Theseion (d. i. Heiligtum des Theseus, s. d. ) ein nod
ett erhaltener antiker Tenipel im NW. des heutigen Athens
Thesens, attischer Nationalheros, Sohn des Königs
Aigeuͤs und der Aithra, wurde in Trözen erzogen, wanderte
dann nach Athen, säuberte den Weg von ällerhand Un—
holden und erlegte in Kreta den Minotauros mit Hilfe der
Ariadne. Nach' der Heimkehr übernahm er die Herrschaft
und vereinigte die aͤttischen Sondergemeinden zu einem
Staat mit der Hauptstadt Athen. Dann besiegte er die
nach Attika einbrechenden Amazonen und nahm die
Königin Antiope oder Hippolyte zumn Weibe, später heiratete
er die Phaidra. T. 'beteiligte sich am Argonautenzuge
und der talydon. Jagd, kämpfte gegen, die Kentauren,
raubte die Helena, die Schwester der Dioskuren, und
suchte mit sejnem Freunde Peirithoos sogar die Toten—
königin Kore aus der Unterwelt zu entführen. Die Ent—
führung mißlang aber und T. mußte in der Unterwelt
bleiben, bis ihn Herakles befreite, Schließlich floh T
vor einem Aufftand in Athen nach Skyros, dessen König
Lylomedes ihn hinterlistig tötete. Seine Gebeine wurden
im 8. Jahrh. v. Chr. durch Kimon nach Atheu gebracht
und in dem' ihm gestifteten Heiligtum (Theseion) beigesetzt.
Thesis, Thefe (gIrch), ein Saßtz, der erst bewiesen
werden soll; Streitsatz; in der Metrik und Musik, s. Arsis.
Thes mophorien (rch.), griech. Fest zu Ehren der
Deme ter, als der Begrunderin des Ackerbaues und, der
⸗ehelichen Gemeinschaft, im Monat Pyanepsion, (November).
Thesmotheten igrch, „Rechtssetzer“), s. Archont.
Thespiã, alte Stadt in Bbotien, am' Helikon, durch
den Dienst der Musen (Thesviaden) berühmt; Ruinen
bei Erimokastro.
Thefpis, ein Athener, führte 6384 v. Chr. die erstt
Tragoͤdie auf, indem er zu den alten Dionysischen Chören
einen mit dem Chor redenden Schauspieler schuf, gilt
deshalb als Begründer der Tragödie; soll seine Stuͤcke
von einem Wagen herab aufgeführt haben, daher Thespis—
tarren, s. v. w. Wanderbühne.
Thesprotta oder Thesprötis, im Altertum der süd—
wesil. der drei Hauptteile von Epirus.
Thessallen, die östl. Hälfte des nördl. Griechenlands
wicen Olymp, den Kambunischen Bergen, dem Pindos.
ta uͤnd dem Meere, alter Sitz hellenischer Stämme Karte:
Die Alte Welt AII, 1, bei Altertum], im 2. Jahrh. v.
Ehr. von Thessalern besetzt, zerfiel in viele aristokratische
Republiken, die Philipp IT. von Mazedonien 344 v. Chr.
unterwarf; nach 197 v. Chr. wieder selbständig, 146 v. Chr.
röm. Provinz, litt im Mittelalter unter den Einfällen der
Goten, Hunnen und Bulgaren, 193 türkisch, 1881 griechisch
biidet jetzt die Nomen Karditsa, Magnesia, Trikala und
Larissa. — Vgl. Philippson (18987).
Thessalonich (Thessalonike), mazedon. Stadt, am
Thermäischen Meerbusen, unter den Römern Hauptstadt
der Prov. Mazedonien, jetzt Saloniki (s. d.).
Thessalonicher, Briefe an die, zwei Briefe des Paulus
im R. T., geschrieben um 53 von Korinth aus an die
Gemeinde von Thessalonich, betreffen, außer Ermahnungen,
bes. die Wiederkunft Christi; die Echtheit des zweiten viel
fach bezweifelt. Kommentare von H. A. W. Meyer (6. Aufl
1884), Zoeckler (1895), Schäfer (kath., 1890).
Thetis, Nercide, Gemahlin des Peleus, Mutter des
Theuerdank, s. Teuerdank. (Achilles
Theurgie (grch.), die Zauberkunst, sich mit den Goͤtterr
und Geistern in nähere Verbindung zu setzen.
Theuriet (sr. körkeh), Andre, franz. Schriftsteller,
Iet 8.Okt. 1833 zu Marlh⸗le-Roi (Seine-et-Oise), 1896
Mitglied der Akademie; schrieb Dichtungen („Le chemin
des bois“, 1867; „Lé bieu et le noir“, 1873 n. a.)
und zahlreiche Romane, darunter: „Le mariage de
Geérard“ (18768), „Amour d'automne“ (1888), „Tentation“
 (1894), „Gontes de la primeévère“ (1896) u. a.
— BVgl. Besson (Par. 1890). berg).
Theußerbad, Mineralbad bei Löwenstein (Württem⸗
Theurt (spr. tö), alte Stadt in der belg. Prov. Lüttich,
Theveste, s. Timgad. [(1904) ;6521 E.
Thevotise Ahovai, s. Ampe henn
The Bize, engl. Stadt, s. v. w. Devizes.
Thiäki, griech. Insel, s. Ithaka.
Thian⸗schan, richtiger Tien⸗schan(„Himmelsgebirge“).
BSebitge in Zentralasien, 1956 Kmulg., im mittlern Teil

831

Thi

ie Grenze zwischen Rußland und China bildend, mit
Abzweigungen in die westasiat. Steppe, im Chan-tengri
»der Tengri⸗Chan („Geisterkönig“) 6980, im Hik Kauff⸗
mann (im Transalai) 7000 m hoch, östl. vom Chan⸗tengri
der Mussartpaß 3660 m; aus Fergang nach Kaschgar führt
der Terekpaß. Schneegrenze 3600 6000 m; bedeutende
Vletscher (Semenow-, Muschketowgletscher u. a.). [Tafel:
dartoögraphieI.11] Teilnehmer Thiasiõten hießen.
Thiliaͤsos, altgriech. private Kultgenossenschaften, deren
Thibaudeau (spr. tibodoh), Antoine Claire, Graf,
ranz. Historiker, geb. 28. März 1765 zu Poitiers, 1790
donventsmitglied, 1796 Präsident des Rats der Fünf—
zundert, unter Napoleon J. Staatsrat, 1816 —30 in Ver⸗
zannung; gest, als Senator 8. März 1834. „Mémoires
sur la Convention et le Directoire“ (1824) und „Mémoires
 sur le Consulat“ (1827), „Ma biographie, mes
némoires 1765 -92“ (1875) u. a. ss. France.
Thibaut (spr. boh), Anatole, franz. Scriftsteller,
Thibaut (spr. boh), Ant. Friedr. Justus, Rechtslehrer,
jeb. 4. Jan. 1772 zu Hameln, gest. 28. März 1840 als
Lrof. zu Jena; Vertreter der philos. Methode gegenüber
der histor. Schule. Hauptwerk: „System des Pandekten—
rechts“ (2 Bde., 9. Aufl. 1846); schrieb auch „über Rein—
zeit der Tonkunst“ (7. Aufl. 1893).
Thidrekssaga (Thidhrikssaga), norweg. Sammlung
eutscher Heldensagen, in deren Mittelpunkt Dietrich von
Bern steht; enthält auch die ganze Nibelungensage, Wie—
andssage u. a., und zwar nach sachs. Volksliedern; sie ist
im 1250 entstanden. Ausg. von Unger (1853); über—
etzt von Raßmann (1863).
Thiel, niederländ. Stadt, s. Tiel.
Thiel, Andreas, Bischof von Ermland, geb. 28. Sept.
826 zu Lokau bei Seebuͤrg (Ostpreußen), 1888 Prof. in
Braunsberg, 1886 Bischof; veröffentlichte: „Ppistolae
öRomanorum Pontificum genuinae“ (1868) u. a.
Thiele (spr. tlähl), franz. Name des schweiz. Flusses Zihl.
Thielen, Karl von, preuß. Minister, geb. 30. Jan. 1832
uu Wesel, seit 1864 in der Eisenbahuverwaltung, 1881
Präsident der Eiseubahndirektion Elberfeld, 1887 zu Han—
over, 1891 — 1902 Minister der öffentlichen Arbeiten,
1902 geadelt, gest. 10. Jan. 1906 in Berlin.
Thlelnann, Adolf, Freiherr von, General, geb.
27. April 1765 zu Dresden, erst im sächs. Kriegsdienst,
m russ. Feldzuge 1812 Führer der sächs. Kürassiere, trat
1813 zunächst in russ., dann in preuß. Dienst, zeichnete sich
dei Waterloo aus; gest. 10. Okt. 1824 als kommandieren—
der General zu Koblenz. — Vgl. von Petersdorff (1894).
Thielmann, Max, Freiherr von, Diplomat, geb.
1. April 1846 in Berlin, 1888 Gesandter in Darmstadt,
1890 in Hamburg, 1894 in München, 1898 Botschafter
iun Washington, 1897 — 1903 Staatssekretär des Reichs—
Hatzamtes. [11215 E.
Thielt, Stadt in der belg. Prov. Westflandern, (1904)
Thiene (Tiene), Stadtän der ital. Prov. Vicenza, (1901)
Thienen, belg. Stadt, s. Tienen. [7644 E.
Thiengen, Stadt im bad. Kreis Waldshut, an der
Wutach, (1006) 2418 E.
Thien⸗tsin, s. Tien-tsin.
Thierry (pr. tlärih), Augustin, franz. Historiker, geb.
.0. Mai 1795 zu Blois, Mitglied der Franz. Akademie,
Jest. 22. Mai 1856 zu Paris, schrieb: „Histoire do la
Sonquôte do PAngleterrè par les Normands“ (1825 u. h.;
»deutsch 1830-319, „Récit des temps mérovingieng“
1847 u. ö.; deutsch 1855) u. a. — Bgl. Aubineau (2. Aufl.
1879). — Sein Bruͤder Amedee Simon T. geb. 2. Aug. 1797
u Blois, gest. 27. März 1873 zu Paris, ebenfalls Histo—
uker, bearbeitete die älteste Geschichte Frankreichs (Histoire
 des Gaules“, 8 Bde., 1828 n. ö.; „NHistoireo
aeAttila“, 2 Bde., 1856 u. ö.; deutsch 1859 u. a.).
Thiers (spr. tiähr), Stadt im frauz. Dep. Puͤy-de—
Ddme, an der Duroile, (1901) 17 625 E.
Thiers (spr. tiähr), Adolphe, franz. Staatsmann
ind Historiker, geb. 14. April 1797 zu Marseille, seit
821 liberaler Journalist in Paris, begünstigte die Juli—
epolution, 1832 Minister des Innern, dann des Handels
und der öffentlichen Arbeiten, 1886 und 1840 Minister—
‚rasident, bewirkte die Befestigung von Paris, gehörte in
der Nationalversammlung 1848 49 zur orlkanistischen
hartei, seit 1863 als Deputierter zur Opposition gegen