(s. oben) 25. Nov. in Berlin ab. Er wurde 1. Juli 1876
zum Mimisterpräüsidenten ernannt. Nach dem Tode des Kö—
rigs Karl J. (6. Okt. 1891) folgte sein Neffe Wilhelm II.
Unter ihm wurde 1903 die Reform der Einkommensteuer,
1804 und 1906 die der Gemeindeordnung und 1906 die
der Kammern durchgeführt.
Vgl. „Das ee W.“, hg. vom königl. Statist.
dandesamt“ (neue Ausg. 1903 fg.); Hassert, „Landes—
unde“ (1903); „Ortsperzeichnis“ (1800); Bartens,
„Wirtschaftliche Eütwicklung“ (1900), „Die Landwirt—
chaft in W.“ (1802); Gaupp, „Staatsrecht“ (8. Aufl.
1804); zur Geschichte: Pfaff (4 Bde. 18356—89), CEhr. F.
don Stälin (4 Bde., 184173), Fricker und Geßler (Ver⸗
fassungsgeschichte, 1888), Schneider (1896), Belschner (1902),
„Würktemb. Geschichtsquellen“ (Bd. 126, 18941904).
Wuürttemberg, Alexander, Graf von, lyrischer Dichter,
Pseudonym Sandor von S., geb. 5. Nop. 1801 in Kopen—
jagen, gest. 7. Juli 1844 in Wildbad; schrieb: „Lieder
es Sturms“ (1839), „Gesammelte Gedichte“ (1841).
Wuürttemberg, August, Prinz von, s. August.
Württemberg, Eugen, Herzog von, s. Eugen.
Wurtz, Charles Adolphe, franz. Chemiker, geb. 26. Nov.
817 in Straßburg, seit 1861 Prof. zu Paris, gest. das.
12. Mai 1884; schrieb: „Legons do philosophbie chimique“
 (1864), „Praité élémentaire de chimie médiↄale“
 (2. Aufl. 1868 — 75), „Legꝙons élémentaires de
himie moderne“ (6. Aufl. 1892), „Dictionnaire de
bimio pure et appliquse“ (ß Bde., 1868- 78; Suppl.,
2 Bde. 1880-86 u. 1882), „La théorie atomidue“
1878; deutsch 1879).
Wurtzit, Strahlenblende, hexagonales, brauuschwarzes,
zlasglänzendes Mineral in feinstrahligen Aggregaten,
isenhaltiges Schwefelzink.
Wurzaͤch, Stadt im württemb. Donaukreis, an der
Ach, (1808) 14216., Schloß des Fürsten Waldburg-Zeil-W.
Wurzbach, Constant, Ritter von Tannenberg, Biblio—
zraph, Ziegaenunn Dichter, geb. 11. April 1818 zu Lai—
zach, bis 1874 Regierungsrat im Ministerium des Innern,
—
dem Pseudoger W. Constant Gedichte u. a. Hauptwerk:
„Biogr. Lerikon des Kaisertums österreich“ (60 Bde.,
1857 92). — Sein Sohn Alfred W., Ritter von Tannen⸗
zerg, Schriftsteller und Kunsthistoriker, geb. 22. Juli 1846
n Lemberg; schrieb Biographien u. d. T.: „Zeitgenossen“
1871- 72), „Die franz. Maler des 18. Jahrh.“ (1880),
Die goldene Bibel“ (2 Bde. 1880),.Rembrandt-Galerie“
1888), „Geschichte der hollünd. Malerei“ (1885) u. a.,
zibt heraus „Riederländ. Künstlerlerikon“ (1904 fg.).
Würzburg, unmittelbare Stadt, Hauptstadt des
dayr. Reg.-Bez. Unterfranken und Bezirksstadt, am Main,
1800) 718408 (1905: 80325) E., Garnison, Sitz der
Zreisreglerung, eines Bischofs, Land-,
Amtsgerichts, Oberpost-, Oberbahnamtes,
einer Reichsbankstelle, Handels- unnd Ge—
werbe⸗, Handwerkskammer, des Generalkom—
mandos des 2. Korps; roman. Dom (1189
zeweiht); Neumünster Kirche (18. Jahrh.),
Marienkapelle (14. Jahrh.), Universitäts- 1978
Neubau⸗) Kirche (46. Jahrh., Sternwarte Wurzbura.
zuf dem Turm), Hauptkirche (17. Jahrh.),
altgot. Deutschherrenkirche Gietzt Militͤrmagazin), St. Bur⸗
ardkirche (11. FJahrh.) u. at; königl., früher bischöfl. Schloß
Residenz, 1744) mit großartigem Treppenhaus, Kaiserfaal,
Jemäldefammlung; Juliusspital (1567); Universität (1402,
582 erneuert; 1400 Studierende); mit Bibliothek (800 000
gände), 2 Gymnasien, Realgymnasium, Kreisreal⸗, königl.
Musikschule, Priester⸗, —— Taubstummen⸗,
Blinden-, Augenheilanstalt; bedeutender Wein— und
Fruchthandel, Weinbau (Leisten⸗ und Steinwein). Die
Festüngswerke wurden 1867 —74 niedergelegt, die ehemal.
zitadelle Marienberg, bis 1720 bischöfl. Residenz, ist jetzt
kaserne. Hier 3. Sept. 1796 Sieg Erzherzogs Karl über
die Franzosen unter Jourdan; 27. Juli 1866 Beschießung
der Zitadelle durch die Preußen. — Das Bistum W., 741
zestiftet, späüter Fürstbistum, kam 1803 an Bayern, 1805
ils Kurfürstent. W. an den Großherzog von Toskana, der
s 1806 in ein Großhzgt. W. verwandelte, 1816 wieder
in Bayern,. — Bgl. Goͤbl, „W., kulturhistor. Stüdtebild⸗
4. Aufl. 1901). Gurlitt (1902). von Wegele, „Geschichte

1005

Wüs

er Universitüt W.“ (2 Th., 1882), Stamminger und Am—
hein „Franconia gacra. Geschichte des Bistums W.“
Würzburg, Konrad von, J. Konrad. [(1806 fg.).
WBürze, in der Brauerei, s. Sier.
WBurzel, jedes Achsenorgan der Gefäßpflanzen, welches
niemals Blätter oder Blattanlagen erzeugt und dessen
Vegetationspunkt mit einer Haube (Wurzehaube) bedeckt
st. Die W. der Dikotylen besteht aus der Haupt- oder
pfahl⸗W. und den Seiten⸗W. sTafel: Botanit J, 1),
eren letzte ——— Wurzelfasern heißen; die—
enige der Monokotylen (3. B. des Getreides) aus Neben⸗
der Adventiv-W. die eine Büschel- oder Fafer-W.
Taf. I. ) bilden. Nebenwurzeln der Zwiebel: Taf. 1,8)
dventiv⸗W. bilden sich am Stamm; solche sind z. B.
die Klammer⸗, Saugs, Luft- [Taf. J, 41 und Stüß-W.
der wurzelähnliche unterirdische Stamm wird öfter auch
ils W. oder Wurzelstock (s. Rhizom) bezeichnet. Neben
er Rahrungsaufnahme besorgt die W. die Festheftung
er Pflanze im Boden. — In der Mathematik heißt W.
die Zahl, welche man durch Zerlegung einer Zahl in
nehrere gleiche Faltoren erhält, je nach der Anzahl der
Faktoren 2. (Quadrat-W.), 3. (Kubik⸗W.), 4., 8. W. ꝛc.
In der Sprachwissenschaft ist W. die gemeinschaftliche
Brundform, aus welcher verwandte Wörter hervorgingen.
Wurzelbohrer (Aepialina), Unterfamilie der Holz⸗
hohrer, Schmetterlinge mit langgestreckten Flügeln, deren
chmutziggraue Raupen in der Erde von Wurzeln leben.
zekannteste Art der Hopfenspinner (Hepialus humüli
5.), oben silberweiß, unten braungrau im männlichen,
—
en Hopfenwurzeln.
Wurzelfüsßßer (Rhizopöda), Ordnung der Sarkode—
ierchen, teils nackte, teils von chitinöser oder kalkiger
Schale umhüllte Urtiere mit mannigfach gestalteten, oft
erschmelzeuden oder Netze bildenden Pseudopodien, teils
Neeres⸗, teils Süßwasserbewohner. 2 Unterordnungen:
) Thalamophoren (Kammerlinge, Foraminiferen, Khaamophôra,
 Foraminifsra), mit 38 (talkig, chitinös
»der Aus Fremdkörpern bestehend); ad Perforata: Schale
»on feinen Poren durchsetzt, kalkig, durchscheinend, selten
andig (Nummuliten, Globigerinen); b) Imperforata:
Schale solid, ein⸗ (Monothalamien) bis vielkammerig
Polythal amien), mit 122 Mündungsöffnungen oder einer
rößern Zahl Mündungsporen (Mäliöla, Gromia zc.).
) Amöben (Amoebaeformia), nackte Protoplasmaklümphen
 mit unbestän diger, wechselnder Gestalt, lappenförmigen
der netzbildenden Pseudopodien, mittels deren sie 5
angsam fließend bewegen (Amöboidbewegung), mit oder
ohne Kerne und kontraktile Vakuolen. Schon im Karbon
»orkommend, sind die W. in der obern Trias und dem
Iura reich entwickelt; fossile Schalen von W. in ungeheuren
Wengen bilden ferner großenteils z. B. die Kreidefelsen
von aͤgen Dänemark, England, Griechenland 2c., un—
geheure Massen von Globigerinenschalen den Globigerinen—
schlamm des Atlant. Ozeans.
Wurzelhaare, schlauchartige Haare an den jüngsten
Teilen der Wurzeln, die sich an die Bodenteilchen schmiegen
ind die Aufnahme des —28 und der Nährsalze bewirken.
Wurzelhaarstern, s. Seclilien.
Vurzelhaube, s. Wurzel.
Vurzelknollen, s. Knollen und Tafel: Botanik 1, 5.
Surzelkrebse, s. Rankenfüßer.
Vurzelschwamm, s. Trametes. stanik 1, 6).
Wurzelstock, s. v. w. Rhizom (s. d. und Tafel: Bo⸗
Burzeltöter, Pilzgattg, s. Rbizoctonia.
Wurzen, Staͤdt in der füchs. Kreish. Leiggia an der
Nulde, (1800) 166165 (1906;: 17 2038) E., Amisgericht,
vang. Kollegiatstift mit Domkirche, Schloß, Gymnasium,
andw. Schule, Baufachschule.
Würzestener, die Form der Bier- und Branntweinesteuerung,
 bei der die zuckerhaltige, reife Maische be—
teuert wird.
Wuste, großer, ebener oder gebirgiger, keineswegs
mmer sandbedeckter Landstrich, infolge geringer atmo—
phärischer Niederschläge arm an isce und Pflanzen,
aher unbewohnbar, außer in den Oasen (s. d.); nach der
zeschaffenheit des Bodens (Vorherrschen abtragender Vor⸗
änge oder neuer Ablagerungen) unterschieden in Steinder
 Felsen⸗,W. (Hammadas), Kies, We Saund⸗W. und Lelm—