Wid

Widerlage (Donatio propter nuptias), das Ver—
mögen, welches der Ehemann der Ehefrau als Gegengabe
für ihre Mitgift zuwendet.
Widerlager, in der Baukunst der Mauerkörper, auf
en sich ein Bogen, ein Gewölbe oder eine Bogenbrücke
Widerrist, . Rist. Jaufsetzt
Widersegzlichteit, Widerstand gegen die Staaus
gewalt, der Widerstand durch Gewalthandlung, Bedrohung
nit Gewalt oder tatiger Angriff gegen einen in Auts
handlung begriffenen Vollstreckungsbeamten, wird mit Ge⸗
fängnis von 14 Tagen bis zu 3 Jahren bestraft (Reichs⸗
trafgesetzb. 88 113 117).
Widerstandsfaule, s. v. w. Rheostat (s. d.).
Widerton, Moos, s. PoIytrichum; Farnkraut, s.
Widewal, s.v. w. Hirol (. d.). Asplenium
Widin, bulgar, Stadt und Kreis, s. Vidin.
Widmann, Sos. Vitlor, schweiz. Dichter, geb. 20. Febr.
1842 zu Nennowit (Maähren), 1868 80 Schuldirektor in
Bern, seitdem literar. Redalteur des Berner „Bund“;
schrieb Dramen („Hnone“, 1880; „Die Königin des
Ostens“, 1886 „Maikäferkomödie“, i807), Opernterte,
Romane und Rovellen.
Widmannstãttenfche Figuren, s. Meteorsteine
und Schreibersit, sowie Tafel: Astronomie II, 11.
Widites, Stadt in der engli. Grafsch, Lancaster, am
Mersey, (1801) 28880 E., Eisenin dustrie.
Widumann, Mar, Bildhauer, geb. 16. Okt. 1812
zu Eichstätt, seit 1849 Prof. an der Akademie zu München,
9 das. 4. März 1895, Hauptwerke: Reiterstandbild
udwigs J. in Muͤnchen, Porträtstatuen für diese Stadt
Orlando di Lasso Westenrieder, Schiller, Goethe) ua—
Wie⸗dschu, Hafenort an der MRunbunabbacht des Ja⸗
lu⸗kiang in Korea.
Widukind (Wittetind), westfäl. Häuptling, Heerführer
der Sachsen in deren Kriegen gegen Karl de Gr., unlerwarf
 sich 785 und nahm die Taufe an; nach der Sage
von Karl zum Herzog von Sachsen ernannt und 807 gegen
die Schwaben dJefallen. — Vagl. Diekamp (1877).
Widukind, deutscher Sqcriftsteller des io Jahrh.
Mönch zu Corvei (Westfalen); seine „Res gestas Saxoni.
dae“ hg. von Wait in den Nonrnent Germaniae“
(Bd. 8), übersetzt von Schottin (1862), neu bearbeitet
ꝛon Wattenbach (1882). — Vol. Wattienbach (1806).
Wiebelsrirchen, Dorf im preuß. Reg.⸗Bez. Trier
an der Blies, (18065) 7760 E.
Wieck. 1) W. bei Greifswald, Dorf und Seebad
lim preuß. Reg.Bez. Stralsund, Eldena gegenüber, (1900)
867 E. — W. auf Rügen, s. Wiet.
Wieck, Friedrich, Klavter⸗ und Gesanglehrer, geb—
18. Aug. 1785 in Pletzsch bei Torgan, gest. 8. Okt. 1873
in Loschwitz bei Dresden, begründete eine eigene Methode
des Klavierunterrichts. — Vgl. Kohut (1887), Joß (1800
u. 1902). — Seine Tochter Klara W. war Gottin bon
Rob. Schumann (f. d.
Wied, r. Nebenfluß des Rheins im preuß. Reg.⸗Bez
Koblenz, entfpringt im Westerwald, mündet bei Irlich
Wied, ehemal. reichsunmittelbare Grafschaft im Westfal
Kreis, seit I608 unter 2 Limien geteilt: W. Runkel, welche
die obere Graffchaft (220 4xm) an der Lahn besaß, 1781
reichsfürstlich wurde und 1324 ausstarb, und W.Neuwied
in der untern Grafschaft (600 qkm), die 1784 reichsfürstlich
wurde und 1824 fämtliche Lande zu einer Standesherr⸗
schaft vereinte. Stan desherr jetzt Fürst Wilheim, geb.
22. Aug. 1846, 1807. 1904 Präsident des preuß. Herren⸗
hauses, Sohn des als philos. Schriftsteller bekannten
Fürsten Hermann (geb. 22. MRai 1814, gest. 5. März
1864. Seine Schwester ist die Königin Elisabeth (s. d.)
don Rumänien. Ein Oheim des Fürsten Hermann, Prinz
Maximilian von W., geb, 28. Sept. 1782 zu Neuwied,
preuß. Generalmajor, bereiste 1815217 mit' den Natur⸗
orschern Freireiß und Seils Brafilien, aßee eee
2merika bis zum obern Missouri, gest, 8. Febr. 1867 zu
Neuwied; sqhrieb; „Reise nach Brasilien 1815 — 175
2 Bde., 1820 21, mit Atlas; Nachträge 1880), „Bei—
träge zur Naturgeschichte Brasilieuns“ (4 Bde., 1824 88;
Abbildungen dazu, Is Hefte, 1823 89 „Reise nach
Nordamerika“ (EBde., 1838- 41, mit Atlas).
Wiedehopf (Dpupa), Gattg. der Kuckucsoögel, mit
sehr langem, dünnemn, eiwas nach unten gebbgenem Schna—

80

hbel, kurzen Füßen mit 1 nach vorn und 3 nach hinten
gerichteten Zehen, weichem Gefieder und stattlicher Haube
»on spitzen, aufrichtbaren Federn. Gemeiner W. Kuckucks
üster, Kotvogel, U. epops T. [Abb.
19647)), braungelb, Bauch weiß, dune
zefleckt, Flügel und Schwanz sche
weiß gebandert, Federbuschfedern
mit schwarzen Spitzen; nistet in
Baumlöchern. Die Jungen haben
inen widrigen Geruch, da das
Weibchen waͤhrend der Brůtezen
eine uͤbelriechende Feuchtigteit
aus der Bürzeldrüse absondert
Die Familie der W. (Upupidae)
ist über die ganze östl. Halbkugel 1964. Gemeiner Wiede—
mit Ausnahme der austral. hopf
Region verbreitet.
Wiedemann, Gust., Physiker und Chemiker, geb.
2. Okt. 1826 in Berlin, 1834 Prof. in Basel, 1863 am
Polytechnikum zu Braunschweig, 1866 zu Karlsruhe, 1871
an der Universität zu Leipzig, gest. daf. 28. März 1899;
schrieb: „Die Lehre von der Elektrizität⸗“ (2. Aufl. 180398),
and gab die „Annalen der Physik und CThemie heraus“
Sein Sohn Eilhard W., Hhysiker, geb. 1. Aug. 1852 in
Berlin, seit 1886 Prof. in Erlangen. — Dessen Bruder
Alfred W., geb. 18. Juli 1856 in Berlin, 1881 Prof. der
ügyptologie in Bonn; schrieb „Agypt. Geschichte“ (1884
8), „Die Toten und ihre Reiche⸗(2. Aufl. 1902) u. a.
Wieden,/ Vorstadt von Wien, dessen 1v. Bezirk bildend.
Wiedenbrück, Kreisstadt im preuß. Reg.⸗Bez. Min⸗
den, an der Ems, (1905) 3945 E. Amtsgericht, Rettorat⸗,
jöhere Mädchenschule; edee Kunsttischlerei.
Wiederaunfnahme de Verfahrens, d. h. eines
8 rechtsträftiges Endurteil geschlossenen Verfahrens,
erfolgt in Strafsaͤchen sowohl zugunsten als zuunguͤnsten
des Verurteilten, wenn Tatsachen vorgebracht werden,
velche mit der Grundlage des angefochtenen Urteils in
Widerspruch stehen, ist in Zivilfachen möglich im Wege
der Richtigkeitsklage oder der Restitutionsklage (Zivil
prozeßordn. 98 378 -6091).
Wiederbringung aller Dinge, s. Apokatastase.
Wiedereinsetßzung in den vorigen Staubes.
Restitutio in integrum.
Wiedergeburt, im hristl.⸗zreligiösen Sprachgebrauch
die übernatürlich bewirkte religiös? sittliche Erneuerung
des Menschen (Joh. 8, 5); daher hieß insbes. die Taufe
Bad der W. (Tit. 3, 5). (S. auch Palingenesie.)
Wiederkäuer (Ruminantia, Artiodaotxla rumiaantia),
 Unterordnung der Paarzeher, deren Angebörige
ihr (vegetabilisches) Futter einige deit
riach der Nahrungsaufnahme aus dem
Magen wieder in die Mundhbhle hir
aufwürgen, um es nochmals zu
'auen. Dies ermöglicht der aus
Abteilungen bestehende Mager
Abb. 1965]: der Pansen
Wanst, Ranzen sa]) dient
ur vorläufigen Aufnahme
der grob gekauten Nahrung,
die von ihm aus in die
Mundhöhle zurückgelangt, hier fein gekaut und in den
Netzmagen (Haube so]), der unmittelbar unter der Speise⸗
vhre lal liegt, dann in den faltigen Blättermagen (Psfalter,
Buch, Löser [p)) und den Labmagen so] gelangt, an den
ich der Zwölffiügerdarm [tJ anschließt. Im Oberkiefer
ehlen in der Regel Schneide- und Eckzähne, im Unter—
iefer sind 6 Schneides und 2Eckzühne, außerdem jeder⸗
seits 8, 6 oder J Backzähne mit flahen Resbironen vor
handen. Die meisten W. sind mit Höcnern oder Geweihen
bewehrt. Zu den W. gehören die Familie der Hohlhörner
Ninder, Schafe und Fiegen, Antilopen), Hirsche, Giraffe,
Moschustiere, Zwerghirsche und Kamele.
Wiederkehr, bei Gesimsen, s. Kröpfen.
Wiederkunft Christi, s. Chiliasmus.
Wiedersheim, Robert, Anatom, geb. 21. April 1848
u Nürtingen (Württemberg), 1876 Prof. in Freiburg
. Br.; schrieb: „Lehrbuch“ (2 Bde., 2. Aufl. 1886)
„Grundriß der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere“
5. Aufl. 1902) u. a.