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VBölkerkunde, s. Ethnographie.
Bölkerpsychologie, Taͤl der Psychologie, der sich mit
dem Seelenleben der Menschen als Gesellschafiswesen oder
mit dem psychischen Charakter der menschlichen Gefellschaft
beschäftigt. — Vgl. Wundt (Bd. 1, 1800; 2. Aufl 1804;
Bd. 2, J., 1905); „Zeitschrift für V.“ (von Lazarus und
Steinthal 1889 begrundet, feit 1881 u. d. T „Zeitschrift
des Bereins für Volkskunde“).
Bölkerrecht, die Grundsaͤtze des Rechts, welche die
Gerhältnisse verschie dener Staaten zueinander betreffen.
Die Wissenschaft des B. begründete Hugo Grotius; andere
Bearbeiter des V.. Vattel, Wheaton, Phillimore, Heffter
(8. Aufl. 1888), Martens —
(4 Bde., 1888 — 89), von Aszt (3. Aufl. 1904), Riviet
2. Aufl. 1899), Bonfils (3. Aufl. 1804) u. a, Organ des
1873 zu Gent gestifteten Verxeins wr Fortbildung und
dodifikation des V. st die zu Brüssel erscheinende „Rovue
do droit internatioualꝰ.
Böolterrechtsdelikte, die Delikte, welche vom Deut—
ichen Strafgesetzb. 88 102 104 als feindliche Handlungen
gegen befreündete Staaten bezeichnet werden.
iterschiacht, Bezeichnung für die Schlacht bei
deipzig (s. d.).
Bölkertafel, Bezeichnung für die 1 Mos. 10 und
Chron. 1, 422 vorliegenden Aufzühlungen der den Is—
cgeliten bekannten Völkerschaften, als deren gemeinsamer
Stammvater Noah erscheint. sKarten zur Biblischen
Beschichte, 1.]
Bölkerwanderung, die Bewegung namintlich der
erman. und einiger andern Völker nach dem Weund
S. Europas, welche die Zerstoͤrung des röm. Weltreichs zur
Folge hatte und den Ubergang aus der Zeit des Älletudns
zum Mittelalter vorbereitete; derfelben schließt sich chrono⸗
logisch die B. der Slawen nach W. und SS. an.“ Die V
begann nach der gewöhnlichen Annahme 8375 n. Chr. mit
dem Einbruch der Hunnen und gestaltete in ihrem langen
Verlauf die damauͤge Welt vouständig um.“ Den Zügen
der Magyaren nach dem W. setzten die sächs. Könige erst im
10. 8ahr ein Ziel. — Val. Pallmann (2 Bde. 18680
64), Wietersheim (2. Auft., von Dahn, ? Bde., 1880 —
81); Dahn, „Urgeschichte det german. uid roman Voͤlker“
Bde., 1880 80), Erckert 1800); epische Dichtung von
Lingg (3 Bde., 1866— 68).
Bolklingen, Dorf in preuß. Neg.⸗Bez. Trier, an der
Saar, (1900) 12721 (18905: 13677) E., Amtsgericht:
Eisen⸗, Glashütte, Steinkohlenbergbau.
Volkmann, Alfred Wilh., Physiolog, geb. 1. Juli
t801 zu Leipzig, 1887 Prof. in Dorpat, 1843 in Haue,
gest. das. 21. — 1877, verdient um die Lehre von der
Blutbewegung. — Sein Sohn Richard von B. geb.
7. Aug. 1830 zu Leipzig, 1867 Prof. der Chirurgie in
Halle, 1885 geadelt, gest. 28. Nov. 1889 zu Jeuna; um
Sinführung der antiseptischen Wundbehandhung verdient
chrieb auch unter dem Pseudonym Richard Leander „Tröu⸗
mereien an franz. Kaminen“ (80. Aufl. 1904), „Gedichte“
3.Aufl. 1885) u. a. — Bgl. Krause (1890).
Volkmann, Robert, Komponist, geb. 6. April 1815
zu Lommatzsch, seit 1842 in Pest, gest. das. 80. Ott. 1883;
— B⸗Dur), Ouverturer
(„Richard III.“), größere Gesamtwerke mit Orchester, Kam—
mermufikstücke, Klaviersachen u. a. — Vgl. Vogel (1875)
Volkmanns Sprengpulver, s. kollodin.
Volkmarsdorf, Stadtteil von Leipzig.
Volkmarfsen, Stadt, im preuß. RegBez. Cassel, an
der Twiste, (1908) 2220 E., Amtsgericht.
Volksabstiminung, Plebiszit und Referendum.
Bolksbanken, s. Vorschußvereine.
Bolksbewaffunng, die Wehrhaftmachung und Ver—
wendung des gangen Volts zu kriegerischen Zwecken (Volls
Jeer), von den meisten Staaten in der Form der allge⸗
meinen Wehrpflicht durchgeführt. Eine Ärt B. war auch
die 17880 zu Paris errichtete Natisnalgarde, ferner die
sdormunalgarden, Bürgerwehren ꝛc.
—A Büchersammlungen zu möglichst
allgemeiner Benutzung, ur Beförderung der allgemeinen
Bidung, hahen in —A— erst in den letzten Jahren
des 19. Jahrh. einen bedeutenden Aufschwung genommen.
Borbildlich wurden die Public Libraig England und
Amerila: durch gedruckte Kataloge und bis spät abends

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eöffnete Lesehallen wird für Zugänglichkeit gesorgt. —
Bgl. Küster (1902), Reyer (18089
Vollsbücher, die im 18. uns 16. Jahrh. aus ältern
deutschen und, franz. Dichtwerken in Profa bearbeiteten
Anterhaltungsschriften, Etzählungen, Sagen, Schwänke.
Sammlungen von G. Sawab (1836 10 ö.), Marbach
44 Bde. 1838 —47) und Simrock (Bd. 113, neue Aufl.
18837). (S. auch Volksschriften.)
Bolksbureaus, Rechtsauskurnftstellen, E inrichtungen,
velche bezwecken, dem Laien auf dem Gebiete des Rechts
ind der sozialen Gesetzgebung Auskünfte zu erteilen und
exforderlichenfalls Schriftstücke für ihn anzuͤfertigen. Ahn⸗
iche Zwecke verfolgen die Arbeiterfetretarigte (. d.).
VBolksdichtigkeit, Voltsdichte sJ. Bevölkerung.
Volksetymologie, die in allen ee vorhandene
Neigung, fremdartig klingende und unverstandene Worte
urch Auschluß an dekannte mundgerecht zu machen. —
Bgl. Andresen (6. Aufl. 1889).
Volksheilstätten, Heil- und Pflegeanstalten (Sana⸗
vrien) für Unbemittelte, bes. Lungenkrante (Eungenheil⸗
tätten), errichtet von Invaliditätsversicherungsanstalten,
Semeinden, besondern Vereinen, z. B. vom Deutschen
zentralkomitee zur Errichtung von Heilstütten für Lungen⸗
ranke, ꝛc. — Vgl. Weicker (1901), Hamel (1904).
Volksherrschaft, s. Demokratie.
Volkshochfchuien, Anftalten zur weitern Ausbildung
der Schulzeit, hestehen in Dänemark, etwa den deutscheũ
andw. und gewerblichen Fortbildungsschulen entsprechend;
ihnliche Anstalten in Schweden und Norwegen, Volts
jochschulkurfe zur Popularisierung der Wissenschaft, wie
sie in England und Nordamerika die Universitäts⸗Aus⸗
dehnungsbewegung (s. University oxtengion mo vement)
erstrebt, sind auch in Deutschland an mehrern Universitäten,
zielfach mit gutem Erfolge, versucht worden. — Vgl. Schultze
(1827). Rein und Flesch (1060.
Volkskrankheiten, Epidemie.
Bolksküchen, Anfialten, die für die unbemittelten
dlassen durch Darreichung einer gesunden uund kräftigen
dost eine billige Ernährung ermoͤglichen. — Val. vViaa
Morgenstern (8. Aufl. 1800).
Bolkskunde, s. Folklore.
Bolkslieder, durch den Gesang verbreitete Gedichte,
die in allen Kreisen des Volks bekannt und beliebt
and deren Dichter meist unbekannt sind; in Deutschland
bes. im 14. bis 16. Jahrh. in Bluͤte Sammlungen von
Arnim und Brentand (,„Des Knaben Wunderhorn““, 1806
FSu. .) Uhland (184445; 8. Aufl. 48092) u. a.; mit
Melodien: Erk (1853 fg.; nene Ausg., 3 Bde. 1803 94),
Böhme (1877); histor. B.: Siliencron (EBde. 1860569)
Bolksmedizin, die mediz Anschauungen, wie sie imn
Volke bes. auf dem Lande herrschen, bestehen in einem Ge—
misch von mystischen, oft bis in die Zeiten des Heidentums
 zurückreicheuden Begriffen, verbunden mit Resten
alter Magistralmedizin; sie bilden daher einen wichtigen
Zweig der Volkskunde. — Val. Bartels, „Die Medizin
der Naturvölker“ (1803), Magnus (1905).
Voltkspartei (Popuust Farty, Peoples Party),
zolit. Partei in den Ver. Staaten von Amerika, 1881
begründet, fand unter der Naticual Farmers' Alliance
Anhänger, fordert freie Silberprägung, progressive Ein—
ommensteuer, direkte Wahl des Prusdenten u. a. · Deutsche
B. polit. Partei, die sich bes. in Süddeutschland, nament
iich in Württemberg, als partikularistische Fortpflanzung
der demokrat. Bewegung von 1848/49 entwickelte. gIu
Ifterreich gibt es seit 1806 ebenfalls eine deutsche V., die
oor allem die Sprachenverordnungen des Grafen Badeni
zekämpfte. (S. auch Katholische Volkspartei.) Freisfinnige
B., s. Fan Freisinnige Partei.
Volls rechte, die voin Volte ausgehenden oder doch
unter seiner Beteiligung, zustande gekommenen Aufzeich⸗
zungen seiner rechtlichen Gewohnheiten. (S— Germanische
Volksrechte.)
Bolksschillerpreis, s. Schillerpreis.
Bolksschriften, Schriften, die dazu bestimmt und
durch Inhalt und Darstellungsweise geeignet sind, vom
Volke im weitern Sinne gelesen zu werden, wie Pestalozzis
Lienhard und Gertrud“ Beckers Rot⸗ und Hilfsbüchlein
ür Bauersleute“, Hebels „Schatzkästlein““ und deffen
„Nhein. Hausfreund“, der unter den hierher gehörigen