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Tabak (Nicotiana L.), Pflanzengattg. der Solanazeen,
meist einjährige Kräuter in Amerika, Auͤstralien und dem
südl. Asien. Kulturpflanzen sind vor allem der gemeine
oder virginische T. (Nlcotiana tabacum L. sTafel: Nutzpflanzen
 J. M), der großblätterige Maryland⸗T. (N.
iatissima DG), beide aus Amerika, und der Bauern-,
Beilchen · oder syr. T. (N. xustloa L), wahrscheinlich aus
Südasien; außerdem unterscheidet man den pers. T. (N
persica Lindl) und den chines. T. (N. chinensis Fisch.).
Die Blütter, bes. der ersten und dritten Art, werden zu
T. für Zigarren, Inehn Pfeife (Schneide⸗T.), Schnupf⸗
und Kan-T. verarbeitet; sie führen ini Handel die Namen
ihrer Produktionsländer (Habang, Sumatra, Java, Por—
toriko, Merxiko, Varinas, Manila, Maryland 2c.). In
Zuropa wird T. kultiviert in der Türkei, in Südrüßland,
den Donauländern, bei Utrecht und Geldern, in Flandern,
am Mittelrhein, in Frauken und dem Elsaß, in der
Ipen rc. Auf den Kopf der Bevölkerung wird jährlich
verbraucht: in den Ver. Staaten 3,1 Kg, in den Nieder⸗
landen Ze, in Deutschland 1,6, in Rußland 0,s, in Frank—⸗
ceich O,s, in Italien und Eugland 0,7 Rg. — Die reifen
Blätter werden gepflückt, auf Schnüre oder Stäbe gereiht,
getrocknet und daun fermentiert, indem sie gebündelt und
gestapelt werden, bis sie sich auf 55—60 G erhitzen, ein
Hrozeß, der auf der Tätigkeit von Bakterien beruht. Bei
dieser Gärung werden gewisse, dem Geruch und Geschmach
uachteilige chem. Verbindungen zerstört und aromatisch rie—
chende neu gebildet. Der Roh⸗T. wird dann weiter ver⸗
arbeitet, angefeuchtet, eutripptn geröstet und abgekühlt, sowie
durch Zusaß von Beizen, Brühen oder Saucen, die aus
Zuckerstoffen, Salzen, Färbemitteln, Alkohol, Gewürzen,
aromatischen Substanzen bestehen, im Geschmack veredelt
Die wichtigsten Stoffe des T. sind das Nikotin und das
Nikotianin (s. Nikotin). Die Sitte des Tabakrauchens
stammt von den Indianern Nordamerikas, wurde um 1550
von Seeleuten nach Spanien, 1586 von Kolonisten nach
dugland gebracht, von wo sie sich nach Holland und Deutsch⸗
land ausbreitete, bis fie schließlich, trotz des Widerstandes
des Staates und der Kirche, ganz Europa eroberte. Die
Tabakspflanze wurde in Frankreich 1560 durch Jean Nicot
bekannt (daher ihr Name Nicotiana) und anfangs als
Arzneipflanze hoch gerühmt; noch jetzt sind getrocknete
Tabakblütter (im Absud, meist zu Klistieren und Waschungen)
offizinell. — Schädlinge des T. sind die Schneidraupe (von
Agrotis ypsllon von Rotim.) und die Tabaksranpe (s. d.),
sowie ein den braunen Rost verursachender Pilz, der auf
den Blättern braune, später ausfallende und dadurch den
T. entwertende Flecke erzeugt. — Vgl. Tiedeman, „Ge⸗
schichte des T.“ (1854); Fairholt, „TPobaceo, its history
and associations“ (1875); von Wagner, „Tabakkultur ec.“
1888); Michagelis, „Hygiene des Rauchens“ (1894):
ker „Der T.“
Tabakkampfer, s. Nikbotin.
Tabaksbestenerung. Der Tabak, als ein entbehr—
iches Genußmittel, wird überall und auf verschiedene
Weise bestenert: 1) die älteste Form ist die Bestenerung
des Tabakhandels, verbunden mit Verbot des Tabak—
baues, so in England; 2) die Flächenstener, die nach der
Flächenausdehnung des mit Tabak bepflanzten Bodens
bemessen wird; 3) die Gewichtssteuer, nach dem Gewicht
der sermentierten Blätter (1878 in Deutschland einge—
führt); 4) die Fabrikatsteuer unter Anwendung von
Stenipelmarken (russ. Banderollensystem; für Zigaretten,
Zigarettentabak und -papier 1. Juli 1806 in Deutschland
zingeführt); 5) das Monopol ie heute in Frankreich,
Osterreich-Ungarn (seit 1860), in Stalien (seit 1805), in
Spanien (seit 1730), in Serbien (seit 1885), in der Türkei
(seit — — in Mexiko (seit 1764). Dabei befindet sich die
ganze Fabrikation und der Verkauf in den Händen des
Staates. Eine besondere Form des Monopols ist das
Rohtabakshandelsmonopol, bei dem der Staat den Tabal
ankauft und mit einem Aufschlag weiter verkauft. — Vgl.
Lewinstein (1884), von Mayr an „Handwörterbuch der
Staatswissenschasten“, Bd. 7, 1902).
Tabakskollegium, die regelmäßige Abendgesellschaft
Friedrich Van J. von Preußen, in der geraucht werden
nußte und Bier getrunken ward.
Tabaksmonopol, s. Tabaksbesteuerung.
Tabakspfeife, Fisch, s. Köhrenmäuler s[Abb. 1632)]

Tabaksraupe, die äußerst gefräßige, den Tabaks—
ättern schädliche Raupe eines Schwäürmers (Sphiux
arolina L.).
Tabakssteuer, s. Tabaksbesteuerung.
Tabari, mohanmed. Historiker und Theolog, geb. 839 zu
Umol in Taberistan, gest. 921, berühmt durch sein großes,
don dex ältesten Zeit bis 141n. Chr. reichendes Geschichts—
verk (O9. unter Leitung von De Goeje, Leid. 1878 f9.).
Tabarije, Stadt, Tiberias.
Tabaristän, pers. Landschaft, s. Taberistän.
Tabaschir, s. Bambusa.
Tabasco, einer der östl. Küstenstaaten Mexikos,
0094 qkm, (1900) 159 834 E. (meist Indianer); Haupt⸗
dt San Juan Bautista.
Tabatiere (frz.), Tabaksdose.
Tabatieregewehr, 1867 in ein Hinterladegewehr
Angewandeltes franz. Liniengewehr, mit einem einer
Fabaksdose (Tabatiere) ähnlichen Scharnierverschluß; Ende
3 ghe 1870/71 Waffe der neu aufgestellten Truppen.
Tabaxir, Tabaschir, s. Bambusa.
Tabelle (lat.), Tafel, übersichtlich, nach gewissen Ge⸗
Atspunkten geordnete Zusammenstellung chronolog., sta⸗
t. ꝛc. Daten; tabellarisch, in Form einer T.
Taberistaͤn (Tabariftaän), Landschaft in Persien, der
O. der Prov. Maseuderan, das alte Hyrkanien.
rTaberna (lat.), Bude; Kaufladen; daher Taberne,
henke, Weinhaus.
Tabernakei (lat. tabernaculum, „Zelt“), in der kath.
dirche der Behälter für die Monsixanz (Sakraments⸗
äuschen), ferner das Schußtzdach über Heiligenstatuen
Baldachin), Altären, Grabmalern; bei den Methodisten
zethaus.
Tabernaemontãna IL., Pflanzengattg. der Apozyna⸗
een, Bäume oder Sträucher der Tropen. 7T. utüs Arn.
Milchbaum, Hya⸗Hya⸗Bautnt), in Guayana, liefert einen
vohlschmeckenden, wie Kuhmilch gebrauchten Milchsaft;
der von T. crispa Toub. dient als Heilmittel.
Tabes (lat.), Schwindsucht, Darrsucht; 7. dorsuclis,
RNickenmarksschwindsucht.
Tableau (frz., spr.Ioh), Gemälde; übersichtlich grup⸗
erte Darstellung.
Table d'höte (frz., spr. tabl doht), Wirtstafel, Mittags⸗
ssen mit gleicher Speisenfolge und gleichem Preis
vite Gäste. fzellan ꝛc.
Tablẽtt (frz.), Präsentierbrett, Gestell für Glas, Por⸗
Tablette 445 kleiner Tisch, Tafel, Deckplatte; Täfel⸗
u (Arzneiform).
Tabletterie (frz.), Täfelwerk, Kunsttischlerarbeit;
dabletier (spr. tteh), Kunsttischler.
Tablinum, im altröm. Hause das hinter dem Atrium
legene große Zimmer.
Tabor, Berg in Palästina (Galiläa), 862 m hoch,
etzt Dschebel et-Tor, gilt als Ort der Verklärung Christi,
rägt ein griech. und lat. Kloster.
Tabor, Bezirksstadt in Böhmen, an der Luschnitz,
800) 10703 E,; ursprünglich befestigtes Kriegslager der
Zussiten (Taboriten), von Ziska 14206 angelegt.
Tabora, Station in der Landsch. Vseeeh ¶Deutsch⸗
tafrika), 16000 E.
Taboriten, s. Hussiten.
Tabouret ifrz. pr. bureh), s. Taburett [Abb. 1846).
Täbris (Tebris, Tauris), Hauptstadt der pers. Prov.
Aserbeidschäͤn, an den Flüssen Spintscha und Adschi,
80 000 E. (im 17. Jahrh. 14, Mill.); früher Persiens
Haupthandelsplatz, jetzt zur dalste in Trümmern; Baum⸗
bollweberei und Seidenwirkerei, Obstzucht.
Tabu (Tapu), in Ozeanien etwas Heiliges, Unverletz⸗
iches, die Heiligkeit und ih Zeichen.
rTahũla irgt Tafel, bes. Schreibtafel; T. Bantina,
gantinische Tafel (s. Bantia); 7. iliaes, s. Jlische Tafel;
b. Peutingeriana, s. Peutinger; 7. rasa, geschabte, glatt⸗
estrichene Wachstafel, unbeschriebenes Blatt; davon T. rass
nachen, rein aufräumen, alles vollständig beseitigen;
p. votĩra, Votiptafel.
Tabulaten, Stockwerkskorallen, fossile, schon in den
ltesten Versteinerungen führenden Schichten ausgestorbene
Hydroidpolypen, deren Stoͤcke aus nebeneinander gelager⸗
sen, der Septen entbehrenden, durch Querböden in Stock⸗
verke geteilten Röhrchen bestehen.