Vespucci (spr. puttschi), Amerigo, Reisender, nach dem
Amerika benannt ist, geb. 8. März 1451 zu Florenz, kam
als Kaufmann nach Spanien, nahm 1498- 1500 an der
Entdeckung von Venezuela (unter Hojeda), 16014 an
weitern Reisen bis Brasilien (1503)4 unter G. Coelho)
teil, gest. 22. Febr. 1612 Sevilla. In einer Sammlung
von Briefen über seine Reisen („Cosmographiae introductio
 ꝛc.“, Saint⸗Die 1607) schlug der Herausgeber Mar—
tin Hylacomylus (Waltzemüller) infolge der größern Po—
pularität des V. im Verhältnis zu Kolumbüs vor, die
RNeue Welt dem V. zu Ehren „Amerika“ zu nennen. —
Vgl. Ramboldi (ital. 1898), Conti (ital. 1898), Hugues
(ital., 1898), Trübenbach (1888), Üzielli (ital., 1889).
Vesta, enisprechend der griech. Hestia (s. d.), die italische
Göttin des Herdfeuers, besaß in jedem Hause ihren Altar,
in Rom einen hochheiligen Rundtempel am Forum, in
dem ihre Priesterinnen, die Vestalinnen (s. d.), das ewige
Feuer unterhielten. Ihr Hauptfest, die Vestalia, fand
am 9. Juni statt.
Vestalinnen, Vestalische Jungfrauen, die Prieste—
cinnen der Vesta (s. d.) in Rom, die ursprünglich vom
———
zojähr. Dienste konnten sie austreten und heiraten; bis
dahin waren sie zu strenger Keuschheit und zu klösterlichem
Zusammenleben verpflichtet; Bruch der Keuschheit ward
mit Lebendigbegrabenwerden bestraft. (Flur
Vestibül (frz., lat. vostibulum), Vorhof, Vorhalle,
Vestigia terront (lat.), die Spuren (der von dir ge⸗
töteten Tiere) schrecken (mich) ab, Zitat aus Sa „Epi⸗
steln“ (I. 1, 74), bezieht sich auf die Äsopische Fabel vom
döwen und Fuchs.
Vestris, Francoise Rose, franz. Schauspielerin, geborene
Gourgaud, geb. 7. April 1743 in Marseille, vermählt mit
dem ital. Tünzer Angiolo V. (gest. 1808 in Paris), 1768-1803
 am Théatre franqais, gest. 5. Okt. 1804 in Paris.
Vesullian, Besullien (spr. wesülltäng), Schichtenfolge
don Kalk- und Mergeloolithen im Obern Dogger Loth—
ringens, benannt nach Vesoul.
Vesuv, der einzige noch tätige Vulkan auf dem europ
Festlande [Abb. 18181, 12 xm östl. von Neapel Karte
Italien Z 6], bis 1806: 1301 mhoch, bei dem Ausbruch
»om (5./6.) April 1906 durch Einsturz um 100 merniedrigt,

— —
74

5. — — ———
1918. Vesuv (ichematisches Vrofil: vor dem Ausbruch von 1906)

mit einer Basis von 16 Km, durch eine Schlucht von einem
frühern Krater, Monte Somma (1137 m), getrenut, mit
ausgezeichnetem Observatorium; bis nahe an den Gipfel
führt seit 1880 eine Drahtseilbahn (820 m lg.; 1906 zer⸗
stört), an den Abhängen zahlreiche Ortschaften (Portici,
Resina, Torre del Greco, Torre Annunciata, Bosco reale,
Boscotrecase 1906 zerstört!, San Giorgio u. a.) und reich
Vegetation, bes. Wein; haufige gtig Eruptionen, bes
78 n. Chr., 1681, 1822, April 1872, April 1006. Vgl.
Schneer und von Stein-Nordheim (2. Aufl. 1896), Ba⸗
ratta (ital. 1897), Furchheim (Bibliogratia 1J, 18087).
Vesuvian, Idokras, Wiluit, tetragonales, meist gruͤnes
oder braunes Mineral, Silikat von Tonerde, Eisenoryd
und Kalk, mit etwas Eisenoxydul, Magnefia ꝛc.; auf
——
mineral in körnigem Kalkstein, in vulkaänischen Aus—
würflingen (Vesup), strahlig-steugelig (Haslau bei Eger,
Vesuvin, s. Bismarckbraun. [Egeran).
Veszprem⸗Palota, ungar. Großgemeinde, s. „alotä
Beszprim (ungar. Veßprem), Hauptstadt des ungar.
somitats V. (8055 qkm, 2220384 6.), (1900) 143α.
prächtiger Dom, bischöfl. Schloß.
Vesztö, Großgemeinde im ungax. Komitat Bekes, an
der Schnellen Körös, (1900) 7945 E.
Veteranen (lat.), alte gediente Soldaten, bes. solche,
die einen Feldzug mitgemacht haben.

919

Via

Veterinär (lat.), tierarzueilich, tierärztlich; Tierarzt;
mtliche Bezeichnung der Militärtierürzte im deutschen
Zeere. Sie zerfallen in Korpsstabs⸗ Stabs- OberV.
die zu den obern Militärbeamten, und Unter⸗Vi, im Rang
oon Wachtmeistern, die Personen des Soldatenstandes sind
und Dienst bei der Truppe tun. Das Veterinärpersonal
exgänzt sich in der Hauptsache aus den Studierenden der
MNilitärveterindralademie in Berlin. I(sJ. d.).
Beterinärkunde, Veterinarmedizin, Tierarzneikunde
Veterinärpolizei, die Gesamtheit der vom Staate
jetroffenen Vorkehrungen zur Abwehr und Unterdrückung
der Viehseuchen (. d.. 5
Veterinärschulen, die Tierärztlichen Hochschulen
. d.) und die Militärveterinärakademie in Brlin,
Veto (lat., „ich verbiete“), im alten Rom die Formel,
nit — die Volkstribunen Senatsbeschlüsse für un—
zültig erklärten; daher Befugnis jemandes, durch seinen
Widerspruch einen Beschluß unwirksam zu machen; in
onstitutionellen Staaten sseht dem Regenten der Volks
dertretung gegenüber entweder ein unbedingtes, absolutes
B. oder nur ein beschränktes, fusvensives V. zu. (S. auch
lLãberum Voto.) 2820 E.
Betschau, Stadt im preuß. Reg.⸗Bez. Frankfurt, (1908)
Vettan, Dorf in Graubünden, s. Fettan.
Vetterligewehr, ein nach Friedr. Vetterli (geb. 1822,
Direktor der Waffenfabrik in Neuhausen bei Schaffhausen,
jest. 21. Mai 1882) benanntes Gewehr, das als Mehr⸗
lader von der Schweiz [Tafel: Kriegswesen II, 15), als
kinlader von Italien angenommen wurde. Das ranz.
Brasgewehr (Einlader) wurde von Vetterli zu dem Gras—
B. (Mehrlader) umgestaltet.
Vetter von der Lilie, Moritz, Graf, österr. Parla—
nentarier, geb. 21. Aug. 1856 in Troppau, seit 1807 Mit—
zlied, seit 1901 Präsident des Abgeordnetenhauses.
Vetturin (ital.), Lohnkutscher.
Vetverwurzel, s. Andropogon.
Veuillot (pr. wöjoh), Louss, klerikaler franz. Schrift⸗
deller und Publizist, geb. 11. Okt. 1818 zu Boynes (Loiret),
seit 1848 Oberredakteur des ultramontanen „VUnivers“,
Jest. 7. März 1888; schrieb: „Pélexinages de Suicee“
(1838 u. 3.), „Le parfum de Romeè“ (2 Bde., 1861 u. ö.)
it. q., „Mélapges religieux, historiques, politiques et
luttéraires“ (18 Bde 1857-76). — Bgl. E. Venillol
1883 - 1904), Cornus (1891).
Veurne (spr. föhrne), frz. Furnes, Stadt in der belg.
Prov. Westflandern, (1904) 6099 E.
Vevey (spr, weweh), deutsch Vivis, Stadt im schweiz.
anton Waadt, am Genfer See, (18900) 119158 E.
Veration (lat.), Belästigung; Neckerei; veratörisch,
»rückend, lästig; vexieren, plägen, foppen, necken.
Vexiernelke, s. Ryohnis.
Verierrätsel, ein zum Scerxz aufgegebenes Rätsel,
— eee z. B. im
WVortlaut mitgegeben ist. Bei den Griechenhieß es
griphos. Heeresabteilungen.
Bexillum (lat.), die standartenähnliche Fahne der röm.
Vẽzere (spr. wesähr), r. Nebenfluß der Dordogne im
inz. Dep. Dordogne, 192 kIg., mündet bei Limeuil.
Vezier (frz. Vezir), Titel, s. Wesir.
Bezzano, Markt in Südtirol, (1900) 836 E.; dabei
r Terlago- und Toblinosee.
v. gF. verbi gratia (lat.), zum Beispiel.
v. G. G. S von Gottes Gnaͤden.
Tis (lat.) Straße, Weg; auf Briefen ꝛc. s. v. w. über,
B. via Ostende.
Via Appia, s. Appische Straße. [(1901) 13835 E.
Biadana, Stadt in der ital. Prov. Mantua, am Po,
Biadutt (lat.).. v. w. Talbrücke (s. d.).
Biamala („Boͤser Weg“), Engpaß des Hinterrheins,
wischen den Talern Schams und, Domleschg im schweißz.
danton Graubünden, mit Poststraße, die sich spater beim
Dorse Splügen in die Splügen- und Bernhardiustraße teilt.
Vianden, Stadt im Großhzgt. Luxemburg, (1800)
500 E. Minho, (1800) 8881 6.
Biannag, B. do Castello, Stadt in der portug. Prop.
Viardot⸗Garcia (spr. wiardoh garßla), Vanlipe,
dramat. Sängerin, geb. 18. Juli 1821 zu Paris, Schwester
der Malibran G. do, seit 1810 Gattin des Funstschrifttellers
 Louis Viardot (geb. 31. Juli 1800 zu Dijon, gest.