Wür

Bebiet 1164 m); bewässert vom Neckar mit seinen Neben—
lüssen (Enz, Kocher, Jagst), der Donan, Tauber u a. ;Seen:
Bodensee und Federsee. Ergiebiger Acker⸗ und Gemuüf ebau,
wichtige Viehzucht, ausge⸗
dehnte Forstwirtschaft so—
vie Wein- und Obstbau.
Industrie bes. lebhaft in
Maschinen, Messing- und
Bronzewaren, Gewehren,
Salvanoplastikl, Leinen-,
Baumwoll-, Gold- und
Silberwaren, Uhren, Pa—
pier, Leder, —* und
zraphische Gewerbe (Stutt⸗
zart, Eßlingen, Ulm),
Rübenzucker, Brauereien
lüber 2500), Schaumweinfahriken
 (Stuttgart, Eßlingen) ꝛc. Handet meist
Speditions⸗ und Durchgangshandel; neben der Ausfuhr
»on Vieh, Wolle, Getreide und Holz bes. wichtig der Buch⸗
Jandel (Hauptsitz Stuttgart, nach Leipzig und Verlin in
Deutschland am bedeutendsten); Zentralstelle für Handel
und Gewerbe in Stuttgart, &amp; Handels- und Gewerbes
Handwerkskammern, Reichsbankhauptstelle (Stuttgart)
Wüuͤrttemb. Hypotheken⸗, Noten⸗ Vereinsbank, Stutt
zarter Rentenanstalt, Stuttgarter Lebensversicherungsand
 Ersparnisbank; bedeutender Schiffsverkehr auf dem
Neckar und dem Bodensee.
Nach der Berfassung vom 25. Sept. 1819 ist W. kon—
titutionelle Monarchie, erblich im Maunsstamm, nach
dessen Erlöschen in weiblicher Linie; die Landesvertretung
besteht aus der Ersten Kammer (der Standesherren) muͤ
(1806) 48 und der Zweiten Kammer (Kammer der Ab—
Jeordneten) mit 92 Mitgliedern. Vertretung im Bundes—
rat durch bier Stimmen, im Reichstage durch 17 Mit—
zlieder. An der Spitze der Verwaltung das Staats—
ninistexrium, der Geheime Rat, die 4 —
die 64 Oberämter; ferner 1 Oberlandesgericht (Stuͤttgart),
z Landgerichte mit 8 Schwurgerichtshöfen, 61 Amtsgerichte.
Einteilüng in 4 Kreise (Necar- Schwatzwalde, Vongus,
Jagstkreis) und 64 Oberämter; Hauptstadt Stuttgart.
Nettoeinnahmen 1905/6: 82 863 4080 davon 36104 032
vom Kammiergut, 21431 260 direkte, 17 950 800 in-—
direlte Steuern, 7287810 Anteil an Reichsabgaben
Nettoausgaben: 82 921 253 , davon 12704083 Ma—
trikularbeiträge, 22 148 002 Verzinsung der Staatsschuld,
16894 464 „M Kirchen- und Schulwesen, Rechtspflege
3987 405 vC, Staatsschuld (1905) 535666475, Aktiva
3481 054 )vM. Das unterrichtswesen ist gut geregelt; an
her Spitze die Universität Tübingen, die Technische und
die —— —A—— in Stuttgart, 4 Seminarien
für evang.2 Konpikte für kath. Theologen, 12 Gymnasien,
2 Lyzeen, 68 Lateinschulen, 3 Realghmnafien, 8 Real⸗
yzeen, 11 öffentliche höhere Mädchenfchulen ec.; ferner:
Baugewerkschule, Kuͤnste uͤnd Kunstgewerbeschule in Stutt⸗
zart, landw. Zochun (Hohenheim), 4 Aclkerbauschulen,
Weinbauschule, s landw. Winterschulen, Konservaloriuni
ür Musik (Stuttgart), 8 Staatsirrenanstalten, Staats—
unstalten für Taube ünd Blinde (Gmund, Bönnigheim)
. a.Vorherrschende Kirche ist die evangelische under dem
donsistorium, dem Synodus, einer Landessynode von 57
Mitgliedern und den Diözesansynoden; die kath. Kirche
antersteht dem bischöfl. Ordinarlat zu Nottenburg. Das
deerwefen ist durch die Militärkonvention vom 25. Nov.
1870 geordnet. Die Truppen bilden das 13. Armeekorps
des deutschen Heers (Generalkommando in Stuttgart
Beilage: Deutfchlands. Ordenf. Beilage: Orden
Wappen?: im gespaltenen Sanne rechts 3 schwarze Hirsch⸗
eweihe, lints 3 schwarze Löwen auf goldenem Grund
Abb. 1377); Landesfarben: Rot und Schwarz.
Geschichte. W. wurde etwa dan. Chre von' den Rö—
nern besetzt, im 8. Jahrh. bon den Alemanen erobert,
die 406 von den Franken besiegt wurden; das Gebiei
Aldete dann Gis am 18. Jahrs) einen Teil ves Higt.
Schwahen. Die Reihe der Grafen von W. begiunt
mit Ulrich Ce2a1 65), der, wie feine Nachfolger,
den Zerfall der Staufenschen Maͤcht hur Erweiterung
seiner Besigungen im Rekcartal benutztee ümntet Fher
jard dem Erlauchten (1279 1325) arde das bnt

. Württembera.

1004

deinahe die Hälfte vergröhßert und 1321 Stuttgart Resi⸗
denz. Sein Enkel, Eberhard der Greiner (1344202),
rach die Macht der Reichsstädte bei Döffingen 23. Auß.
1888. Graf Kberhard IY. (1417519) erwarb durch Heirat
die Grafsch. Mömpelgard. Die Teilung des Landes unter
—
ward durch den Vertrag von Münsingen 1482 wiedet
zufgehoben, durch welchen Ludwigs Sohn, Eberhard im
Bart (gest. 1496), alleiniger Besiher wurde;, er ward 1495
Herzog. Sein Vetter und Nachfolger Eberhard der
Jüngere wurde schon 1498 abgeseht und dessen Neffe
Arich zum Herzog erhoben. g schlechte Finanzwirt-Haft
 rief 1314 einen Aufruhr hervor; die Wegnahme
Feutlingens (16819) führte seine Vertreibung durch den
Zchwäb. Bund herbei, der W. an Ssterreich verkaufte.
zm Bunde mit Philipp von Hessen 15334 bei Lauffen
iegreich, ward Ulrich wieder eingesetzt, mußte aber im
Zertrag von Kaaden (1534) die öͤsterr. Afterlehnschaft
merkennen; er führte die Reformation ein. Sein Sohn
hristoph (1350-68) legte den Grund zu der polit. und
irchlichen Ordnung, die sein Sohn Ludwig (1868 -983)
veiter ausbildete und die zum Teil bis in die neuere
zeit fortbestand. Unter Ludwigs Vetter und Nachfolger
riedrich (1393— 1608) wurde W. 1599 wieder Reichs—
ehn. Unter dessen Nachfolgern Johann Friedrich (1608
728) und Eberhard III. (1628 74) hatle es viel vom
Dreißigjähr. Kriege, unter Wilhelm Ludwig (1674077)
vie auch während der Minderjährigkeit Eberhard Ludwigs
1677 - 1738), für welchen (bis 1683) sein Oheim Friedrich
darl regierte, durch die Franzosen, endlich während der
Zelbstregierung Eberhard Ludwigs durch eine langiährige
—————— zu leiden. Unter Karl Alexander
1733—87) wurde das Land durch den zum Geh. Finanz—
at ernaunten Juden Süß-Oppenheimer ausgesogen.
darl Eugen (173793) suchte die dem Laude durch Ver⸗
chwendung und, Gewalttätigkeit geschlagenen Wunden
ach dem sog, Erbvergleich mit den Ständen (1770) durch
bflege der Wissenschaften und Künste, sowie Hebung des
Ickerbanes zu heilen. Ihm folgten nacheinander seine
Zrüder Ludwig Eugen (170305) und Friedrich Eugen
1795—87). Bes letztern Sohn nrin (1797 4816)
rlangte 1803 die Kurwürde und als ntschädigung für
as 1796 an Frankreich abgetretene Mömpelgard die
Zropstei Ellwangen, neun Reichsftädte ec. (2200 qk,
24688 E.), nahm 1. Jan. 1806 den Königstitel an
ind krat 12. Juli dem Rheinbund bei; er sagte sich erst
. Nop. 1813 von Napoleon J. los, nachdem ihm der
ee Besitz seines 18058 und 1808 abermals
ergrößerten Gebietes verbürgt worden war, und trat
l. Sept. 1815 dem Deutschen Bunde bei. Seine Re—
zierung war nach Aufhebung der alten Verfassung (1805)
ine despotische; erst sein Sohn Wilhelm (18416264 ver⸗
inbarte mit den Ständen 1819 eine neue Verfassung.
Infolge der Februarrevolution 1848 sah sich dieser zur
Bewährung der Preßfreiheit und anderer Reformen sowie
ur Berufung der Oppositionsfuͤhrer Pfizer, Roͤmer, Du—
ernoy und Goppelt ins Ministerium genoͤtigt; auch die
Reichsverfassung mußte er 24. April 1840 auerkennen.
Doch schon 28. Okt. trat dies Ministerium vor der
ereinbrechenden Reaktion zurück. König Wilhelm starb
5. Juni 1864; sein Sohn und Rachfolger Karl berief
Sept. 1864 Varnbüler an die Spitze des Ministeriums
Im Deutschen Kriege von 1866 besehte ein würtiemb.
Zatatllon Hohenzollern, das übrige Bundeskontingent
tieß bei Frankfurt zum 8. Armeekorps. Nach den Ver—
usten bei Tauberbischofsheim (24. Juli) aber schloß W.
Frieden (13. Aug.) und einen vorläufig geheimen Allianz⸗
»ertrag mit Preußen, dem es 8 Mil v„k. Kriegskostenntschädigung
 zahlte. 1867 erfolgte der Beitrtt Wes
um erneuerten Zollverein, 1868 die Umgestaltung des
driegswesens nach preuß. Vorbild. Im Deutsch-⸗Franz.
driege kümpften die Württemberger unter dem Oberbefehl
»es Kronprinzen von Preußen. An Stelle des 31. Aug.
8070 zurückgetretenen Ministers Varnbüler schloß der
Fustizminister von Mittnacht den Verfassungsvertrag,
vonach W. vier Stimmen im Bundesrat erhielt und fich
die Verwaltung der Post, der Telegraphen, der Eisen—
ahnen und die besondere Bestenerung des Biers und
zranntweins vorbehielt, sowie die Militärkonvention