Die von uns vertretene Meinung, daß der Stand der Handels- und
Zahlungsbilanz die Hauptursache der Verschlechterung unserer Valuta
sei, wird oft mit dem Hinweis auf die Spekulation bestritten. Es
heißt, in viel einflußreicherem Maße hätten spekulative Machenschaften
den Kurs unserer Wechsel gedrückt als die Vorgänge des Handelsverkehrs,
 Diese Argumentation ist in doppelter Hinsicht falsch,
Es wird dabei übersehen, daß bei den meisten dieser Spekulationen,
deren Tragweite gar nicht geleugnet werden soll, sich Hausse- und
Baissespekulanten gegenüberstehen, die in ihren Wirkungen auf den
Markt .sich gegenseitig neutralisieren. Ferner aber, daß insoweit einseitige
 und überwiegende Baissespekulationen vorliegen, sie im engsten
Zusammenhang mit der primären Ursache, der Handels- und Zahlungsbilanz,
 stehen. Die Baissespekulanten nutzen die durch die Handelsund
 Zahlungsbilanz bewirkte Tendenz zum Sinken der Kurse aus, indem
sie diese Tendenzen bewußt verstärken durch falsche Nachrichten und
Berichte über die künftig zu erwartende noch schlechtere Gestaltung
der Marktlage usw. Während in normalen Zeiten, wie wir oben sahen,
die Wechselkurse nur innerhalb ganz enger Grenzen sich bewegen
können, daher der Spekulation nur’ein begrenzter Spielraum gegeben
ist, ist in Kriegszeiten dieses Schwanken ein unbegrenztes. Da jetzt
an Stelle des einheitlichen internationalen Zahlungsmittels, des Goldes,
die nationalen Zahlungsmittel treten, deren Wert sehr erheblich
durch das Vertrauen bedingt ist, das in die wirtschaftliche Kraft des
betreffenden Landes gesetzt wird, sucht der Baissespekulant dieses
Vertrauen zu erschüttern und verstärkt die in der wirklichen Verkehrsbilanz
 begründete Tendenz zum Sinken noch weiter. Man kann also
sagen: die primäre Ursache der schlechten Valuta ist die Handels- und
Zahlungsbilanz und die Spekulation darauf, Diese Spekulationen
fanden in besonders großem Maßstabe statt, solange vor dem Inkrafttreten
 der beiden Devisenordnungen vom 21. Januar 1916 und 8. Februar
1917 der Devisenverkehr noch frei war.
Bei den Spekulationen, die auf die Wechselkurse einwirken, sind
die des neutralen Auslandes, des feindlichen Auslandes und des Inlandes
 zu unterscheiden. Im neutralen Auslande sind die Markwechsel
und Marknoten seit Beginn des Krieges ein sehr beliebter Gegenstand
der Spekulation. Besonders in der Schweiz werden solche Spekulationen
auch von Leuten ausgeübt, die allem geschäftlichen Leben fernstehen.
In neuerer Zeit wird sie mehr A la Hausse ausgeübt, während sie früher
mehr A la Baisse operierte, Viele Menschen kaufen dort heute Mark,
die sie berufsmäßig keineswegs brauchen, weil sie hoffen, daß die infolge
der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk eingetretene Erhöhung