Wolfram, Scheelium, Katzenzinn oder Tungstein—
metall (chem, Zeichen W), metallisches Element, findet sich
meist in wolframsauren Salzen, im Wolframit, Scheelit
Tungstein), Wolframbleierz ege ferner als
Wolframocker. W. bildet, aus Wolframsäure durch Wasser—
stoff oder Kohle reduziert, ein eisengraues, sehr hartes Metall;
pez. Gewicht 18,2, Atomgewicht 184; an der Luft un—
ꝛerunderlich, gibt, mit Stahl legiert, sehr spröden Wolf—
rauistahl, der für Magnete in der Telegraphie, Uhrbestand—
reile, Schneidwerkzeuge und Glasschneidemesser benutzt wird.
BWolfranitrioryd, das Anhydrid der Wolframsüure (Scheel—
ãure, Tungsteinsäure), wird aus den Salzen durch, Salz—
äure als gelbes Pulver abgeschieden, das dy ligt in Al⸗
kalien und Ammoniak zu Wolframaten löst und in der
Malerei als Mineralgelb benutzt wird. Wolframsaures
Natrium dient zum Imprägnieren feuergefährlicher Gewebe,
wolframsaures Baryum als Ersatz für Bleiweiß. Durch
Reduktion geht Wolframsäure in wolframsaures Wolfram—
oxyd über, benutzt als Mineralblau, Wolframblau oder
Mineralindig; Natrium- und Kaliumwolframat geben,
nit Wasserstoff oder Leuchtgas reduziert, metallglänzende,
rristallinische Massen, die gepulvert als Bronzefarben
Safran⸗ Magentabronze) verwendet werden.
Wolfram von Eschenbach, der größte deutsche Dich—
zer des Mittelalters, gebürtig aus Eschenbach (Mittel—
ranken), aus einem ritterlichen Geschlecht, lebte gegen
Ende des 12. und Arian des 183. Jahrh.; verfaßte
außer einigen Liedern das Ritterepos „Parzibal“ (s. d.),
das großartigste und tiefste Werk der mittelhochdeutschen
höfischen Dichtkunst, und die epischen Bruchstücke „Titurel“
ind Willehalm“; Ausg. von Lachmann (5. Aufl. 1871),
Bartsch (2. Aufl. 1875—77), Martin (1000-8); Über⸗
etzungen von San Marte (3. Aufl. 1856), Simrock
6. Aufl. 1883), Bötticher (1883), Hertz (1897).
Wolframãte, Wolframblau. sWolfram.
Wolframbleierz, s. Scheelbleierz.
Wolframbronzen, s. Wolfram.
Wolfranmtgelb, s. v. w. Mineralgelb(s. Wolfram).
Wolframit, monoklines, bräunlichschwarzes, fett⸗
zlänzendes Mineral, besteht hauptsächlich aus Wolfram—
ure, Eisen- und Manganorydul und kommt vorwiegend
nit Zinnstein zusammen vor. Zur Darstellung von Farben
und Wolframstahl gebraucht.
Wolframsäure, Wolframstahl, s. Wolfram.
Wolfratshausen, Marktflecken und Bezirksort im
zayr. Reg.⸗Bez. Oberbayern, an der Loisach, (1908)
1973 E., Amtsgericht,
Wolfs, deutschet Name des ungar. Bades Balf.
Wolfsanger, Dorf im preuß. Reg.-Bez. Cassel, an
ver Fulda, (1500) 2049 GE., Kaltwasserheilanstalt Luisen-Wolfsauge,
 Mineral, s. Adular. sthal.
Wolfsberg, Bezirksstadt in Kärnten, im Lavanttal,
1900) 4864 E., Schloß des Grasen Henckel von Don⸗
aersmarck; dabei Eisenhütten und Braunkohlenbergbau.
Wolfsbergit, s. Kupferantimonglanz.
Wolfsbohne, s. Lupine.
Wolfsche Lampe, Sicherheitslampe für Bergleute
s. Grubenlampe und Abb. 731).
Wolfsegg, Markt in Oberösterreich, (1900) 2417 E.,
Schloß; dabei Braunkohlenbergbau; hier 80. Nov. 1626
Sieg Pappenheims über die aüfständischen Bauern.
Wolfsfisch, der Seewolf (s. d.).
Wolfskirsche, s. Atropa.
Wolfsklauen, die funktionslosen, an der Innenseite
der Hinterfüße oberhalb der übrigen Zehen vorkommen—
en 7 der Hunde.
Wolfsmilch, Pflanzengattg., s. REuphorbia [Abb.
335—537 und Tafel: Giftpflanzen, II.
Wolfsmilchgummi, s. v. w. Euphorbium (s. d.).
Wolfsmilchschwärmer (Sphinx oder Deilephila
snphorbiae L.), bunt (olivengruͤn, weißlichgelb, rosen⸗
cot, schwarz) gefürbter Schwärmer, dessen grünschwarze,
veißgelb geflete, mit roten Rückenstreifen und Beinen
i ne Raupe auf Wolfsmilcharten we ist.
Wolfspilz (Bolstus lupinus Fr), giftiger Röhren—
ilz mit Zurcn Hut und dickem, rotem Stiel.
Wolfsrachen, Gaumenspalte, s. Gaumen.
Wolfsspinnen (Lycosidae), einzige die Unterord⸗
tung der Schnelläufer bildende Spinnenfamilie, kräftige,

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Wol

mauffällig gefärbte Tiere, die rasch auf dem Boden
aufen und keine Netze weben. Hierher die höhlenbe⸗
vohnende W. yoosa Inquilina &amp;I.), in unsern Wal⸗
ern, sich am Tage in selbstgegrabenen Ho ungen ver⸗
ergend; Tarantelspinne (Parantula), mit der in Süd—
uropa häufigen apulischen Tarantel (P. Apnne Malet.,
Foosa Tarantula L.), hellbraun, schwarz gestreift, deren
Ziß nervöse Störungen und eine Art Veitstanz (Taranismus)
 hervorrufen sollte, wovon die Kranken durch
nhaltendes Tanzen nach bestimmten Melodien („Taran—
ellg⸗) geheilt wurden; auch verschiedene deutsche Arten.
Wolfstein, M Stadt im bayr. Reg.⸗Bez. Wg an
»ex Lauter, (1906) 1203 E., Amtsgericht; dabe Ruinen
Alt- und Neu-⸗W. — 2) Burgruine bei Landshut.
Wolfsvenn, Teil des Hohen Venn, südl. von Montioie,
ei Elsenborn 620
Wolfszähner, Schlangen, s. —X
Wolga, Hauptstrom Rußlands sKarte: Euro—
»äisches Rußland 1] und längster Strom Euro—
»as, entspringt auf dein Waldaiplateau bei, Wolgino—
Werchowje (Kr. Ostaschkow), fließt im allgemeinen
is Kasan, wendet sich plötlich südwärts, macht unterhal
Simbirsk eine scharfe Biegung nach O. (die Schleife oder
»er Bogen von Samara), wendet sich bei Sarepta nach
SO., spaltet sich in viele Arme (der nördlichste: Achtuba,
124 xMu Ig.) und mündet unterhalb Astrachan in einem
Ddelta mit zwei Hauptarmen (Großer und Kleiner
kschulpan) ins Kaspische Meer; 3688 Kun lg., davon 3567
chiffbar, Dampfschiffahrt von Twer an; Gefuͤlle nur 280 m.
sebenflüsse links: Mologa, Scheksna, Kostroma, Wet—
uga, Kama; rechts: Oka, Sura, Swijaga, Sarpa;
danalverbindung durch Newa mit Ostsee und Dwina mit
Weißenn Meer; Stromgebiet 1468 922 qkm. Verkehr
1800) 53 427 Schiffe, 80 304 Floͤße, Fracht 227 Mill. Pud;
daupthafen: Rybinsk. Bedeutende Fischerei, namentlich
„on Simbirskan. — Vgl. Roskoschny (1887), Renner (1898).
Wolgahöhen, Hügelland'r. an der Wolga, von
Nishnij Nowgorod und Kasan bis Zarizyn und westl. bis
Tambow, 1170 kw Ilg.; Rortseungim Jergeni.
Wolgast, Stadt im preuß. Reg.-⸗Bez. Stralsund,
in der Peene, (1905) 8321 E., Amtsgericht, Real⸗
—— Hafen. — Bgl. Heberlein (1882).
olgasteppe, das gesamte Steppengebiet im russ.
Vouv. Astrachan, durch die Wolga geteilt in die Kal—
nückensteppe oder eigentliche W. rechts und die Kirgisen⸗
der Trans⸗W. links.
Wolgastufe, boreale Fazies des Malms und der
intersten Kreide im Wolgagebiete.
Wolhynien (Wolynien, Volhynien), Gouv. in West⸗
ußland, im S. mit Ausläufern der Karpathen, im N. zum
boljessje (s. d.) geserip. 71852 4k‘m, 29806 482 E., meist
dleinrussen, unter Adel und Städtebewobnern viele Volen:
dauptstadt Shitomir.
Wolken, in der Luft oder an Bergspitzen schwebende,
ruf der Erdoberfläche Nebel genannte Massen feiner Wasser⸗
in oder Bläschen oder auch Eisnadeln, erzeugt durch
en Niederschlag aufgelösten Wasserdampfes bei der Mi—
duge wasserdampfreicher warmer mit kalten Luftschichten.
olkenformen (nach der Unterscheidung Howards): Cirrus
Feder⸗W.); Kumulus (Haufen⸗W.); Stratus Echicht⸗
B.); Nimbus (Regen-W.); Zwischenformen sind: Cirro—
umulus (die sog. Schäfchen); Cirrostratus (Federartige
Zchicht ⸗W., Schieier⸗W.); Kumulonimbus Gewitter⸗
S.)3 Stratokumulus (Haufenartige Schicht W.). Die
pöchsten W. (durchschnittlich in 9000 m Höhe) sind Cirrus
ind Cirrostratus; etwas niedriger ist Cirrokumnlus, die
cröbern Schäfchen und Schleier, die in ca. 6000 m Höhe
chweben, nennt man Altokumulus und Altostratus;
Iltokumulus geht abwärts in Stratokumulus über; die
riedrigste W. ist Stratus. Kumulus und Kumulonim⸗
us haben die größte vertikale Ausdehnung; Gipfel
ünnen zwischen 500, und 10000 m in Höhe schwanken.
Wolkenburg, Gipfel des Siebengebirges bei Königs—
inter, 328 m; mit Ruine. stunde J, 331].
Wolkenfeh, heraldische Figur Tafel: Wappen-⸗
Wolkenkratzer, s. Sxyscrapors
Wolkenkuckucksheim, in den „Vögeln“ des Aristo—
hanes die von diesen in der Luft gebaute Stadt: daber
v. w. Luftschloß.