Aluminiumröhren gesteckt und am Kiele einer mittlern
Schwanzfeder befestigt. Im Altertum sehr beliebt, im
Kriege bei Belagerungen zur Aufrechterhaltung des Nach—
richtendienstes wichtig; vom preuß. Kriegsministerinm orga—
nisierte Brieftaubenstationen in den großen Festungen
Das Reichsgesetz vom 28. Mai 1894 betrifft den Schutz
der T. Seit 1871 hat sich auch die Brieftaubenliebhabere
entwickelt. Sie wird durch Bereine und Verbände von
Brieftaubenliebhabern, durch Wettfliegen, Ausstellungen ec.
gefördert. — Vgl. Ruß (1877), Bungartz (1889), Hörter
1890), Roeder (2. Ausg. 18095), Sregae (1899), Herzog
18009; Zeitschrift für Brieftaubenkunde (1886 fg.).
Taubenschießen, in England, Frankreich und Belgien
üblicher Sport, besteht darin, daß man meist perstümmelte
Tauben in die Höhe wirft und beim Davonfliegen herab—
schießt; in Deutschland als Tierquälerei verboten.
Taitbenschwaͤnz, Karpfenschwanz, Karpfenkopf (Ma
oglossa steilatarum L.), häufiger Schwärmer, Vorder—
flügel mausgrau, Hinterflügel rötüchgelb, fliegt bei Tage.
Raupe grün, weiß punktiert, mit zwei gelblichen Seiten—
streifen, auf Labkraut. 1744
Taubenstösßßer, der Hühnerhabicht, s. Habichte Abb.
Taubenwaünister (Ueipoa), eine auf Südaustralien
beschränkte, nur eine fasanengroße Art enthaltende Gattg.
der Großfußhühner.
Tauber, I. Rebenfluß des Mains, entspringt an der
Grenze von Württemberg und Bayern in Mittelfranken,
mündet nach 120 xm bei Wertheim; nicht schiffbar; ihr
Tal (Taubergrund) reich an guten Weinen (Tauberweine)
Tauberbischofsheim, Amtsstadt im bad. Kr. Mos—
bach, an der Tauber, (1908) 3420 E. Amtsgericht, Gym—
nasitm, Gewerbe-, landw. Winterschule, Präparanden—
anstalt. Hier 24. Juli 1866 Gefecht zwischen Preußen und
Württembergern. — Vgl. Berberich (eschichte, 1895).
Taubert, Wilh., Klaviervirtuos und Komponist, geb.
23. März 1811 in Berlin, Oberkapellmeister das., gest.
7. Jan. 1891; schrieb Opern, Sinfonien, Lieder u.a.
—, Sein Sohn Emil T., geb. 23. Jan. 1844 zu Berlin,
seit 1877 Oberlehrer am koönigl. Lehrerinnenseminar das.,
gest. 10. April 1895; schrieb: „Gedichte“ (1868), „Dres
Nopellen“ (1875), poet. Erzählungen u. a.
Taubheit (Sardetas), die Unfähigkeit, Gehörseindrücke
zu empfinden, wird herbeigeführt durch verschiedene Krank—
heiten des Gehörorgans, die im Gehörgange, Trommel—
fell, Mitteloht, innern Ohr, Hoörnervenstamm oder in
den Gehirnpartien, von denen der Hörnerv entspringt,
ihren Sitz haben. Die unvollständige T. (Schwerhörig—
teit) ist teils heilbar, teils durch geeignete Hörmaschinen
(s. d.) zu mindern, die vollständige T.ist unheilbar; sie
ist selten und, weün angeboren, mit Stummheit (Taub—
stumntheit) verbunden. Nach dem Gerichtsverfassungs—
gesetz F 188 ist bei mündlicher Verhandlung mit tauben
oder stummen Personen eine Person als Dolmetscher zu—
zuziehen; in Strafsachen ihnen ein Verteidiger zu bestellen
Taubilder, s. v. w. Hauchbilder (s. d.).
Taubmann, Friedr, Gelehrter, geb 15. Mai 15685
zu Wonsees bei Bayreuth, gest. 24. März 1613 als Prof.
der Dichtkunst in Wittenberg; durch seine witzigen Einfälle
bekannt („Faubmanniana““, 1707). — BVal. Ebeling
3. Aufl. 1884).
Taubnessel, Pflanzengattg., s. Lamium und Galeopsis
Taubotter, die Mokassinschlange (s. Dreiecksköpfe).
Taubstumm, ein Mensch, der infolge von Taubheit
is. d.) stumm geblieben ist. Eine höhere Ausbildung er—
halten die Taubstummen in Taubstummenanstalten, deren
erste in Frankreich 1760 zu Paris durch den Abbeé de
LEpte, in Deutschland 1778 zu Leipzig durch Samuel
Heinicke (s. d.) gegtündet wurde. Der Taubstummenunter⸗
richt sucht den Zoͤgling dahin zu bringen, daß er andere
versteht und sich ihnen verständlich machen kann; als Mittel
dazu wendet die franz. Schnle nur eine Gebärden- und
Zeschensprache (Fingersprache), die deutsche die Laut- und
Schriftsprache an. — Vgl. Mygind, „Tanbstummheit“
1894), Bezold (1896), Danziger (19005, Walther, „Ge⸗
schichte des Tanbstummenbildungswesens“ (1882), ders.
„Handbuch“ (1895), Siebenmann (1904), „Anatomie der
Taubstummheit“ (1904 fg.).
Taubstumme Blinide, Personen, die in früher
Jugend, vor dem schulpflichtigen Alter, taub und blind

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Tau

eworden sind; sie haben somit nur noch drei Sinne
Fühlen, Riechen, Schmecken) und werdeu daher Drei—
innige genannt. Bekannte T. B. sind Laura Bridgman
vpgl. Jerusalem 1880; Howe und Hall, engl., 1904) und
delen Keller (Selbstbiogr., deutsch 1965).
Taucha, Stadt in der sächs. Kreish. Leipzig, an der
barthe, (1905) 4405 E. Amtsgericht; Ranchwarenzurich—
erei; bis ins 15. Jahrh. wichtige Handelsstaͤdt (Messen).
Tauchboote, s. v. w. Unterseeboote (f. d).
Tauchenten (Fuligulidao), Familie der Entenvögel,
mit weit nach hinten stehenden Beinen, Weibchen oft ab—
veichend in der Fürbung. Gattungen:
Moorente (Falix, Fuligula), mit det
Reihereute (F. cristata Steph.), be—
schopft, schwarz, Nordeuropa, Tafel⸗
ente (F. ferins L.), rostrot, schwarz,
zrau, bei uns ziemlich hänfig, eigent—
liche Moorente (F. nyrõca I.), braunrot
 und dunkelbraunrot, Südosteuropa, auch bei uns, Kol—
benente (F. rusiua Palli), Schwarzes und Kaspisches Meer,
Schellenente (F. clangula L. [Abb. 18531), mit weißen
Backen, nördl. Europa, Asien und
Amerika, Eisente (Aarelda), mit H.
zlacialis Leqeh, im hohen Norden;
crauerente (Oidemia), mit der Moh—
renente (O. nigra Graup), schwarz, im
hohen Norden, auch anf der Nordsee,
und Brillenente (O. perspioillata L.),
chwarz, weißer Streif von Auge zu
Auge; Eiderente (Eidergans, Somaterta), mit der ge—
neinen Eiderente (8. mollissima Leqol. Abb. 1854)),
veiß, schwarz, braun, Königsente (S. spectabilis Leqdeh),
wie vorige, dazu grau und rötlich, Weibchen rostbraun, beide
hochnordische Arten. Beide liefern die Eiderdunen, zar—
este Federn, die sich das Weibchen zur Auspolsterung ihres
Nestes ausreißt, und deren Sanmmeln gesetzlich geregelt ist;
benfalls hochnordisch ist die Stellersche Eiderente (Stel—
ersche Eider, Prachteiderente, 8. Stelleri all.), weiß,
grün, schwarz und dunkelblau, Weibchen rostbraun.
Taucher (Impennes, Urinatöres), Ordnung der Vögel,
nit spitzem, seitlich zusammengedrücktem Schnabel, kurzen,
ichelförmigen, zuweilen mit Schuppen anstatt Federn be—
deckten Fluͤgeln, aufrechter Körperhaltung bei weit nach
hinten gerückten Beinen, Schwimmfüßen; Resthocker; leben
mit Vorliebe an felsigen Seecküsten und Flußufern. 3 Fami—
ien: T. (Colymbidae), hierher Seetaucher (s. d.) und Hau—
hentaucher (s. d.), Alken (s. d.) und Pinguine (s. dij.
Taucherapparate, Vorrichtungen zur Ermöglichung
rines längern Verweilens unter Wasser. Taucherkästen
(zuerst 1580 cphnt) wurden 1716
durch Halley mit Lufterneuerungsbe—
hältern versehen; Smeaton führte den—
selben die frische Luft durch eine Druck—
pumpe zu (moch heute üblich); ähnlich
die metallnen Taucherglocken. Zur Un—
ersuchung und Reparatur an Schiffscörpern
 uunter Wasser und ähnlichen
Arbeiten dienen Taucherauzüge; früher
der engl. Staphanderapparat (luftdichter
dantschnkanzug mit metallnem Fer
dem mittels Druckpumpe frische Luft zu⸗
geführt wird), jetzt meist der 1865 von J
Rouquayrol ünd Venayronze konstruierte 1856. Taucher—
Apparat [Abb. 1881 bei welchem sich apparat.
der Druck der eingeführten Luft felbsttätig dem jeweiligen
Wasserdruck anpaßt. In 30 m Tiefe (ca. zwei Atmosphären
Wasserdruch) ist das Arbeiten bis etwa zwei Stunden mög—
lich, bei über 60 m (6 Atmosphären) überhaupt unmöglich.
Zur Verständigung mit der Oberwelt dienen Signalleineuͤ,
——
Lampen. —. Vgl. „Instruktion fuͤr Taucher“ (1881).
Tauchkäfer, s. Schwimmkäfer.
Tauchlafetten, s. Verschwindungslafetten.
Tauchnitz, Christian Bernh., Freiherr von, Neffe von
Karl Christ, Traug. T., geb. 250. Aug. 1816 in Shleinihß
bei Weißenfels, errichtete 1837 eine Verlagsbuchhandlung
und Buchdruckerei in Leipzig (Firma: Bernhard Tauchnitz)
vurde 1860 in den erblichen Adelsstand erhoben, 1866
zroßbrit. Generalkonsul für das Königr. Sachsen, 1877

1854. waderente.