des Markkurses noch weiter anhält. Vom kleinen Geschäftsmann bis
zum Dienstboten — so berichtet die Frankfurter Zeitung vom 7. Januar
[918 — kauft man Mark, Die Hoffnung, an dem heutigen Kurs und
dem Friedensstand verdienen zu können, reizte die kleinen Käufer
ebenso wie die hier gegebene Möglichkeit, mit den geringsten Frankenbeträgen
 noch an der Jagd nach Gewinn sich beteiligen zu können.
Bei der zuerst vorhandenen allgemeinen Tendenz der Devisen, zu
steigen, rechneten die Spekulanten mit immer weiterem Steigen, hielten
oft mit dem Angebot zurück und verstärkten dadurch die Steigerung.
Die Spekulanten kauften mit Vorliebe fremde Geldsorten, Noten,
Wechsel, Schecks usw.,um bei der zu erwartenden Preissteigerung Vorteil
zu ziehen. Andererseits hat das Steigen der Devisenkurse importierende
Geschäftsleute in Deutschland veranlaßt, größeren Bedarf an fremden
Zahlungsmitteln anzumelden, als wirklich bei ihnen vorhanden war.
Vom feindlichen Auslande wurde durch allerlei falsche Gerüchte, die
über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands verbreitet wurden, ein Druck
auf die deutschen Wechselkurse ausgeübt. Es ist auch anzunehmen,
laß das feindliche Ausland, besonders England, durch indirekte Käufe,
die in Deutschland vorgenommen wurden, ausländische Zahlungsmittel
mit Beschlag belegte, und dadurch die deutsche Valuta entwertete.
Durch Zeitungsanzeigen im neutralen Auslande wurden oft Marknoten
in größten Mengen zu nieürigeren Preisen angeboten, als ihrem wirklichen
 Werte entsprach. Die Engländer kauften deutsche Markwechsel
auf und warfen große Posten auf den Markt, um den Preis zu entwerten.
In holländischen Zeitungen erschien eine Anzeige, die 17 Mill. M.
deutschen Geldes zum Kurs von 41 Gulden für 100 M. anbot; der amtliche
 Kurs war damals 41% Gulden. Zweck: die deutsche Valuta
möglichst schlecht zu machen !). Leider sind auch von Deutschen viele
Spekulationen vorgenommen worden, die eine weitere Verschlechterung
der Valuta zur Folge haben mußten. Diese Spekulation ä la Baisse
der eigenen Landeswährung wurde z, B. so vorgenommen, daß jemand
Reichsmarkvermögen bei einem Kursstand von 108 Franken für 100 M.
in die Schweiz sandte mit der Absicht, die umgekehrte Transaktion
mit einem entsprechenden Gewinn an Reichsmark vorzunehmen. Auf
diese Weise wurden große Summen Reichsmark auf den Schweizer
Geldmarkt geworfen und dadurch der Reichsmarkkurs geschädigt?)
Es war eine große Lücke in der ersten deutschen Devisenordnung,
daß die Ausfuhr von Marknoten freigelassen war. Infolgedessen wurden

!) Zukunft vom 12. 2. 1916, '
2) Vgl. Weyermann, Das deutsche Valutaproblem und die Devisenzentrale.
Im Handelsteil der Frankfurter Zeitung vom 22. I. 1917.