bestellten Vermögensverwaltern und mit einem gewissen
öffentlichen Charaͤtter bekleideten Gewerbtreibenden unter
35 ihrer Pflichten verübte Unredlichkeit; mit Ge—
fängnis bis zu 5J. bestraft.
Vnus pro multis (lat.), einer für viele.
Unvermögen, mänuliches, s. v. w. Impotenz (s.
Unverritzt, im Bergbau, s. Feld. Impotent).
Unvordenklichkeit, unvordenkliche Verjaͤhrung, der
Zustand einer Rechisausübung, die seit Menfchengedenken
bestanden hat, galt nach Gemeinem Recht als Erwerbs—
grund für das betreffende Recht oder als Beweis für
den Bestand des Rechts. Das Deutsche Bürgerl. Gesetzbuch
kennt die U. nicht.
Unwiderstehliche Gewalt, jene physische Gewalt,
Jegen welche ein Widerstand nicht möglich ist. Wird
jemand durich U. G. zu einer an sich strafbaren Hand—
lung genötigt, so bleibt er wegen Rotstands straflos
Reichsstrafgesetzb. 82).
Unz, der Mittellauf des Karstflusses Laibach (s. d.).
Unze (lat. meia), früher sehr verbreitetes Gewicht,
in Deutschland zu I, Pfund (1 Mark), im Medizinal⸗
gewicht — 18 Medizinalpfund; im alten Rom (Uncia)
0 As oder Pfund, dann überhaupt Ujꝛ jedes Ganzen.
— —
Unze, Raubtier, s. Jaguar; pers. U., s. Irbis und
Tafel: Asiatische Tierwelt, 17.
Unzelmann, Karl Wilh. Ferd. Komiker, geb. 1. Juli
IBs zu Braunschweig, gest. 21. April 1832 zu Bexlin.
Seine Gattin waͤr Friederike Bethmann (s. d.). Sein
Sohn Karl Wolfgang U., geb. 6. Dez. 1786 in Berlin,
ebenfalls Schauspieler, entleibte sich zu Berlin 21. Mär;
1843. Dessen Bruder Friedr. Ludw. U., geb. 1797 in
Berlin, Begründer des modernen Holzschnitts, gest. 29. Aug.
1854 zu Wien. Des vorigen Nichte, Berta U., Schau⸗
spielerin, geb. 19. Dez. 1822 zu Berlin, 1849 — 54 am
Burgtheater in Wien, gest. 7. März 1858.
Ungialbuchstaben, unzialen, einen Zoll (lat. uncia)
hohe Buchstaben für Monumente ꝛc., auch große Anfangsbuchstaben.
 Die alte Unzialschrift ist die mebr abgerundete
altröm. Schrift.
AUnzucht, Sittlichkeitsverbrechen, fleischliche Vergehen,
jede Verletzung der Geschlechtssittlichkeit und Züchtigkeit.
Die Überwachüng der einfachen U. steht im modernen
Staate der Sitten- und Gesundheitspolizei zu (Reichs—
ttrafgesetzb. F 361, 6); die U. unter erschwerenden Um—
stünden Ehebruch, Bigamie, Blutschande, Notzucht, Vor—
nahme unzüchtiger Händlungen mit Gewalt, Kuppelei,
U. mit Kindern under 14 J., Verführung eines unbe—
scholtenen Mädchens unter 16 J. zum Beischlaf, wider—
natürliche U.) straft der Staat; dasselbe gilt bezüglich
Verkaufs, VBerbreitung und Ausstellens unzüchtiger Schrif⸗
ten und Abbildungen sowie der Begehnng einer unzüch—
tigen Handlung zum öffentlichen Ärgernis 88 171 -184)
Unzurechnungsfaͤhigkeit, s. Zurechnung.
Vpanishad (spr. schad), Name ind. Traktate, die die
iltesten philos. Spekulationen der Inder enthalten, — Vgl.
Deussen (1899), der auch sechzig V. übersetzte (2. Aufl. 1906).
Upas (malaiisch, „Gift“), mehrere aͤuf den hinterind.
Inseln und Philippinen gebräuchliche Pflanzengifte. Be—
rüchtigtes das vom Upasbaum (s. Antiaris) stammende
Pohon⸗- oder Boon⸗ U. (S. auch Pfeilgifte.)
Upernivik, nördlichster däu. Distrikt Grönlands,
1901) ca. 960 E.; die Missionsstation U. auf einer Insel.
Uphues (spr. ufuhs), Jos. Bildhauer, geb. 28. Mai
1850 zu Saffenburg i. Westf, in Berlin tätig; Bogen⸗
schütz, Porträtstatuen (Kaiser Wilhelm T., Friedrich MI.,
Moltke; Markgraf Otto II. und Friedrich I. Tafel:
StatueJ, 91 für die Berliner Siegesallee) sowie Büsien.
Upolnu, zweitgrößte der Samoainseln, mit Nebeninseln
868 4km, (18902) 19842 meist chrisil. E., fruchtbar und
vulkanisch; Hauptstadt Apia; seit 1899 deutsch. sc. auch
Tafel: Ethnographie II, 91]
Apper Avon spr. öpper ehwn), Fluß, s. Avon.
Uppingham (spr. öppingämm), Stadt in der engl
Srafsch. Rutland, (18901) 40305 E., alte Lateinschule (1681)
Upfala, Hauptstadt des schwed. Läns upfala (5313 qkwa,
1904: 125 541 E.), am Fyris, 24 150 E. seit 1164 Sih
des Erzbischofs, got. Domkirche (1260 —1488) mit pracht⸗
vollen Grabmälern Gustav Wasas, Linnes u. sa., Unipversi

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Ura

ät (1477 gegründet); Bibliothek mit 316 000 Bänden
und 14000 Handschriften (Codex argenteéus des Ulfilas),
dotan. Garten, Sternwarte, Gefellschaft der Wissenfchaften;
in der Nähe das jetzige Bauerndorsf Gamla⸗U. (Alt⸗u.),
einst Hauptsitz des Äsakultus und des Oberpriesters.
Upftallsbom, Hügel bei Aurich (s. d.).
Ur, s. v. w. Auerochs.
Ur, s. v. w. Raseneisenstein.
Ur, Stadt im nördl. Mesopotamien, Vaterstadt Tarahs,
des Vaters Ahrahams (1 Mos. 11 u. 15), Haupistadi
des Babylon. Reichs von Sumer und Akkad, Ruinen von
Rawlinson entdeckt.
Urabä, Golf von, der südl. Teil des Busens von Darien.
Urach, Oberamtsstadt im württemb. Schwarzwaldkreis,
am Zuße der Alp, an der Erms, (1908) 5116 E. Amtszericht,
 evang.etheol. Seminar, Latein-, Realschule: dabei
Ruine der Festung Hohen⸗U.
Ural (ostjakisch, Gürtel“), die Montes Uyperborsi
oder Biphaei der Alten, Gebirge an der Grenze Afiens
and Europas vom Karischen Meer bis zu den Üfern des
Aralsees, von N. nach S. 2560 xm lg., zerfällt in N den
nördl. oder wüsten ., bis zu den ——— mit
dem Töll-pöss-is (1688 m); 2) den mittiern, permischen
»der Jekaterinburger U. bis zu den Quellen der Ufa,
ceich an Mineralien, mit dem Konschakowstij (1462 m),
Deneshkin (1633 m); 3) den südl. oder Orendurgischen
A.,. waldreich, aus drei auseinandergehenden Kaͤmmen
hestehend: dem Ural-tau, den JIsmenischen (im O.) und
den Urengaischen Bergen (im W.), mit dem Jaman⸗-tau
(1642 m), JIremel (1595 w). Swischen Sakmara und
Aralfluß ziehen sich die Guberlinischen Berge mit den
nördl. Fortsetzungen Kurjuk, Kyrkty und Irendyk. Ge⸗—
winnung von Gold (1803: 548), Platin (366 Pud),
Eisenerz (etwa 80 Mill. Pud), Kupfer⸗, Schwefel⸗, Ran⸗
ganerz, Salz, Steinkohle; anßerdem Diamanten und
indere Edel- und Halbedelsteine. — Val. Hochstetter
1873), Hiekisch (1882).
Ural, früher Jaik, Fluß in den russ. Gouv. Orenzurg
 und Uralsk, entspringt im südl. Uralgebirge, mündet
aach 2396 Kmauf der europ.zasiat. Grenze bei Gurjew in
das Kaspische Meer; Flußgebiet 249 549 4km. Uralische
dinie, s. v. w. Orenburgische Linie (s. Orenburg).
Ural⸗Altaische Bölker und Sprachen (früher
auch turanifche, sinnisch⸗tatarische genannt), Inyr von
Sprachen und Völkern, die vorzugsweise iin nördl. und
sohen Asien sowie im N. und O. Europas heimisch sind,
hre Ursitze aber im Altai hatten. Sie gehören saͤmtlich
in den agglutinierenden Sptachen und umfassen fünf große
Fanmilien? N die tungusischen Sprachen; 2) die mongo⸗
ischen; 8) die türk, Familie, in der namentlich das Ssnanische
 und das Osttürkische oder Tschagatai sich zu Schristprachen
 entwickelt haben; 4) die samosedischen Sprachen;
9) die finn. Sprachen, mit dem eigentlichen Finnischen und
dem Magyarischen. — Vgl. Winkler (1884 u. 1886).
Uralit, Mineral, eine schwarzgrüne, seidenglänzende,
tinaserige Hornblende, auf nassem Wege aus AÄugit ent⸗
anden.
Uralith, Steinmasse aus Asbest, Kreide, Alaun und
erschiedenen Silikaten, lüßt sich zu Tafeln schneiden und
nageln, dient zu Wandbekleidungen, Dächern, Möbeln,
Uralkauz, s. Eulen. chem. Gefüßen u. a.
Uralkosaken, s. Kosaken.
Uraälsk, Gebiet im westl. Teile von Russ.- Zentral—
asien, geographisch zum Teil (rechts vom Uralflusse) noch
zu Europa gehörig, Steppe, im SO. unter das Niveau
des Schwarzen slech sinkend und an das Kaspische
Meer grenzend, 860 488 ꝗkm, 645 121 G., meist Kirgisen,
dann Russen, Tataren, Kalmücken. — Die Hauptstadt u.,
an der Mündung des Tschegan in den Ural, 388819 6E.
Urämte (greihi), Harnvergiftung, Harnstoffvergiftung
des Blutes, entsteht, wenn die Absonderung des Harns
durch die Nieren uͤnterbrochen und Werh Harnstoff im
Blute zurückgehalten wird, am häufigsten bei der Bright⸗
chen Krankheit; erzeugt Erbrechen und Schweiß mit üri—
noͤsem Geruch, Delirien, tiefe Betäubung (urämisches Koma),
rämpfe, dühmungszustände; nur leichtere Grade heilbat
—.Bgl. Landois (1889), Guyon (deuisch 1897).
Uran (chem. Beichen V), von Klaproth 1789 entdecktes
Metall, findet sich im Uranpecherz, Uranglimmer, Uranocker