in der Gott (vertreten durch Priester oder einen irdischen
Herrscher) als der eigentliche Negent gilt.
Theokrit, griech. bukolischer Dichter, geb. 800 v. Chr
in Syrakus; seine Idyllen hg. von Fritzsche (mit deutscher
Erklärung, 8. Aufl. 1881), deutsch von Mörike und
Notter (4. Aufl. 1804).
Theolatrie (grch.), Gottesverehrung Gottesdienst.
Theologie (grch, „Lehre von Gott“), Gotteslehre
Die hentige Bedeutung von T. als Gesamtumfang der
Wissenschaft von der christl. Religlon gewann das Wor
erst feit dem 12. Jahrh. (zuerst bei Abälard). Nach der
verschiedenen Erkenntnisquellen unterschieden die Scho
lastiker wie auch der ältere Protestantismus eine natür
liche, d. h. der natürlichen Vernunft erkennhare, und eine
geoffenbarte, d. h. durch übernatürliche göttliche Belehrunç
durch Heilige Schrist' und Tradition) mitgeteilte, T.
aͤhnlich in der Aufklärungszeit rationale oder vernunft
zläubige, und supranaturälistische oder offenbarungsgläu
bige Ti; in neuerer Zeit die nach ihrer voraussetzungs
losen wissenschaftlichen Methode benannte histor.kritische
die an die Bekenntnisschriften gebundene kirchlich-konfes
sionelle und die Vermitilungs-T., die das religiöse und
kirchliche Interesse mit dem wissenschastlichen zu vereinigen
sucht. Als Gesamtkompler der theol. Kenntnisse umfaß
die T. die Wissenschaft vom Ursprung und der, Entwick
lung, vom innern Wesen und vom Fortbestand deet
Christentums; dementsprechend zerfällt sie als Fakultätswissenschaft
 in exegetische (Bibelforschung), histor, Kirchen—
geschichte und Dogmengeschichte), systeniatische (Dogmatik
uͤnd Ethik oder Moral) uͤnd praktische (Lehre von der
Kirche, der Seelsorge, Homiletik, Katechik und Liturgil
T. — Vgl. Schleiermacher, „Kurze Darslellung des theol
Studiums“ (1811 u. ö.); von Frank, „Geschichte und Kritik
der neuern T.“ (3. Aufl., von Seeberg, 1888); Dorner
„Grundriß der Enzyklopädie der T.“, 1501). sgebung
Theomantie (grch.), Weissagung durch göttliche Ein
Theophania, Gemahlin Kaiser Ottos IT.,s. Theophano
Theophanie (grch.), Erscheinung Gottes, in der
hristl. Kirche s. v. w. Epiphania (s. d.).
Theophano, byzant. Kaiserin, geb. um 948, 957 Ge—
mahlin des spätern Kaisers Romanos II., soll diesen 968
dergiftet haben, ließ auch ihren 2. Gemahl Nikephoros
Phokas 969 durch ihren Geliebten Tzimiskes töten, wurde
aber nach dessen Thronbesteigung verbannt. — Ihre und
des Nomanos II. Tochter T. (Theophania) wurde 972
mit Kaiser Otto II. vermählt, nach dessen Tode (983)
Vormund ihres Sohnes Ottos III. und Reichsregentin
gest. 15. Juni 891 in Nimwegen.
Theophilus, nach der Sage im 6. Jahrh. Bistums⸗
oexweser zu Adana, verschrieb sich dem Teufel, erhielt
aber, sein Vergehen bereuend, durch Maria Begnadigung
kath. Gegenstück zur prot. Faustsage, seit dem 10. Jahrh
im Abendlande verbreitet und vielfach dichterisch bearbeitet
— Bgl. Sommer (Iat., 1844).
Theophräastus, griech. Philosoph, geb. um 372 v. Chr.
zu Eresos auf Lesbos, der bedeutendste Schüler des Aristo—
teles, gest. 287 als Haupt der Peripatetischen Schule zu
Athen, besf. bekannt durch seine „Ethioi characteres“
(hg. von der Philolog. Gesellschaft zu Leipzig, 18097)
Werke hg. von Wimmer (1866).
Theophrastus Paracelsus, s. Paracelsus.
Inodnrensti⸗ (grch.), göttliche Eingebung, Inspira⸗
ion (s. d.).
Theopompus, griech. Geschichtschreiber, geb, um 380
». Chr. anf Chios; die Bruchstücke seiner HeUenika“
(Fortsetzung des Geschichtswerts des Thucydides, 4114
394 v. Ehr.) und „Philippika“ (Geschichte aller griech
Staaten 360—336 v. Chr) in Müllers „Historicorum
Graecorum fragmenta“,
B—. (1541).
Theopfie (grch.), das
Sichtbarwerden, Erscheinen
rines Gottes.
Theorbe (ital. Tiorba),
araltes Saiteninstrument des 17. und 18. Jahrh. mit
14-16 Saiten, eine Art Laute [Abb. 1861].
Theorem (grch.), Lehrsatz.
Theorie (grch, eigentlich das Anschauen), Darstellung
iner Wissenschaft in ihrem systematischen Zusammenhange,

1861. Theorbe.

329

The

Herleitung einer Erscheinung aus dem ihr zugrunde
iegenden Gesetz, im Gegensahe zur Erfahrung (Empirie),
wie zur Praxis; theorẽtifch, auf T. bernhend. Theoretiker,
wer sich nur theoretisch mit etiwas beschäftigt.
Theosophie (grch. „Gottesweisheit“), eigentlich Er—
'enntnis Gottes und göttlicher Dinge, gewöhnlich im Sinne
eines auf unmittelbarer innerer aen beruhenden
Spekulierens über die übersinnliche Welt gebraucht. In
Deutschland besteht eine Theosophische Gefellschaft; ihr
Irgan „Thessophischer Wegweiser“ (1897 fg.). — Vgl.
Hexmann (1897), Hartmann (1903), Steier (1804).
Thyeoxrenlen (grch.), d. h. Goͤtterbewirtung, ein haupt—
ächlich Apollinisches Fest, zu dem aber auch die andern
Bötter gleichsam als Gäste zugezogen wurden.
Thera (Thira), Insel, s. Santorin.
Theramenes, athen. Staatsmann, Publizist und Feld—
zerr im Peloponnes. Kriege, nahm an den verschiedenen
Verfassungswandlungen des ausgehenden 5. Jahrh., der
Revolution der Vierhundert 411, wie der Reform der
'og. 30 Tyrannen 404 verhängnisvollen Anteil, mußte
iber noch 404 den Giftbecher leeren.
Therapeutisch (grch.), die Therapie (s. d.) betreffend.
-herapia, Ort am europ. Bosporus bei Böjükdere,
nit den Sommerpalästen europ. Botschafter.
Therapie, Therapeutik (grch.), die Lehre von der Be—
andlung der Krankheiten im allgemeinen (alugemeine
T.) oder einzelner Krankheiten im besondern (spezielle T.).
Die T. ist entweder kausal (auf die Krankheitsursache ge—
cichtet) oder symptomatisch (beseitigt die Schmerzen, das
Fieber u. a.) oder abwartend (expelktativ),. (S. auch Me—
Jizin.) — Bgl. „Enzyklopädie der T.“, hg. von Liebreich
(3 Bde., 1898 — 1900), Gumprecht („Technik der speziellen
T.“, 4. Anfl. 1806), Dornblüth (‚Moderne T.“ 1906);
Ldehrbücher von Ziemssen, Strümpell, Nothnagel'u. a. —
Physik. T., s. Heilverfahren, moderne.
Therese, Pseudonym, Lützow, Therese von.
Theresianische Militärakademie, früher Militär—
kademie zu Wiener⸗Neustadt, österr. Bildungsanstalt, die
Offiziere für Infanterie, Jüger und Kavallerie heranbildet.
Theresta von Jesu (span. Teresa de Jesus), Heilige,
seb. 28. März 1615 zu Apila in Altkastilien, Karme—
iternonne, Reformatorin des Karmeliterinnenordens, gest.
1. Okt. 1582 im Kloster zu Alba de Liste, 1622 kanoni—
iert; Gedächtnistag: 15. Oklt. ss. Beilage: Heilige rc.J.
zhre mystischen Schriften, darunter eine Selostbiographie,
Jeutsch hg. von Schwab (5 Bde., 8. Aufl. 1870) und von
Bräfin Ida Hahn-Hahn (1867). — Vgl. Pingsmann
1886), Ribera (deutsch von Hausen, 1903).
Theresienorden, bayr. Damenorden, von der Königin
Therese 12. Dez. 1827 gestiftet zur Unterstützung von uͤn—
»erheirateten adligen Bamen.
Theresienstadt. 1) T. königl. Freistadt in Böhmen,
an der Eger, (1900) 7046 E., bis 1882 Festung. — 2) T.
Theresiopel), Stadt in Ungarn, s. Maria-Theresiopel.
Therezina, Hauptstadt des brasil. Staates Piauhy,
„berhalb der Mündung des Poty in den Parnahyba,
s 31 523 6.
Theriak (grch.), berühmtes Gegengift in Form einer
datwerge, aus fast 70 Arzneimitteln (darunter Schlangen—
fleisch) zusammengesetzt von Neros Leibarzt Andromachus
aus Kreta, später als Mittel gegen alle ansteckenden
drankheiten betrachtet, noch in der ersten Ausgabe des
Deutschen Arzneibuchs als Klectuarium Theriaca mit
12 Bestandteilen (Angelika-, Schlangen-, Baldrianwurzel,
Zitwer, Zimt, Kardamomen, Opium ꝛc.) aufgeführt und
noch jetzt als Volksheilmittel (Driakel) gebräuchlich.
Theriakwurzel, s. Angelikawurzel.
Theriodönten, große, in der Gestalt des Schädels und
n der Bezahnung auñ die fleischfressenden Säugetiere er—
nnernde Reptilien aus den zwischen Trias uͤnd Jura
iegenden Karruschichten Südafrikas, von plumpem Körper—
au, ziemlich hochbeinig und ohne Schwanz.
Thermäischer Meerbusen, s. v. w. Golf von
Thermalquellen, s. v. w. Thermen. Saloniti.
Thermen (grch.), warme Mineralquellen (s. Mineral—
vässer); bei den alten Römern die öffentlichen Bade—
anstalten, meist prächtig ausgestaltet Tafel: Griechisch—
nenhe Kunst J, 12], thermäl, T. betreffend, dazu
gehörig.