Wiedersicht, Wechsel auf W., ein auf Sicht gestellter
Eigenwechsel, auf dem der Aussteller zu zahlen verspricht,
venn er ihn wieder sieht.
Wiedertäufer, Angabaptisten, verschiedene im Refor⸗
mationszeitalter ceutstandene prot. Sekten, benaunt nach
dem gemeinsamen Merkmal, daß sie die ihnen Beitretenden
nochmals taufen, weil sie die Taufe 8 bewußten
Blaͤuben für uunwirksam halten und deshalb die Kinder—
taufe verwerfen. Die W. erstrebten die unmittelbare Ver—
wirklichung des Reichs Gottes auf, Erden durch Wieder—
herstellung der Zustände des apostol. Zeitalters und durch
Gestaltung ihrer eigenen Gemeinschaft zu einer „Gemeinde
der Heiligen“ nach den Vorschriften der Bergpredigt.
Diese Teñdenz führte vielfach zu religiöser und polit.
Schwärmerei und revolutionären Bestrebungen, was ihre
gewaltsame Unterdrückung veranlaßte. So die „Zwickauer
Propheten“ unter Thomas Münzer (s. d.) in Sachsen
(1521), deren Bewegung 1525 mit dem Bauernkriege
uuterdrückt wurde; in Süddeutschland (Augsburg) und
der Schweiz (vgl. Egli, „Die Züricher W.“, 1878; ders.,
„Die St. Galler Täufer“, 1887; Müller, „Geschichte der
Bernischen Täufer“, 1895) Haus Denk (s. d.), Ludwig
Hetzer, Balth. Hubmair u. a.; in den Niederlanden
Dabid Joris (s. d.); in Nordwestdeutschland Melchior
Hoffmann; 1534 entstand ein de Reich der W. zu
Münster unter Johann (s. d.) von Leiden als König. Von
Holland her durch Menno (s. d.) durchgreifend neu orga—
nisiert, bestehen die W. noch als Taufgesinnte (s. d.). —
Die Baptisten (s. d.) sind ohne Zusammenhang mit W.
uus den engl. Independenten hervorgegangen.
Wiedervergeltungstheorie, s. Strafrechtstheorien
Wiegendrucke, s. Inkunabeln. sund Talion.
Wiehe, Stadt im preuß. Reg.⸗Bez. Merseburg, an
der Finne, (1905) 1807 E., Amtsgericht; Geburtsort Leop.
don Rankes.
Wiehengebirge, Mindensche Bergkette, Teil des
Wesergebirges, von der Westfäl. Pforte bis zu den Kappeler
Bergen, im Rödinghäuser Ie m hoch.
Achi Gemeinde im preuß. Reg.⸗Bez. Köln, am Flusse
W., (1900) 4278 E., Amtsgericht.
Wiet, Name für flache Buchten an der deutschen Ost—
eeküste, z. B. die Putziger W.
Wiek, Dorf auf Rügen (Halbinsel Wittow), am Wieker
Bodden, (1900) 1078 E.
Wieland, aͤltnord. Völundr, angelsächs. Veland, kunst⸗
eicher Schmied der altgerman. Sage, Sohn des Meer—
riesen Wate; von Simrock poetisch bearbeitet (1836, und
m „Heldenbuch“, 1848).
Wieland, Christoph Martin, Dichter, geb. 8. Sept.
1733 zu Oberholzheim bei Biberach, lebte 1753 — 60 in
der Schweiz bei Bodmer und als Hauslehrer, dann Kanzlei—
direktor in Biberach, seit 1772 Prinzenerzieher in Weimar,
Jest. das. 20. Jan. 1813; unter seinen Schriften, die sich
durch graziöse Leichtigkeit und Wohllaut der Sprache aus—
zeichnen, zum Teil aber in Frivolität ausarten, am be—
deutendsten der Sittenroman „Agathon“ (17686 -67), das
Lehrgedicht „Musarion“ (1768), das romantische Helden—
zedicht „Oberon“ (1780), die „Erzählungen und Mär—
hen“ (1776 - 78); auch als Ubersetzer Shakespeares sowie
zriech. und lat. Schriften ausgezeichnet. — Biogr. von
Gruber (4 Bde. 182728), Loebell (1838), Ofterdinger
(1877). — Sein Sohn Ludwig W., geb. 28. Okt. 1777
zu Weimar, dramat. Schriftsteller, gest. 12. Dez. 1819
u Jena. [(4005) 1829 E.
Wielichowo, Stadt im preuß. Reg.⸗Bez. Posen,
Wieliczka (spr. wjelitschka), Bezirksstadt in Galizien,
1800) 6283 E, Schloß, Bergschule; berühmtes Stein—
falzbergwerk, seit 1044 nächweisbar, 257 mm tief in J Stock⸗
werken. — Vgl. Windakiewicz (1896).
Wielopolfti (spr. wje⸗), Aler. Graf, Marquis Gon⸗
aga, poln. Staatsmann, geb. 16. März 1803, 1861 Unter—
lichtsminister, 1862—63 Adlatus des Großfürsten Kon—
stantin in Warschau, suchte zwischen Polen und Russen
zu vermitteln, gest. 80. Dez. 1877 in Dresden. — Biogr.
bon Lisicki (2 Bde, poln. 1878), Spasowicz (russ., 1889).
Wielum, russ.⸗poln. Stadt, s. Wjeljun.
Wien, ungar. Becs, lat. Vindobona, Haupt⸗ und
Residenzstadt der Hsterr.-Ungar. Monarchie und Haupt—
stadt des Erzhzgt. Niederösterreich ssarte: Osterreichisch—

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Wie

ngarische Monarchte J, 1), rxr. an der Donau (dar⸗
ber fünf Brücken: Krönprinz- Rudolfs-Brücke, Kaiser—
zranz-Josephs-Brücke ꝛc.) und von einem Donauarm
Dongaukanal; darüber 12 Brücken: Brigit—
enbrücke, Maria-Theresien-Brücke, As—
ernbrücke, Stephaniebrücke 2c.), in den die
Vien (30, Brücken) mündet, durchzogen,
Motenpunkt des österr. Eisenbahnnehes
7. Hauptbahnhöfe), 178 quu, C1000)
662 269 E. (1461891 römisch-kath. 54 364
vang. und 146926 israet.; 1386 115
deutsche, 102 974 Tschechen, 4846 Polen ꝛc.); infolge
iner renndenh 1905: 273 qk und 1727 073 E.;
zitz der obersten Reichs- und Landebbehörden. Einteilung
ꝛit 1805 in 21 Bezirke (Innere Stadt, Leopoldstadt,
randstraße, Wieden, Margarethen, Mariahilf, Neubau,
zosefstadt, Alsergrund, Favoriten, Simmering, Meid—
ing, Hietzing, Rudolfsheim, Fünfhaus, Ottakriug, Her—
nals, Währing, Döbling, Brigittenau, Floridsdorf), welche
nit Ausnahnie der Leopoldstadt rechts vom Donankanal
iegen. Zwischen der Leopoldstadt und der 1870 579 mit
9,8 Mill. Fl. Kosten regulierten Donau ist ein neuer Stadt⸗
eil, die Donaustadt, projektiert. Straßen, Plätze und Deuk⸗
näler: Ringstraße, auf dem ehemal. Festungsgraben und
Vlacis seit 1867 angelegt, kmelg., 67 mm br., Franz⸗
Josephs⸗Kai, Kohlenmarkt und Graben mit der Drei—
altigkeitssäule, Kärntnerz, Rotenturm-, Praterstraße ꝛc.;
Stephausplatz mit der Stephanskirche, äußerer Burgplatz
Reiterstandbilder des Erzherzogs Karl und des Prinzen
fugen), innerer Burg- oder Franzensplatz (Denkmal
Franz“ J.), Josephsplatß (Reiterstatue Josephs II.), Hof
Reiterstandbild Radetzkys), Schwarzenbergplatz (Reiter⸗
tatue des Fürsten Schwarzenberg), Beethovenplatz (Denk⸗
nal Beethovens), Schillerplatz müt Schillerdenkmal, Büsten
yon Lenau und Anastasius Grün, Rathausplatz (Rathaus,
lniversität, Reichsratsgebäude, Hofburgtheater), Prater—
tern (Tegetthoffdenkmal), Albrechtsplaß (Albrechtsbrun—
ten, Mozartdenkmal). Kirchen: Metropolitankirche zu St.
Ztephan (13. bis 16. Jahrh., 108 melg.) mit berühmtem
curm (1359 — 1433 exbaut, 137 m hoch, 22626 Kg schwere
Flocke); got. Augustinerkixche (1530 erbaut, Grabmal
———
on Canova, Deukmäler Leopolds II., des Feldmarschalls
un got. Kirche zu Maria am Gestade (15340 94),
ot. Kirche zu Maria-Schnee (14. Jahrh.), Michaeler—
irche, Schottenkirche, Kapuzinerkirche (Gruft der Habs—
urger seit 1619), Kirche des heil. Karl Borromäus
1716-37 [Tafel: Barock und Rokoko J, 6)), Votiv⸗
age (1856- 79) ac. Zentralfriedhof (bei Kaifer-Ebers—
orf, 1874 eröffnet, zahlreiche Denkmäler berühmter Män—
ier). Weltliche Bauten: In der innern Stadt: Kaiserl.
Zofburg, 387 melange Gebäudegruppe, enthält u. a.
ie kaiserl. Schatztammer, den Reichskanzlerpalast, die
Hofbibliothek, die Winterreitschule, das Kunsthistor. und das
Natnthistor. Hofmuseum; alte Universität (jetzt Sitz der
Akademie der Wissenschaften Tafel: Renaiffsance Ii, 2),
Justizpalast (1875—81), got. Rathans (1872 -83),
— (1883), neue Universität (1813—84),
Zofburgtheater (1876 —60), Hofopernhaus (18661 695
baläste der Ministerien, der Statthalterei und der
Isterr.⸗ Ungar. Baunk, sowie zahlreicher Fürsten und
Vrafen, ferner die Akademie für bildende Künste, Musik—
ereinsgebäude, die Börse; in den Vorstädten: das Au—
artenbalais, Lustschloß Belvedere Tafel: Barock und
Rokoko IJ, 101, die geolog. Reichsanstalt, das Arsenal
690 milg., mit Heeresmuseum und Ruhmeshalle), die
zhofs und Staatsdruckerei, Zentralmarkthalle, Invaliden⸗
aus 2c. Unterrichts- und Bildungswesen: Universität
1365 gegründet, 1901; 6009 Hörer), Technische Hoch—
hule (seit 1815, 2250 Hörer), 13 Staatsobergymnaͤsien,
Realobergymnasium, 1Privatuntergymnasium, id Ober⸗,
Unterrealschnlen, 1 Migd gengymnasinn 4 Mädchen⸗
yzeen ꝛc., Hochschule für Bodenkultur, Akademie für bil—
ende Künste, Konsular-Akademie, Lehranstalt für vrient.
Sprachen, Josephinum (für Militärärzte), Augustincum
für Weltpriester), Militär-Tierarznei-SInstituüt, Aka—
emie der Wissenschaften (seit 1846), Hofbibliothek
900 000 Bände), Univpersitätsbibliothet (676 000 Bände),
Ak. Familien-Fideikommißbibliothet (130000 Bände.