aber bis in die Kaiserzeit; von den Überresten bes. inter—
essant die Totenstadt beim heutigen Corneto.
Tarquintus Priscus, Lucius, nach der Sage der
fünfte roͤm. König (616578 v. Ehr.), aus Tarquinii,
Sohn des dahin gefluͤchteten Korinthers Demaratus, ward
von Ancus Marcius zuͤm Vormund seiner Sohne bestellt,
bemãchtigte sich aber selbst des Thrones. Außer ver⸗
schiedenen Kriegen werden ihm große Banten, bes. die
Intwäsferung Roms durch gewaltige Kloaken, zugeschrieben.
Tarquinius Superbus, Lucius, nach der Sage der
letzte König von RNom (334 -510 v. Chr.), Sohn des vorigen,
gelangte durch Ermordung des Servius Tullius zur Regie⸗
rung, ward durch seinen Sohn Sextus T. infolge der
Entehrung der Lucretia vertrieben, gest. 195 zu Cumü
Taͤrragona, befestigte Hauptstadt der span. Prov. T
(6190 ku, 18000 337 864 F.; Katalonien), am Mittelländ.
 Meer, 23428 E., Kathedrale, Altertumsmuseum,
Ruinen aus der Romerzeit (Amphitheater, Triumphbogen,
Aquädukt), Hafen. — T., röm Tarraco, war eine der
groͤßten Städte des Röm. Reichs; Hauptstadt der Prov
Hispania Tarraconensis. V
Tarrakaj, hinef. Name von Sachalin (s. d.).
Tarrafa, Stadt in der span. Prov. Barcelona, (1900)
Tarfchifch, s. Tartessos. [15 856 E.
Tarsogebirge, s. Tibesti.
Tarfus (greh), Fußwurzel; bei den Insekten der letzte
Abschnitt des Beins.
Tarfus (Tarsos), im Altertum Hauptstadt Ciliciens,
am Kydnos, Geburtsort des Apostels Paulus; jetzt Han—
delsstaͤdt im kürk. Wilajet Adana, etwa 16-18000 E.
Tartan, ursprünglich schottische gewürfelte Zeuge zu
Plaids, jetzt solche Wollzenge zu Mantelfutter.
Tartäne c(ital.), im Mittelländ. Meer ungedecktet
Fischerfahrzeug mit einem Mast.
Tartaͤrei, Tartären, s. Tatarei, Tataren.
Tartaͤros, nach Homer ein dunkler, noch unter der
Unterwelt gelegener Abgrund, der mit ehernen Pforten
geschlossen war. Dorthin schleuderte Zeus die Empörer
zegen seine Herrschergewalt.
Tartessos, im A. T. Tarschisch, das wegen seines
Silberreichtums im frühern Altertum hochberühmte Land
der südspan. Tartessier.
Tartini, Ginseppe, Violinvirtuos, Komponist und
Theoretiker, geb. 12. April 1692 zu Pirano in Istrien,
errichtete 1788 eine Musikschule in Padua, gest. das.
16. Febr. 1770; gründete ein besonderes Harmoniesystem
auf den von ihm entdeckten Tartinischen Ton (s. Kom—
binationston); bekanntestes Werk: „Frille du disble“
Tartolin, Stadt, s. Dorpat. [Ceufelssonate)
Tarträte, die Salze der Weinsäure (s. d.).
Tartfche, im spätern Mittelalter s. v. w. Schild, für
Reiter klein, rund (Rund-T. oder Faustschild), mit Aus
schnitt zum Einlegen der Lanze, für Fußvolk größer, vier
eckig, mit Leder üͤberzogen. (S. auch Setztartsche.)
Tartüff, scheinheiliger Heuchler, nach der Titelrolle
eines Lustspiels von Moliere; Tartüfferie, Scheinheiligkeit
Tarudant, Hauptstadt der marokk. Prob. Wad Sus
am Wadi Sus, an der Karawanenstraße von Marokke
nach Timbuktu, 8300 E.; Kupferwarenindustrie.
Tarutinö. 1) Dorf im russ. Gouv. Kaluga, an der
Nara; hier 18. Okt. 1812 Sieg der Russen üͤber die
Franzosen. — 2) T. oder Antschokrak, deutsche Kolonie
im ruͤss. Gouv. Bessarabien, im Tale des Kunduk, 3642 E
Tarvis, Gemeinde in Kärnten, Hanptort des Kanal—
als, am Raibler Seebach, (1900) 1634, als Gemeinde
Tasajo (span., spr. cho), s. Buͤkanieren. [3640 E
Tasch (türk. „Stein“), Name der türk. Meile (Farsang)
Tasche, in der Geologie s. v. w. Rachel (s. d.).
Täschelkraut, Pflanzenart, s. Capseila.
Taschen, Mißbildungen der Pflaumen, s. Exoascus
Taschen berg, Ernst Ludwig, Entomolog, geb. 10. Jan
1818 in Naumburg a. S., 1856 Inspektor am Zoolog
Museum der Universität Halle, 1871 Prof. das., gest. das
20. Jan. 1898; schrieb: „Eutomologie für Gärtner“ (1871),
„Forstwirtschaftliche Insektenkunde“ (1874), „Praktische
Insektenkunde“ (5 Tle., 1878 —80),,„ Insekten, Tausend—
füßer und Spinnen“ (Bd. 9 von „Brehms Tierleben“,
83. Aufl. 1892). — Sein Sohn Erust Otto T., Zoolog,
geb. 23. März 1854 in Zahna, 1888 Prof. in Halle; schriebe

X

Taj

Die Lehre von der Urzeugung“ (1882), „Bilder aus dem
kierleben“ (1885), „Repetitoörium der Zoologie“ (1891),
Serausgeber der „Bibliotheca z00logica“ (seit 1887).
Taschenfrosch, s. Laubfrösche.
Taschengeige, s. Poccetta.
Taschenkrebse, s. Krabben.
Taschenmuschel, s. Schinkenmuschel.
Taschenratten, Sackmäuse (Feomyidao), auf Nord⸗
amerika von der Hudsonbai bis Südkarolina und Kali—
ornien beschrünkte Familie der Nagetiere, mit großen
Backentaschen, fünfzehigen, durch Krallen zum Graben ein—
gerichteten Fußen. Der Goffer (Goßömys barsaxlus tich.),
zlaugrau bis brann, lebt unterirdisch nach Art des Maul—
vurfs. Hierher auch die Taschenspringei (s. d.).
Taschenspieler, Prestidigitateurs, Leute, die zur
Unterhaltung des Publikums allerlei auffallende, auf den
exsten Blick nicht erklärbare Kunststücke verrichten. — Vgl.
Marion, „Salonmagie“ (1889).
Taschenspringer (Dipogomys), Gattg. der Taschen—
ratten, mit schlankem Körper, Backentaschen, langen Hinter—
heinen und langem Schwanz, Bewohuer des westl. und
Taschenuhren, s. Uhren. ssüdl. Nordamerika.
Taschielunpo, buddhist. Klosterstadt im südl. Tibet,
dei Schi-ga⸗-tse (s. Lama).
Taschkent, Hauptstadt des Generalgouv. Turkestan
ind des Gebietes Syr-darja in Russ.-Zentralasien, im
Tale des Tschirtschik (zum Syr-darja) sowie an den Eisen—
dahnen Samara-T. und Krasnowodsk-T., besteht aus
»einem asiat. und europ. Teile (letzterer mit Zitadelle),
Bischofssitz, 136 414 E.; Stapelplatz für den ruff. Handei
nit Zentralasien und Indien; fruͤher Hanptstadt eines
genen Chanats, 1810-66 zu Kokan gehörig.
Taschkurgan, Hauptort der afghan. Landsch. Chulm
Tasimeter, s. Mikrotasimeter. 0f.d5.
Taslidza (Taschliddscha), türk. Name der Stadt Plevlje.
Tasman, Abel Janszoon, holländ. Seefahrer, geb.
602 oder 1608 zu Lutgegast in Groningen, entdeckte
1642-43 auf einer Fahrt von Batavia aus Tasmania,
Neuseeland, die Freundschaftsinseln, die Fidschiinseln,
Neu-Irland und Neubritannien, gest. 1659 in Batavia.
— Vgl. Walker (engl., 1896).
Tasmania, bis 1853 Vandiemensland, Insel im S.
»on Australien, brit. Kolonie und seit 1901 Staat des
Fommonwealth of Australia, von Australien durch die
Baßstraße getrennt, mit den Nebeninseln 67 894 qkm,
1903) 179487 E., fruchtbare Hochebenen und Gebirge
im Mount Creadle 1545 mm); Hauptstadt Hobart; ein—
seimische Bevölkerung ganz ausgestorben. Dependenz sind
die Macquarieinseln. Handel s. Beilage: Australienund
Dzeanien; Eisenbahnen s. Beilage: Eisenbahnen.
— T. ward 1642 von Tasman entdeckt, 1804 wurde von
den Engländern hier eine Verbrecherkolonie angelegt;
1853 zur Kolonie erklärt. — Vgl. Lanterer (1900); über
die Ureinwohner Roth und Butler (engl., 2. Aufl. 1899).
Tasmanland, frühere Benennung des von Abel
Tasman 1642 entdeckten Teils der Nordwestküste Austra—
ciens, jetzt zur Kolonie Westaustralien gehörig.
Tassaert (spr. taͤssahrt), Joh. Peter Anton, Bild⸗—
jauer, geb. 1729 zu Antwerpen, seit 1774 Hofbildhauer
Friedrichs d. Gr. gest. 21. Jan. 1788 als Rektor der
dunstakademie in Berlin; bes. Büsten und Statuen.
Tassajo (span., spr. cho), s. Bukanieren.
Tasse, s. v. w. Banse (s. Scheune).
Tafseln, im 12. bis 14. Jahrh. rundliche Schmuck—
AAatten zum Zusammenhalten des Mantels.
Tafstlo (Thassilo), letzter Herzog in Bayern aus dem
Stamm der Agilolfinger, geb. 742, folgte 748 seinem
Vater Odilo, suͤchte sich von der Frankenherrschaft zu be—
freien, wurde aber 788 von Karl d. Gr. ins Kloster
Lorsch geschickt, gest. 794. Oberösterreich.
Zassiloquelle, Hzrztcue in Bad Hall (j. d.) in
Taßißudon, Residenz in Bhotan (s. d.).
Tassso, Bernardo, ital. Epiker und Lyriker, geb. 11. Nov.
493 zu Venedig, gest. 1569 als Gouverneur von Ostiglia;
dauptwerk Amadigi“ (1560 u. ö.). — Sein Sohn
Torquato T., berühmter Dichter, geb. 11. März 1544
uu Sorrento, lebte am Hofe des Herzogs Alfous II. von
Ferrara in Freundschaft mit dessen Schwestern Lucrezia
und Leonore, ward, da er sich in krankhafter Reizbarkeit