Urft, r. Nebenfluß der Roer (Rheinprovinz), Talsperre
uunterhalb Gemünd und des Einflusses der Olef(s), bei Mals—
benden (52,8 m e 45 Mill. ebm).
Urga, Kuren, Hauptstadt der nördl. Mongolei, an der
Tola und der Poststraße von Kiachta nach Kalgan (China),
30 000 E., Sitz des Oberpriesters der buddhist. Mongolen
(10 000 Lamas).
Urgel, Ses v (spr. chehl), befestigte Stadt in der
span. Vrov. Lerida, am Segre, (1900) 3044 E.
Urgendsch, Chanat, s. Chiwa.
Urgent (lat.), dringend; Urgenz, Dringlichkeit.
Urgeschichte, Vorgeschichte, Bruhistorie, die Wissen⸗
schaft, die sich mit der Zeit der Menschheit beschäftigt, aus
der keine mündliche oder schriftliche üͤberlieferung vorliegt.
Man teilt die vorgeschichtliche Zeit in die ältere und jüngere
Steinzeit, die Kupfer-, die Bronze- und die Eisenzeit;
letztere bestehend aus Hallstätter Zeit und La-Tene-Zeit
. diese Artikel und Megalithische Denkmäler, Ffahl⸗
bauten c Abändernugen der letztern bringt der Einfluß
der röm. Kultur. sHierzu Tafeln: Urzeit Tu. IIund die
Abb. 292, 439, 674 776, 986.) — Vgl. Caspari (2. Aufl.,
2Bde., 1877), de Nadaillac (deutsch 1884), Rauber (2 Bde.
1884), M. Hoernes (1892, 1898, 1803 u. 8. Aufl. 1805),
S. Müller deutsch 1897 u. 1906), Götze (1888), Beck
(1899); Schurtz, „U. der Kultur“ (1900), de Mortillet
franz., 8. Auft. 1800), Weule (1902), Schwalbe (1804);
Schrader, „Sprachvergleichung und U.“ (3. Aufl. 1800 fg9).
Urgewicht, s. Normalmaß. lbestehen.
Urgieren (lat.), drängen; auf etwas
Urginea Steinh. Pflanzengattg. der Li—
liazeen, Zwiebelgewächse mit langen, weißen
Bluͤtentrauben. U. Scilla Steinh. (Scilla
maritima L., echte oder gemeine Meer—⸗
zwiebel, Squille [Abb. 1888; 4 Blüte)),
an den Küsten des Mittelländ. Meers und
des Atlant. Ozeans. Zwiebel gegen Wasser—
fucht, als harntreibendes Mittel ic. in Form
der Tinktur, des Meerzwiebelhonigs, Meer⸗
zwiebelessigs ec. medizinisch verwendet. Weee
Urheber, s. Aullor und Urheberrecht; *
über den U. einer strafbaren Handlung (Reichsstrafgesetzb—
ð8 47, 49, 267) s. Intellekt.
Urheberrecht, Autorrecht, auch Geistiges Eigentum
genannt, das Recht, über die Vervielfältigung und Ver—
öffentlichung eines Geistesproduktes (Werkes der Wissen⸗
schaft, Literatur und Kunst) ausschließlich zu verfügen,
in Deutschland (s. Nachdruck) geschützt während der Lebens⸗
dauer des Urhebers und 80 8. nach seinem Tode, bei
anonymen und, pseudonymen oder von gelehrten Gesell⸗
schaften ꝛc. veröffentlichten Werken 80 J. nach der Heraus⸗
gabe. Verletzung des U. hat Entschädigung des Be—
einträchtigten, Geldstrafe bis 8000 ⸗ und Konfiskation
zur Folge (Gesetz vom 19. Juni 1801). Nach der Berner
Literarkonvention vom 8. Sept. 1886 (revidiert 1886) ge⸗
nießen die — eines Vertragsstaates in jedem
andern 3 taate bezüglich ihrer U. an Werken der
Literatur und Kunst gleichen Schuß wie die Einheimischen.
— Vgl. Voigtländer (1901), Kuhlenbeck (1901), C. Mülle⸗
(1901 fg.), Schuster (für Österreich; 1899).
Urhuhn, das Auerhuhn (s. d.).
Uri, Strom in Afrika, s. Limpopo.
Uri, einer der schweiz. Waldkantone, 1076
qIkxm, (1800) 19 700 meist kath. und deutsche
E. Is. Beiläge: Schweiz], Hochalpenland
Arner Alpen), von der Reuß durchströmt und 18
der W8 durchzogen; Hauptort Alt⸗
dorf. — Val. Lusser Geschit ; 1862), „U. Land und Leute“
(1902). Handbuch von Maltby (1874).
Uria (riya), ind. Sprache, gesprochen in Orissa. —
Uria, Gatte der Bathseba, Feldherr Davids, der ibn
durch einen von U. selbst dem Oberfeldherrn Joab über—
brachten Brief dem Tode weihte (2 Sam. 11), daher
Urigsbrief, ein dem Überbringer verderbliches Schreiben.
Uriage (spr. ürkahsch), Kurort im franz. Dep. Isere,
zur Gemeinde Saint-Martin d'Uriage (1801: 1784 E.)
—
Urlbante, Oberlauf des Apure (s. d.).
Uridrosis, eigentlich Urhidrosis (grch. „Harn—
schwitzen“), bei Urümie die Abscheidung“ von Harnstof

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Urn
nit dem Schweiß, so daß sich oft ein reifähnlicher Bela
auf der Haut bildet. h si oß inb —
Uriel (hebr., „Licht Gottes““), in der jüd. Mythologie
Name eines der vier Erzengel, zur Linken von Gottes Thron.
Urim und Thumnmim (hebr. nach Luther Licht
ind Recht“), althebr. Orakel (2 Mos. 28), von den
zriestern, spüter nur vom Hohenpriester gehändhabt.
Urin (lat.), s. Harn; urinos, harnstoffhaltig
Urina tores, s. Taucher.
Urinsistel, s. Harnfistel. ssäure (s. d.).
Uringäure, s. v. w. Harnsäure (s. d.) und Hippur⸗
Uri⸗-Rothstock, Gipfel der Dammagruppe in den
zerner Alpen, 2932 m ü. d. M.
Urk, Insel im Zuidersee, zur niederländ. Prov. Nord⸗
solland gehörig, 80 qkm, (1899) 2764 E.
Urkunde Gunetrumentum, Documentum), im weiern
 Sinne jeder Gegenstand, der Spuren, menschlicher,
uuf UÜberliefexung einer rechtlich erheblichen Kunde berech⸗
ieten Tätigkeit darbietet; im engern Sinne derartige
Schriftstücke; teils öffentliche, von einer Behörde oder
einer Urkundsperson (s. d.) aufgenommen, teils Privat⸗U.
Arkundenbeweis, im Zivilprozeß der Beweis durch Schrifttücke,
 angetreten durch Vorlegung der U. seitens des Be⸗
veisführers und Prdund durch die gegnerische Partei.
Befindet sich die U. im Besitze des Gegners, so ist dem—
elben Vorlegung aufzugeben; bestreitet er den Besitz, fo
jat er den sog. Editivnseid zu leisten.
un rundenfälschung, der Mißbrauch der Urkunden—
orm in rechtswidriger Absicht, vom Deutschen Reichsstraf⸗
gesetzbuch (Gß 267—280) mit Gefängnis bis zu 5 J., wenn
unternommen, um sich oder einem andern einen Ver—
mögensvorteil zu verschaffen oder einem andern Schaden
zuzüfügen, mit Zuchthaus bedroht. Intellektuelle u. liegt
dann vor, wenn jemand vorsäützlich eine falsche Beurkundung
zurch einen öffentlichen Beamten. der selbst sich in gutem
Zlauben befindet, bewirkt.
Urkundenlehre, s. v. w. Diplomatik.
Urkundenprozeß, summarisches Verfahren, das bei
ofort urkundlich nachgewiesenen Forderungen des Gläu—
igers die Verteidigung des Beklagten gewissen Beschrän—
ungen unterwirft (Deutsche Zivilprozeßordn. v88 692-601).
urkundenverbrechen, außer der Urkundenfälschung
s. d.) die Vernichtung, Beschädigung oder Unterdrückung
iner fremden Urkunde (nach Deutschem Strafgesetzb. 8274
Strafe: Gefängnis bis zu 53.), die Grenzfälschung (f. d.),
»ie Fälschung von Stempeln, Post- und Telegraphenvertzeichen
 (K275, Strafe: Gefüängnis nicht unter 3 Mo—
iaten), die Fälschung von ärztlichen Zeugnissen (g98 277
—278, Gefängnis von 1 Mongat bis 23.) und von Legiti—
nationspapieren (Haft oder Geldstrafe bis 160 0).
Urkundspersonen, zur Beurkundung gewisser Tat—
achen amtlich bestellte und mit öffentlichem Glauben aus⸗
jestattete Personen (Standesbeamte, Notare ꝛc.).
Urläuter, s. v. w. Degras (s. d.).
Urlichs, Ludwig von, Archäolog und Philolog, geb.
). Nov. 1813 zu Osnabruͤck, 1847 d in Greifswald,
18585 in Würzburg, gest. das. 3. Nov. 1889; veröffent—
ichte: „Charlotte von Schiller und ihre Freunde“ (3 Bde.,
18530 ⸗66), „Beiträge zur Kunstgeschichte“ (1888) u. a.
Urmaß, s. Normalmaß.
Urmenschen, Dilnvialmenschen, Menschen aus vorge⸗
chichtlicher Zeit v Diluvium, wahrscheinlich auch im Ter⸗
ciüx). (S. auch Menschenrassen und Homo primigenius.)
Urmi(aä) (Urumijah), See von Täbris, Salzsee in der
erf. Prov. Aserbeidschan, 4660 qkm, 1330 mü. d. M.,
ohne Abfluß. Unweit die Stadt U. am Schahertschai,
38 000 E. (meist schiitische Mohammedaner).
Urmund, s. Gaͤstrula.
Urnen (lat.), die bes. in prähistor. und klassischer Zeit
ur Aufbewahrung der Asche verbrannter Leichen benuhten
Tongefäße Abb. 292, 674, 776; Tafel: Urzeit I, bei
Urgeschichtes; neuerdings auch aus Metall für die Urnten⸗
allen der Krematorien.
Urner See, der südlichste Teil des Vierwaldstätter
Sees, von der Mündung der, Renß nördl. bis Brunnen,
vo er mit dem Buochser oder Gersauer See verbunden ist.
Urningsliebe, Trieb zum geschlechtlichen Verkehr mit
Personen des gleichen Geschlechts; Ürninge, Personen mit
erartiger konträrer Serxugalempfindung.