, 2 Amtsgerichte,
Beneralpostdirektion, Reichsbankhauptstelle,
zandels- und Gewerbe⸗, Handwerkskammer, wWag
Senexalkommando des 18. Armeekorps. Stut drn
Stifts-⸗, Eberhards⸗, Johannes⸗-, Garnison— gart.
Tafel: Romanisher Stil J, 91, Friedens-, Gedächtnis—
irche u. a. altes Schloß, Residenzschloß sTafel Bayernac.
L.V], Königsbau (mit Kolonnaden), Kronprinzen-,
Wilhelmpalais, Gewerbehalle, dandesgewerbemuseum,
Justizgebãude, Bibliothek, Rathaus (1805), Technische Hoch⸗
hule, 2 Gymngsien, Realgymnasium, 2 Rtealschulen,
Baugewerke, Kunstakademie⸗, Kunstgewerbeschule, Konser—
oatorium der Musik; Trikotweberei, Pianoforte-, Möbel⸗,
Themikalien-, Farben⸗, Konditoreiwaren-, Ledet- Bunt⸗
apierfabrikation; pegenue des süddeutschen Buchhan⸗
Stutzbeutler, Beutelspringmaus. sdels.
Stützerbach, Dorf im preuß. Reg.-Bez. Erfurt, im
chüringer Wald, (1900) 1488 6E.; Porzellane, Glas—
abrikation; dabei das fachs.-weimar. Dors S. (839 Ed).