LI.

Die primären und die sekundären Ursachen des
ungünstigen Standes der deutschen Valuta.

Kehren wir jetzt zu der in der Einleitung aufgeworfenen Frage
zurück, wie der ungünstige Stand der deutschen Wechselkurse während
des Weltkrieges zu erklären sei, so können wir die. Frage dahin beantworten,
 daß — bei aller Verschiedenheit im einzelnen — dieselben
Ursachen vorliegen wie für den schlechten Stand der englischen Wechselkurse
 während der napoleonischen Kriege. Die primäre Ursache ist
der Stand der Handels- und Zahlungsbilanz, die sekundäre Ursache
die Geldentwertung. Alle anderen Ursachen, die für die ungünstige
Valutä des öfteren angeführt werden, besonders die spekulativen und
politischen Einflüsse, hängen mit der primären Ursache aufs engste
zusammen.
Ich werde in den folgenden Abschnitten die auf die Geldentwertung
bezüglichen Probleme prüfen, hier nur auf die primäre Ursache eingehen.
 Ich kann mich hier kurz fassen, weil in der großen Literatur
über die Valutafrage diese primäre Ursache des öfteren eingehend
dargelegt wurde.
Gerade wie durch die Kontinentalsperre England vom Außenhandel
 großenteils abgesperrt wurde und dadurch die Ausgleichungsmöglichkeiten.
 zur Stabilisierung seiner Wechselkurse sehr
eingeschränkt waren, SO ist auch die für Deutschland während des
Krieges eingetretene Absperrung vom Auslande die entscheidende
Ursache des Sinkens der Wechselkurse. Man mag ermessen, was es
heißt, wenn ein Land mit einem Außenhandelsverkehr von rund
20 Milliarden plötzlich eines großen Teiles dieses Verkehrs sich beraubt
sieht. Nicht nur der Handel mit dem feindlichen Auslande hörte auf,
auch der Handel mit den neutralen Ländern erlitt die größten Einschränkungen,
 besonders unser Exporthandel, weil Deutschland zur
Sicherung der Versorgung der einheimischen Bevölkerung zöhlreiche
2