Vı

Die Gegner der Goldwährung.

Die Frage, wie die deutsche Währung nach dem Kriege geordnet
werden soll, wird neuerdings in der Fachpresse und in Broschüren
lebhaft erörtert. Dabei wird auch der Standpunkt vertreten, daß wir
die Grundlagen unseres Geldsystems, die Goldwährung, aufgeben und
zu einem neuen Währungssystem übergehen sollen. Diese Forderung
wird keineswegs aus dem Gesichtspunkte heraus vertreten, daß wir
wegen der Schwierigkeit der Goldbeschaffung und aus Gründen der
Zahlungs- und Handelsbilanz genötigt seien, die Goldwährung preiszugeben,
 also gezwungenermaßen ein weniger gutes Währungssystem
annehmen müßten, sondern aus dem Grunde, weil die vorgeschlagene
neue Währung Vorzüge gegenüber der Goldwährung besäße und wir
die Gelegenheit des Friedensschlusses zu dem Übergang zu einem höheren
and besseren Währungssystem benutzen müßten. Es ist dafür bezeichnend,
 daß die meisten der Autoren, die während des Krieges mit
solchen Forderungen hervorgetreten sind, schon vorher solche währungspolitischen
 Vorschläge vertreten hatten und jetzt behaupten, daß die
Erfahrungen des Krieges die Richtigkeit ihrer Meinung bewiesen hätten,
Diese Währungsreformer vertreten allerdings untereinander grundverschiedene
 Meinungen und Vorschläge. Die Gruppe, die am wenigsten
das bisherige Goldwährungssystem ändern will, ist die, welche die
sogenannte Goldkernwährung fordert, d. h. den während des Krieges
bestehenden Zustand zu einem dauernden machen will. Es soll also
nicht die Goldwährung gänzlich beseitigt, sondern sogar in gewisser
Hinsicht beibehalten werden, insofern, als ein großer Goldschatz bei
der Reichsbank bestehen bleiben soll mit der doppelten Aufgabe, für
die Zahlungen nach dem Auslande einen Reservevorrat zu bilden und
um gleichzeitig zur Deckung der Banknoten zu dienen, die. aber — und
darin liegt die prinzipielle Abkehr von der früheren Goldwährung —
nicht mehr in Gold eingelöst werden sollen.