Tobias (grch. Tobit), der Held des apokryphischen
Buches T., eines zur Zeit der assyr. Gefangenschaft (722
spielenden Familienromans zur Verherrlichüng der streng
—V—
Toblasfifsch, s. Sandaal [Abb. 15684. Jahrh.
Tobit, s. Tobias.
Tobitschau, Stadt in Mähren, an der March, (1900)
3009 E.; hier 15. Inli 1866 siegreiches Gefecht der
Preußen gegen die Osterreicher.
Toblach, Gemeinde in Tirol, im Pustertal, an der
Mundung des Ampezzotals, (1800) 1689 6.
Tobler, AÄdolf, Koͤmanisi, geb. 23. Mai 1888 zu Hirzel
Kanton Zurich), seit 1867 Prof. zu Berlin; schrieb: „Vom
franz. Versbau alter und neuer Zeit“ (4. Aufl. 19083)
. a — Sein Bruder Ludwig T., geb. 1. Juni 4821
Sprachforscher und Germanist, seit 1872 Prof, zu Zürich,
gest. das. 19. Aug. 1895; schrieb: „Uber die Wortzusam⸗
nensetzung“ (1868), gab seit 1881 mit Staub das „Schweiz
Idiotikon“ heraus. „Kleine e usꝰ .
Toblins, Sce nud Schloß bei Vezzano in Südtirol.
Zoroggan⸗ Indianerfchlitten, Rutschschlitten, der
ud auf Kufen, sondern auf der ganzen Bodenfläche rutscht.
obol, i. Nebenfluß des Irtysch entspringt im Gebiete
Turgajsk und mündet im Gouv. Tobolsk, 1291 1m Ilg.,
davon 620 schiffbar. Rebenflüsse: Uj, Isset, Tura, Tawda.
Tobold, Adalbert, Laryngolog, geb. 22. Nop. 1827 in
Flatow, Prof. in Berlin, führte die ersten Kehlkopfopera—
ionen vom Munde her aus, erfand Instrumente 2c.; schrieb:
Laryngostkopie und Kehlkopfkrankheiten“ (3. Aufl. 1879) u. a.
Tobolsk, russ. Gouvernement im nordwestl. Sibixrien,
im Gebiete des untern Ob, 3897 682 4km, 1483 048 E. —
Die Hauptstadt T., am Irtysch, gegenüber der Mündung des
Tobol, Bischofssitz, 21401 E., Flußhafen.
Toboso, El, Stadt in der span. Prov. Toledo, 10 kw
rüdofstl. von Quintanar de la Orden, (1900) 1885 E.
Tobsucht, Raserei, krankhafte Steigerung der Willens⸗
cätigkeit, die sich gewalttätig Luft mächt, tritt auf ent⸗—
weder symptomatisch als Delirium faribundum bei hitzigen
strankheiten, oder als eigentümliches Stadium im Ver—
lauf der chronischen Geistestrankheiten. Bes. starke Tobsuchts⸗
zustände, die ploͤtlich und vorübergehend auftreten, und in
denen oft schwere Gewalttätigkeiten begangen werden, die
sog. transitorische Manie, entstehen meist auf epileptischer
Grundlage. (S, auch Manie.)
Tocantins (spr. kangtings), Fluß in Brafsilien, ent⸗
steht aus dem Araguaya und dem obern T., mündet in
einem 222 km langen, bis 64 xm breiten Ästuar (Rio
Para) in den Atlant. Ozean; 2640 Kmulg., 1800 xm
schiffbar, Stromgebiet 979 000 4km.
Toce (spr. tötsche), ital. Fluß, s. Tosa.
Toché (pr. toscheh), Raoul, s. Blum, Ernest.
Töchter des heiligen Kreuzes, s. v. w. Kreuz⸗
chwestern (s. d.).
Tockieren (ital.), berühren, mit den Gläsern zu—
sammenstoßen; mit kecken und vollen Strichen stizzen⸗
ähnlich malen.
Tocqueville (spr. tock'wil), Aleris Clerel de, franz.
Staatsmann und Publizist, geb. 298. Juli 1805 zu Ver⸗
neuil, feit 1839 in der Deputiertenkammer Mitglied der
Anea en Opposition, 1849 kurze Zeit Mimster des
Auswärtigen, gest. 16. April 1869 zu Cannes. Hauptwerke:
 „Da démocratio en Amérique“ (1885 u. ö.).
Iancien régimo et la révolution“ (1856, deutsch 1867)
Sonvenirs“ (1803). — VBgꝗl. Jaques (1876), D'Eichthal
franz., 1897).
Tod, das endgültige Aufhören des Stoffwechsels und
aller auf ihm beruͤhender Lebensprozesse, erfolgt entweder
durch Altersschwäche (Marasmus) oder durch Krankheit
oder gewaltsame außere Einflüsse. Beim Sterben (UÜbergang
vom Leben zum T.) fällt gewöhnlich eine der arcieee
lichsten Lebeustätigkeiten zuerst aus, man spricht daher von
einem T. durch Ohnmacht (Synkope, Aufhebung der Herz—
rätigkeit), durch Stickflüß (Aufhören der Lungentätigkeit)
und durch Schlagfluß (Gehirnlähmung). Häufig geht ein sog.
Todeskampf (Agonie) voraus. Die Sterbe- und Agonie—
erscheinungen bestehen in Verlust der Muskelspannung,
wodurch das eingefallene sog. Hippokratische Gesicht her—
vorgerufen wird, ate des Körpers, oberfläch—
licher Atmung mit Röcheln (Sterberasseln), Schlußunfähig—

15

Tog

eit der Schließmuskeln (unwillkürlicher Abgang von Stuhl
ind Urin), Auftreten klebrigen Schweißes und Erkalten
)es Körpers. Nach dem T. bilden sich die Leichenerscheinungen
s. Leiche) aus, und allmählich geht der Körper in Fäulnis
iber. — Vgl. Götte (1883), Weismann (1884). — Sinn—
zildlich dargestellt wurde der T. bei den Griechen als Genius
mit umgekehrter Fackel, in späterer röm. Zeit wie in der
ieuern Kunst als Gerippe mit Stundenglas und Sense. —
Zuͤrgerlicher T.,s. Capitis deminutio. Schwarzer Tod (s. d.).
Tyre engl. Wollgewicht zu 28 engl. Handelspfund
x8g.
Toda, ein Drawidastamm in den Nilgiri in Süd—
dien, Hirtenvolk mit Polyandrie.
Todaustreiben, Todaustragen, volkstümlicher, aus
iltheidn. Frühlingsfeier hervorgegangener Brauch, bes. im
ostl. und südl. Deutschland, wobei Kinder und juiige Leute
im Sonntag Lätare (Todsonntag) eine den Tod vor—
tellende Puppe aus Stroh unter Absingung von Liedchen
m Orte umhertragen, dann ins Wasser werfen, zerreißen
oder verbrennen.
Toddy (engl.), Palmwein (s. d.), bes. solcher, der eine
Bärung durchgemacht hat; schott. Getränk aus Whisky,
zucker, Wasser und Eis.
Todss Villd. Farngattg. der Osmundazeen, in Austra—
ien und Südafrika. T. barbaära Moore, Kalthauspflanze.
Todeserklärung, der richterliche Ausspruͤch, daß eine
hestimmte Person für tot erklärt werde. Sie erfolgt im
Falle der Verschollenheit, ist aber erst zulässig, wenn seit
ehn Jahren keine Nachricht von dem Leben des Verschol—
senen eingegangen ist. Sie darf nicht vor dem Schlusse
des Jahres erfolgen, in welchem der Verschollene das
31. Lebensjahr vollendet haben würde. Ein Verschollener,
der das 70. Lebensjahr vollendet haben würde, kann für
sot erklärt werden, wenn seit 5 Jahren keine Nachricht
»on seinem Leben eingegangen ist. Leichter sind die Be—
ingungen für den Fall der Kriegsverschollenheit und der
Zeeverschollenheit; dort genügt der Ablauf von 8 Jahren
seit dem Friedensschluß, hier von 1 Jahr seit dem Unter—
tang des Schiffs GBürgerl. Gesetzb. g 13 fg.).
Todeskampf, s. Tod.
Todeslinderung, s. Euthanasie.
Todesstrafe, Kapitalstrafe, bis in die Mitte des
i8. Jahrh. unbestrittenes Recht des Staates, schwere Ver—
brecher duͤrch Hinrichtung (s. d.) am Leben zu sträfen, zuerst
zurch Beccaria (s. d.) angegriffen. Nach der Deutschen
Strafprozeßordnung (8 486) ist die Vollstreckung der T.
m umschlossenen Raun angeordnet.
Todestal, s. v. w. Death Valley (s. d.).
Todi, Stadt in der ital. Prov. Perugia, am Tiber,
901) 16561 E., etrusk. und röm. Ruinen.
Todi, Vogel, s. Plattschnabel IAbb. 1402)].
Tödi, Gebirgsstock der Glarner Aren in der nord—
istl. Schweiz, an der Grenze von Glarus und Grau—
ünden, mit drei Gipfeln: Piz Rusein (3628 m), Glarner
(601 m) und Sandgrat (3434 m).
Todleben, russ. General, s. Totleben.
Todmörden, Stadt auf der Grenze der engl. Grafsch.
Hhork (West Riding) und Lancaster, am Rochdale-Kanal,
8901) 25419 E., Steinkohlenlager.
Todsonntag, s. Lätare und Todaustreiben.
Todsünden (lat. peccata mortalia), nach 1 Joh.
5, 16 fg. solche Sünden, welche, als unverzeihliche, den
geistl. und ewigen Tod nach sich ziehen. Die kath. Kirche
ühlt sieben T., im Gegensatz zu den Erlaßsünden (s, d.)z in
hrer Aufzählung besteht keine UÜbereinstimmung. Christus
selbst (Matth. 12, zufg.) bezeichnet nur die Sünde wider
den Heil. Geist als unverzeihliche.
Todtmoos, Gemeinde im bad. Kr. Waldshut, im
wparzwald, an der Wehra, (1900) 1485 Er; dabei
ungenheilanstalt Wehrawald. 6805) 2372 E.
odtnau, Stadt im bad. Kr. Lörrach, am Feldberg,
coesa, span. Längenmaß — I,e7 m.
cofana, Berg in den Ampezzaner Dolomiten, 3241 m.
Toffang, s. Aqua Tofanga.
Toffingen, württemb. Dorf, s. Döffingen.
Toftlund, Dorf im preuß. Reg.-Bez. Schleswig, (19065)
248 E., Amtsgericht, Strandamt.
Toga, das weiße und ursprünglich wollene Obergewand
der röm. Bürger im Frieden, wonach sie togati oder gens