Ungarisch⸗Kreuz, Großgemeinde, s. Sztkelykeresztür
Ungarisch⸗Oftra, Stadt in Mähren, Bezirksh.
Ungarisch- Hradisch, auf einer Infel der March, (1000)
000 E./ Schloß; Malz⸗, Zuckerfabrikation.
Ungarn (maghar. Magyar-orszatg, Land der Ma—
gyaren, s. d), Königreich, im weitern Sinne (Länder
der ungar. Krone) der östl. Teil (Transleithanien) der
Osterreichisch- Ungarischen Monarchte (s. d. und Katten:
Bsterreichisch-Ungarische Ronarchie TAIV,
außer dem ee uU. noch Fiume, Kroatien-Sla—
wonien und die ehemal. Mili⸗
türgrenze umfassend, zusam⸗
men 324851 4km, (1800)
18 264 559 E.; das eigentliche
U. mit dem 1868 völleg darin
einverleibten Großfuͤrstent.
Siebenbürgen ss. Beilage:
Osterreichifche Ungari—
sche Monarchie]; umfaßt
den größten Teil des Kessel⸗
landes der mittlern Donau,
im NO. und SO. von den
Karpathen begrenzt, meist
sehr fruͤchtbar, reic an Ge—
treide, Wein, Wald, Rineralien, Mineralquellen. Haupt⸗
werbszweige: Viehzucht, Acker⸗, Weinbau, Fischerei,
Berghau. VDie Industrie ist wenig entwickelt, der Handel
lebhaft. Die Verfaffung beruht auf dem Grundgesetz vom
31. Dez. 1867 (1. Ssterreichische Ungarische Monarchie und
Anzalei Wappen: längsgeteilter Fan, rechts vier⸗
wal in Rot und Silber muergeteitn links mit silbernem
Patriarchenkreuz auf einem gekrönten Hügel sAbb. 1804)
Hauptstadt Budapest.
Die Geschichte U.s beginnt um 808 mit der Festsetzung
der Magyaren unter Arpäͤd in Pannonien; sie un—
ternahmen von da Raubzüge nach den beunachbarten
Ländern, bes. nach Deutschland, bis sie sich nach den großen
Niederlagen bei Riade (033) und auf dem Lehfelde
(955) auf bestimmte Grenzen beschrünkten. Unter Herzog
Geisa (3972 0985) und seinem Sohne, Stephan dem Hei⸗
ligen (888 — 1088), wurde das Christentum eingeführt;
leßterer erhielt vomn Papste die Königskrone (Stephansroͤne).
 Unter Ladislaus J. (1077 95) und Koloman
(1095 — 1114) wurde Kroatien, Slawonien und Dal—
matien erobert; Geisa II. (114161) zog deutsche Kolo⸗
nisten ins Land, die in noch größerer Menge zugleich mit
italienischen unter Bela IV. (42385—70) nach dem Mon—
aee (1241) in das entvölkerte Land einwanderten.
Mit Andreas III. (1290 - 1301) starben die männlichen
Nachkommen Arpads aus, und Uü. wurde Wahlreich. Aui
Karl Robert von Anjou (1507 42) folgte Ludwig J.
(1342-82), der 1370 auch König von Polen wurde und
U. zu hoher Macht erhob. Durch seine Tochter Maric
lam U. 1387 an den sputern deutschen Kaiser Sigismund
unter ihm beunen 1391 die Einfülle der Türken, dit
unter Herzog Albrechts V. von Österreich (14137385 als
deutscher König Albrecht II.) Sohn Ladislaus Pofihumus
(1440 - 57) der Gubernator des Feig Joh. Hunyady,
und sein zum König erwählter Sohn, Matthias Torvinus
468 - 90), kräftig en Aber infolge der schwachen
Negigrung des bohm. Königs Wladisslaw 11. (1490 -
1516) und seines Sohnes Ludwig 11. (1816 — 26) kam
nach der Schlacht bei Mohaͤcs (1526) ein Teil U.s unter
türk. Herrschaft; um den Rest stritten sich die Gegen—
könige Ferdinand von sterreich (Ferdinand J.; 1526—
34) und Joh. Zaäpolya, bis sich letzterer 1338 mit Sieben⸗
bürgen und einigen ungar. Komitaten begnügen mußte.
Seitdem zerrütteten Drrearene Kämpfe mit den
don den Türken unterstützten Fürsten von Siebenbürgen
Bethlen Gaͤbor; Frauz Raäksczy) und durch Protestanenverfolgungen
 veraulaßte Unruhen das Länd; endlich
erlangte das Haus Habsburg nach Besiegung der Tür—
ken 1688 auf dem Preßburger Reichstage die Erblichteit
der ungar. Krone und im Frieden von Karlowitz 1699
die Zurückgabe des von der Pforte bisher besetzten
ungar. Gebietes und Siebenbürgens. 1738 erfolgte die
noch jetzt bestehende Abgrenzung U.s im Süden durch den
Frieden zu Belgrad. Maria Theresia regelte 1768 die
Antertanenverhältnissfe durch das sog. Urbarium; Jo—

AUUnqu.

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Ung
ephs II. Reformmaßregeln riefen große Unzufriedenheit
expor und mußten 1780 größtentes wieder anfgehoben
verden. Das rücksichtslosc, verfafsungswidrige Vorgehen
er österr. Regierung in U rief feit 1828 eine natibnate
ind liberale Opposition (Szechenyi, Batthyanyi, Kossuth)
ervor, die eine neue Konstitution und ein selbstündiges
ingar. Ministerium erstrebie. Ihre Forderungen wurden
nach dem Wiener Märzaufstand von 1848 seitens der
Regierung bewilligt, erregten aber den Widerstand der
dahei unberücksichtigten nichtmagyar. Völker; die Kroaten
erklürten ihre Lostreunung von U. und schritten 11. Sept.
unter Jellachich zum Kampfe. Unter Kossuths Vorsitz
vdildete sich ein Landesverteidigungsausfchuß;“ die Ert
nordung des königl. Kommissars Grafen Lamberg auf
der Pest⸗Ofener Brücke 28. Sept. war das Signal zum
offenen Auflodern der Revolution. Die kaiserl. Armee
unter Fürst Windisch-Grätz besetzte 5. Jan. 1849 Budapest
ind siegte 27. Febr. über Dembinsti bei Käpolna; der
geue ungar. Oberbefehlshaber Görgey schlug darauf die
Osterreicher mehrmals und eroberte 21. Man Ofen. Als
anun Kossuth den Reichstag zu dem Beschlusse fortriß, das
Haus Habsburge Lothringen des Throns fur verlustig zu
erklären und selbst als Präsident die Regierung übernahm,
cief Osterreich die Intervention Rußlauds an. Das ruff.
Heer unter dem Oberbefehl von Paskewitsch drängte die
Ungarn unter Bem aus Siebenbürgen, der kaiserl. General
haynau schlug sie 9. Aug. entscheidend bei Temespaͤr,
vorauf sich der zum Diktator ernannte Görgey den Russen
hei Vilägos egat U. ward 1880 unter Wtrennung der
Nebenländer Kroatien, Slawonien, Siebenbürgen ein
kronland der Osterr. Monarchie. Die Notlage nach dem
Ital. Kriege von 1859 zwang die Regierung in Wien
ur Nachgiebigkeit; 20. Okt. 1860 wurde die aͤlte ungar.
Berfassung im wesentlichen wiederhergestellt. Die Ungearn,
inter Führung Deals, erstrebten aber völlige Wiederher⸗
tellung der Gesetze von 1848. Nachdem schon 20. Sept.
865 die Februarverfassung (von 1860) des Reichs sistiert
vorden, führte der Krieg von 1866 die vollständige Er—
üllung der ungar. Wünsche herbei. Unter dem Ministerium
Beust erfolgte der Ausgleich mit U. (17. Febr. 1867); es
rhielt die Nebenländer wieder, sein eigenes Ministerium
Andraͤssy erster ungar. Ministerpräsident), eine eigene
honvedarmee und Gleichstellung mit Hsterreich in allen
emeinsamen Augelegenheiten. 1868 kam es zum Aus—
leich mit Kroatien. 1878 wurde eine neue wirtschaftliche
dereinbarung mit Zisleithanien zustande gebracht und
der Ausgleich auf 10 J., 1888 abermals auf 10 J. er—
zeuert. Seit der staatlichen Selbständigkeit U.s waren die
Magyaren als herrschendes Volk bestrebt, das Land völlig
zu magyarisieren. 1875— 90 war Koloman Tisza Minister—
hräsident, unter dem 1878 die Besetzung Bosniens statt⸗
iand. 3 folgte 1890—82 Szapaͤry, 1892 -94 Wekerle,
der die Einführung der obligatorischen Zivilehe und ein
Besetz über die Religion der Kinder aus Mischehen durch—
setzte. Am 14. Jan. 1885 bildete Bänffy ein neues Miniterium,
 das die kirchenpolit. Vorlage ganz durchsetzte.
Als 1888 der neue Ausgleich mit Osterreich verfassungs—
näßig nicht zustande kam, verlängerte Baäuffy den bis—
jerigen Zustand durch Verordnung, was zu energischer
Opposition der Minderheit im Reichssstage führte. Da
iese Opposition nicht zu beseitigen waär, uͤbernahm Kolo⸗
nan von Szell das Ministerium. Eine Einiguͤng über
»en Ausgleich, die 1902 zwischen beiden Regierungen
ustande kam, fand nicht die Zustimmung der Parlamente,
»ielmehr führte das Verlangen der Ungarn nach weiterer
Nagyarisierung der Armee zu neuen Zerwürfnissen und
ur Obstruktion, so daß 14. Juni 1908 das Ministerium
Szell zurücktrat, dem ein solches unter Graf Khuen—
5cdervary und 31. Okt. ein neues unter Stephau Tisza
olgte, der 10. März 1804 die Obstruktion brach. Doch
ührte sein gewaltsames Vorgehen bald zu neuem erfolg⸗
eichen Auftreten der Opposition und 1. Febr. 1006 zum
stücktritt des Kabinetts, dem erst 18. Juni ein ncues
unter Fejervary folgen konnte, das die Steuer— und
Rekrutenverweigerung der Magyaren mit Auflösung des
Reichstags (18. Febr. 1806) beantwortete. Da die Neu—
vahlen eine große Mehrheit für die Opposition ergaben,
o berief der Fönig aus deren Führern ein neues Rimi⸗
terium unter Wekerle, dem er geftaltete, den gemeinsamen