vermehrung auf die Preise erklärt, hängt mit der Grundlage seiner
ganzen Wirtschaftstheorie zusammen, auf die ich hier nicht näher eingehen
 kann!); nur die Nutzanwendung der Liefmannschen Theorie
auf die Frage der Inflation soll hier kritisiert werden. Es ist zunächst
die Einseitigkeit seiner Lehre zurückzuweisen, daß die Geldvermehrung
nur Einkommensverschiebungen bewirke. Richtiger wäre zu sagen:
Vermögens- und Einkommensverschiebungen, denn die Wirkung der
Goldvermehrung äußert sich oft auch in einer Erhöhung des Vermögens
bzw. des Kapitals einzelner Personen und nicht allein in Einkommensverschiebungen.
 Ebenso kann ich seiner Auffassung nicht zustimmen,
daß die sogenannte Kaufkraft des Geldes „nur individualwirtschaftlich
zu betrachten ist und daß sie von dem Einkommen abhängt‘, Liefmann
 meint, man erkenne erst die Beziehungen zwischen Geld, Preisen
und Einkommen, wenn man nicht Geldmenge und Preise in der ganzen:
Volkswirtschaft einander gegenüberstelle, sondern wenn man die Beziehungen
 zu den Einzelwirtschaften und ihrer Einkommen beachtet 2),
Nicht das Geld, meint Liefmann, sondern die Einkommen kauftem
die Güter, und deshalb müsse man die Veränderungen der Preise aus
den Änderungen der individualwirtschaftlichen Einkommenverhältnisse
erklären. Selbstverständlich kauft das ‚Geld‘ nicht die Güter, aber
auch die „Einkommen‘‘ kaufen nicht die Güter, sondern die Menschem
kaufen die Güter auf Grund eines gewissen Vermögens oder Einkommens,
Die Höhe der Preise, die sie bezahlen, hängt gewiß von ihren in Geld
geschätzten‘ individuellen Einkommensverhältnissen ab, aber diese
ganzen Schätzungsvorgänge vollziehen sich nicht rein individualwirtschaftlich.
 Die ganze volkswirtschaftliche und staatliche Ordnung
des Geldwesens spielt dabei auch eine Rolle; daher halte ich den
Satz Liefmanns für ganz unrichtig, daß das Vertrauen zum ‚Geld‘*
gar keine Rolle spiele: „Man muß erkennen,‘ sagt Liefmann, „daß
die Geldvermehrung nicht etwa durch Verminderung des Vertrauens
zum Gelde wirkt, sondern nur durch die Einkommen‘‘?). Dies hängt
wieder mit Liefmanns Grundauffassung vom Gelde zusammen, wonach
es überhaupt nichts anderes sei als eine abstrakte Rechnungseinheit
 und daß es gar kein selbständiger Faktor im tauschwirtschaftlichen
 Prozesse sei%).
Man darf bei diesen Problemen nicht nur auf die Einzelwirt-1)

 Vgl. meine eingehende Kritik der Grundlagen der Liefmannschen Theorie:
in meiner „Theoretischen Nationalökonomie‘, I. Bd. Jena 1916.
2) a. a. O. S. 70.
3 a. a. O. S. 81.
3) a. a. O. S. 7090.